Warnstreik in Mühlheim

Kita-Betreuung erstmal gesichert

Mühlheim - Der Warnstreik im öffentlichen Dienst hat heute Folgen in vier Mühlheimer Kitas: Dort gibt es eine Notbetreuung. Von Marcus Reinsch 

In Sachen Gebührenerstattung an Eltern braucht sich die Stadt derweil keine echten Sorgen um ihre Kasse zu machen - nach dem sehr langen Streik letztes Jahr mussten viele schon fast zum Antrag genötigt werden. Noch alles recht entspannt an der Betreuungsfront: Einige Erzieherinnen in städtischen Kindertagesstätten werden heute zwar streiken. Sie folgen dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi, im Tarifstreit mit den kommunalen Arbeitergeberverbänden um mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen den Druck zu erhöhen, fahren zur Kundgebung nach Frankfurt. Doch vom Zusammenbruch, wie er beim auf Wochen gedehnten Arbeitskampf vergangenes Jahr drohte, ist die Kinderbetreuung in Mühlheim weit entfernt.

In vier städtischen Einrichtungen - Kitas Mühlmäuse, Raabestraße, Schlesierstraße und Villa Basalto - gibt es heute eine Notbetreuung. Sprich: Kein Kind bleibt „ohne“. Die Eltern wurden im Vorfeld über die Situation informiert. Wer keinen Ersatzaufpasser in Freundes- oder Verwandtenkreis auftreiben kann, findet einen Platz in einer Notgruppe.

Geht ja auch erstmal nur um den einen Tag. Dass die Toleranz vieler Eltern deutlich länger reicht, zeigt ein Blick ins vergangene Jahr. Da hatten sich die Streiks über Wochen hingezogen, der Jahresurlaub berufstätiger Mamis und Papis ging teils nicht für Reisen drauf, sondern für die Betreuung ihres Nachwuchses. Die Empörung über die Folgen des Ausstands war bei allem Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen groß.

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Doch als die erstmal auf höhere Gewalt pochende Stadt dann die Möglichkeit zur Rückerstattung der Gebühren ab dem sechsten Streiktag in ihrer Kita-Satzung verankerte, gab es einen „extrem niedrigen Rücklauf“. So bilanziert es im jüngsten Stadtparlament Erste Stadträtin Gudrun Monat, die Sozialdezernentin. Heißt: Erstmal landeten nur wenige Anträge im Rathaus, „obwohl wir hier sehr genau berechnet hatten, wie viele Betroffene es gibt, wer welchen Rückerstattungsanspruch hat und die Eltern von uns auch ganz offensiv darauf aufmerksam gemacht wurde“, sagt Monat gestern. Letztlich habe die Stadt sogar einen weiteren Anlauf über die Kita-Leitungen gestartet.

Unterm Strich habe die Verwaltung 2138,76 Euro Betreuungsgebühren und 931,22 Euro Essengeld zurückgezahlt. Die damit von Eltern nicht eingeforderten 1137,92 Euro werden nun für das Mühlheimer Kinderfest im September verwendet. Der aktuelle Streik muss nicht unbedingt zur Wiederholung des Ausnahmezustands von damals führen. Erstmal handele es sich hier um „eine ganz normale Tarifrunde“, sagt Bürgermeister Daniel Tybussek. Als Personalchef der städtischen Mitarbeiter gehört er zwar eigentlich zur Arbeitgeber-Seite. Doch er hält sich betont neutral. „Wir haben hier eine hohe Wertschätzung für alle Kollegen und meinen, dass gute Arbeit gerecht entlohnt werden muss - unabhängig von der Haushaltslage einer Kommune.“

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