Die Vorgeschichte ist dubios, das Urteil eindeutig

Unbezahltes Wohnen: Zechpreller hinter Gittern

Mühlheim - Gestern sitzen Eltern und Sohn auf der Anklagebank des Offenbacher Schöffengerichts. Der Vorwurf: Zu dritt hätten sie Hotelzimmer in Offenbach und eine Wohnung in Mühlheim mit dem Wissen bezogen, keine Miete bezahlen zu können. Von Stefan Mangold 

Am Ende heißt es: Einmal 21 Monate Haft ohne Bewährung, zweimal Freispruch. Das Familientrio, das sich die Vorwürfe der Staatsanwältin anhört, wirkt wie aus gefestigten Verhältnissen stammend. Das traf auch einmal zu, wie die Verhandlung unter Richter Manfred Beck erahnen lässt. Der 69-Jährige Ehemann wird zudem noch wegen Erschleichen von Leistungen angeklagt. Im November und Dezember 2014 muss er beim Schwarzfahren nicht aufgepasst haben: Vier mal wurde er erwischt. Nicht das erste mal, wie der Blick in sein Vorstrafenregister verrät. Auf die schiefe Bahn geriet der einst Selbstständige erst jenseits der 60 Jahre. Rechtsanwalt Mario Galvano erwähnt den Grund: Spielsucht.

Im November 2014 bezogen die drei in Offenbach ein Hotel. Nach dem Auszug erstattete der Geschäftsführer Anzeige. Die Rechnung von 1170 Euro war offen. Immer wieder hatte der Mann die Rezeption vertröstet, erinnert sich eine Angestellte. Da hilft es auch nichts, dass der Angeklagte beteuert, er habe fest mit einem Geldeingang gerechnet. Die Geschichte klingt dubios. Vor zehn Jahren sei er zu einem Unfall gekommen. Ein Beteiligter hätte wegen eines Führerscheinentzugs eigentlich nicht fahren dürfen. Er habe ihn gedeckt. Der in der Schweiz lebende Mann hätte ihm über Jahre aus Dankbarkeit wiederholt Geld zugesteckt, „insgesamt eine halbe Million Euro“.

Mit einem neuen Schub habe er im Hotel gerechnet. Der sei wegen eines Zerwürfnisses aber ausgeblieben. Was dessen Identität betrifft, hält es der Angeklagte wie Altkanzler Helmut Kohl: Er will den Namen des Spenders nicht nennen.

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Getroffen hat es auch einen Mühlheimer Vermieter. Er sagt, die Familie habe einen guten Eindruck hinterlassen. Auch die Erklärung, warum der Mieter bei der Schlüsselübergabe das vereinbarte Drittel der Kaution samt einer Monatsmiete nicht dabei hatte, sei plausibel erschienen. Das Paar wohnte mit dem 36-jährigen Sohn fünf Monate in der 3,5-Zimmerwohnung, ehe bei einem Rückstand von gut 5200 Euro die Räumungsklage griff: „Elf Ausreden habe ich mir derweil angehört.“ Mittlerweile stottere die Frau über den Gerichtsvollzieher ab. Die 56-Jährige schweigt. Anders der Sohn: Er sei wieder zu den Eltern gezogen, als die Beziehung zur Freundin zu Bruch ging. Von der Zechprellerei im Hotel und der Absicht, keine Miete zu überweisen, habe er nichts gewusst: „Ich ging davon aus, dass alles läuft“, erklärt der Arbeitslose.

Der Vater räumt den Vorsatz zum Mietzinsbetrug ein. Seine Automatenspielsucht habe dazu geführt, „dass die beiden hier unschuldig auf der Anklagebank sitzen“. Das sieht Wolfgang Schumann ähnlich. Der Anwalt vertritt den Sohn. Für den hatte die Staatsanwältin auf 80 Tagessätze á zehn Euro plädiert. Schumann will Freispruch, ebenso wie Alois Kovac für seine Mandantin, die nach dem Willen der Staatsanwältin mit Tagessätzen von 150 mal 70 Euro vorbestraft gewesen wäre. „Es fehlt jeder Beweis für konkretes Wissen“, argumentieren die Verteidiger. Mutter und Sohn hätten zudem strafrechtlich eine weiße Weste.

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Anwalt Galvano hält die geforderten 21 Monate für den Vater zu hoch. Er pocht darauf, wegen Spielsucht verminderte Schuldfähigkeit anzunehmen. Das Gericht verneint. Der BGH sehe die nur im direkten Kontext einer Tat zur Sucht, „um Geld fürs Spiel zu generieren“. Der Angeklagte habe sich hingegen Leistungen erschlichen. Die Taten seien während Bewährungsfristen passiert. Wegen schlechter Sozialprognose lehnt Beck eine Bewährung für die 21 Monate ab. Die beiden anderen spricht er mangels Vorsatznachweis frei.

Rubriklistenbild: © dpa

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