Grüne fordern besseren Baumschutz bei Festen

Wie viel Kerb verträgt der Bürgerpark?

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Nebelschwaden, Partystimmung: Was den Mühlheimern Laune macht, schadet der Bepflanzung im Bürgerpark, sagen die Grünen. Das Gewicht von Fahrgeschäften und Menschen zerstöre Wurzelwerk und Erdreich. Die Fraktion stellt daher in der nächsten Stadtverordnetenversammlung einen Antrag auf besseren Baumschutz.

Mühlheim - Wenn Autoscooter donnern, Füße über Wiesen trampeln und Karossen Spuren in die Erde quetschen, dann ist Zeit für die Mühlheimer Kerb. Spaß hin oder her – das Gewicht von Menschen, Fahrgeschäften, Rädern ist schlecht für die Bäume im Bürgerpark. Von Eva-Maria Lill 

Das sagen die Grünen und fordern per Antrag in der Stadtverordnetenversammlung Entlastung für gequältes Grünzeug. Großer Spaß für Zweibeiner, weniger für Wurzelfüßler: Am Samstag startet die Mühlheimer Kerb. Das heißt: Müllerborsch, Ufftata und Karussell-Drehwurm. Doch die Sause stresst die Bürgerpark-Bepflanzung, sagen Mühlheims Grüne. Das Gewicht von Fahrgeschäften und Autos drücke den Bäumen aufs Gemüt. Aufgrund der Bodenverdichtung komme es zu Schäden an Wurzeltellern, Brüche seien Folge. „Es geht darum, die Natur in der Innenstadt zu schützen“, erläutert Dr. Jan Winkelmann, Grünen-Fraktionssprecher. Der Bürgerpark sei Mühlheims Mittelpunkt, sowohl was Bepflanzung als auch gesellschaftliches Beisammensein angeht. „Beides langfristig zu erhalten, ist uns wichtig.“

Daher bringt die Fraktion am Donnerstag, 9. Juni, einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung ein, in dem sie besseren Baumschutz fordert. Grundlage ist Paragraf eins der Mühlheimer Satzung für die Nutzung öffentlicher Grünanlagen und Kinderspielplätze aus dem Jahre 1968. „Es gibt diese Klausel – wir wollen die Stadt daran erinnern, sie auch umzusetzen“, verdeutlicht Winkelmann. Wortlaut des Paragrafen: „Öffentliche Grünanlagen und Kinderspielplätze dürfen nicht mit Motorfahrzeugen, mit Fahrrädern oder anderen Fahrzeugen – ausgenommen Kinderwagen, Kinderspielgeräte und Krankenfahrstühle – befahren werden. Das Schieben von Fahrrädern ist erlaubt.“

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Das klingt im ersten Moment nach Totalverbot. Soll es aber nicht. „Wir wollen keinesfalls sämtliche Fahrgeschäfte aus dem Bürgerpark verbannen“, stellt Winkelmann klar. Vielmehr müsse die Stadt zwischen Naturschutz und Zusammenleben abwägen. Ein Kompromiss sei, wenigstens die Wurzeln der Bäume zu schonen. Also die Fläche um den Stamm herum – etwa mit Radius der Baumkrone. „Keine Autos drauf abstellen. So einfach“, fasst Winkelmann die Grünen-Forderung zusammen.

„Die Bäume leisten Wesentliches“, erklärt der Grünen-Sprecher weiter. Der Bürgerpark sei so etwas wie das Ventilationssystem des Stadtraums. Großer Baumbestand könne die vom Deutschen Wetterdienst prognostizierte Erwärmung abmildern, Luftqualität verbessern und Staub aus Sauerstoff filtern. Zudem entlaste das Grün die Kanalisation und speichere Wasser. Sehr nützlich, besonders bei Starkregen. Winkelmann sagt abschließend: „All diese Qualitäten entwickeln Bäume im Laufe ihres Wachstums. Es gilt, den Schutz der bestehenden Bäume in Einklang mit unserer Kerb zu bringen.“

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Bürgermeister Daniel Tybussek reagiert hingegen mit Unverständnis auf den Grünen-Antrag. „Natürlich ist jeder Baum schützenswert“, betont der Rathauschef. Der Park sei aber auch ein wichtiges Freizeitareal und erfreue sich großer Beliebtheit. Tybussek sieht dessen Nutzung durch die Grünen-Forderung gefährdet. „Wenn wir an die 1200-Jahr-Feier zurückdenken und die positive Entwicklung der Kerb in den vergangenen Jahren, ist der Bürgerpark als Standort für Feste sehr gefragt. Die von den Grünen geforderten Einschränkungen führen dazu, dass solche Veranstaltungen infrage gestellt werden.“

In weiterer Konsequenz sieht Tybussek auch andere Veranstaltungen auf der Kippe, etwa die Waldgaudi der Feuerwehr, Feste auf dem Platz am Lämmerspieler Talweg oder in den Dietesheimer Mainauen. „Denkt man über die Intention des Antrags nach, müssten auch hier erhebliche Einschränkungen folgen“, mahnt Tybussek. Er hofft, dass der Antrag keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung findet.

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