Bestattungen nach muslimischer Tradition möglich

Die letzte Ruhe ohne Sarg und mit Blick nach Mekka

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Ein Wunsch des Ausländerbeirats und muslimischer Institutionen der Region ist erfüllt: Auf dem Waldfriedhof ist ab sofort die sarglose Bestattung möglich. Bei der Einweihung: Erste Stadträtin Gudrun Monat, Muhammad Khaled, Selim Tuna, Saban Yildirim, Emre Kabayel, Sefik Basköglü, Kadir Ginar, Nesarettin Elmaci, Canan Ünal, Hüsamettin Eryilmaz, Friedhofsgärtner Nicola Chiapperini.

Mühlheim - Ab sofort sind in Mühlheim Bestattungen nach muslimischen Riten möglich. Auf dem neuen Gräberfeld des Waldfriedhofs am Südring finden Menschen, die mit dem Blick nach Mekka und ohne Sarg beerdigt werden wollen, ihre letzte Ruhe. Von Marcus Reinsch

Der Antrag, den der Mühlheimer Ausländerbeirat (ALB) an die Stadtverordnetenversammlung gestellt hatte, lief ins Leere. Den Gefallen, die Friedhofssatzung doch bitte so zu ändern, dass auch sarglose und damit muslimischen Traditionen gehorchende Bestattungen möglich werden, hätten die Volksvertreter der Interessensvertretung der Ausländer zwar gerne getan. Die Stadtverwaltung konnte aber nicht. Denn in dem Regelwerk stand sowieso „nichts von der Pflicht zum Sarg“. So erklärte es Erste Stadträtin Gudrun Monat, als Dezernentin auch zuständig für die Gottesäcker, bei der Einweihung des neuen Gräberfelds für Muslime auf dem Waldfriedhof am Südring.

Vertreter des Ausländerbeirats und der muslimischen Gemeinden hatten sich im September 2015 schon einmal dort getroffen. Details zu Anlage und Ausstattung der Gräber, technischen Details und Absprachen zum Ablauf der sarglosen Bestattungen waren zu treffen. An einem Probegrab testeten alle Beteiligten, wie die Zeremonie korrekt ablaufen kann.

Da ist vieles zu beachten. Bestattungen der Verstorbenen muslimischen Glaubens werden in der Regel von muslimischen Bestattern organisiert. Die rituellen Waschungen finden in ihren Räumen statt. Für das Ausheben der Gräber sorgen die Friedhofsgärtner, für die Bestattung selbst und das erste Verschließen der Gräber in der Regel wieder der Bestatter und die Angehörigen. Und für das endgültige Verschließen der Gräber erneut die Friedhofsgärtner.

Vor allem in einem Punkt unterscheidet sich diese Prozedur von christlichen Traditionen. Der Tote liegt zwar in beiden Fällen in einem Sarg, wenn er transportiert wird. Doch Muslime bestatten den Körper nur in einem weißen Tuch. Beim Herablassen müssen also zwei Lebende mit ins 1,50 Meter tiefe Grab steigen. Damit in diesem Moment nichts passieren kann, etwa durch einbrechende Erde, werden die Wände vorübergehend mit einer Art Kiste stabilisiert. Ist dieser Akt vollbracht, wird der Tote vor dem Zuschütten des Grabs von Hand mit Holzbrettern bedeckt, damit er nicht direkt mit der Erde in Berührung kommt.

Die Gräber sind, wie es die muslimischen Bestattungsregelungen vorsehen, so angelegt worden, dass die Ausrichtung der Verstorbenen auf der rechten Schulter liegend mit Blick in Richtung Mekka gewährleistet ist. Die möglichen Grabstellen – 52 einzelne für Erwachsene und 53 für Kinder plus sieben Doppelgräber für Partner – wurden wie auf dem Waldfriedhof üblich mit Randsteinen eingefasst. Sechs bereits belegte Gräber von Muslimen, die ihren religiösen Tradtionen gemäß, aber nach deutschen Riten mit Sarg bestattet wurden, schließen sich an. Die Bestattungsgebühren werden analog zu den sonst üblichen Erdbestattungen erhoben.

Die Erste Stadträtin freut sich „dass es uns gelungen ist, den muslimischen Mitbürgern eine Bestattungsweise zu ermöglichen, die Ihren Riten entspricht.“ Speziell für die Familien der in Mühlheim dauerhaft heimisch gewordenen zweiten und dritten Einwanderergeneration sei es wichtig, die Möglichkeit der sarglosen Bestattung in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnort zu haben.

Der Mühlheimer Ausländerbeiratsvorsitzende Hüsamettin Eryilmaz erwidert Monats Lob für die Zusammenarbeit. Er sehe dem Abschluss des Projektes mit Freude entgegen und danke der Stadtverwaltung „im Namen der gesamten muslimischen Gemeinde für die Unterstützung und Umsetzung unseres Anliegens. Unsere Verstorbenen jetzt nach muslimischer Sitte bestatten zu dürfen“, sei für alle Muslime wichtig, die so gut wie keine Verbindungen mehr in ihr Heimatland pflegen und dort nicht bestattet werden möchten.

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