Wenn Luigi nach Verrückten sucht

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Hoch das Bein: Keine Fastnacht ohne lange Garde-Beine. In Dietesheim tanzen mehrere Gruppen der Kolpingfamilie in blau-weiß und geleiten die Kappenträger charmant auf die Bühne.

Dietesheim ‐ „Narren, keine Verrückten!“ Luigi brauchte eine Weile bis er verstand, dass auch in Diddesem „fast Nacht“ ist. Doch in der Hand von Hobby-Bauchredner Stefan Heberer lernte das vorlaute Filzmaul schnell. Manchmal sind die kleinen, heimeligen Feiern die feineren. Von Michael Prochnow

Das gilt ganz besonders für die Sitzung des Katholischen Kirchenchors Dietesheim, die am Dienstagabend anstelle einer Probe das Pfarrheim beben ließ.

Hans-Josef Lettau begrüßte als Conferencier „Holger M. aus Erlensee“, der die musikalische Begleitung erstmal im Alleingang leistete, und die Besucher im recht gut besuchten Saal mit einem „dreifachen Helau aus dem Haus der Frommen“ begrüßte. Den schwungvollen Auftakt übernahmen die „Mädels von der Kolpinggarde“ in blau-weiß. Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Kappenträger, ließ aus Berlin grüßen. Den „Abend versüße'“ und dem Kirchenchor Referenz erweisen vermochte statt seiner Kurt Eitel. „Das sind diese Verrückten?“, wunderte sich dann „Luigi“. Und die „komischen Typen“? An Heberers Reim-Gesang beteiligten sich auch die „Hofnarren“.

Das Schweizer Geld weg, in seiner Börse sei Ebbe, klagte Protokoller Andreas Dippelhofer. Politiker seien aalglatt, so durchschaubar, „hätt' de' Horst Schlämmer doch ernst gemacht“ und sich der Kanzlerwahl gestellt. „Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden“, zitierte der Protokoller den Liedermacher Reinhard May und erinnerte an all die Missetaten des Roland Koch. Unter den Firmenpleiten bedauerte Dippelhofer die des Unterhosenherstellers und brachte gleich sein Lieblingsstück mit.

„Zwaa Tratschtanten“ waren die schönsten Frauen in der Bütt

Selbst den aktuellen Trainerwechsel bei Kickers Offenbach karikierte er bereits und klagte über Orgel und Kirchenbau. „Ooooh Diddesem, how beautiful“, hauche die englische Queen von der geplanten Bucht aus. Mit Tröte, Leierkasten und dunklem Umhang zog „Nachtwächter“ Hans-Peter Schwenger auf die Bühne. Und er kann nicht nur Brötchen backen, sondern auch singen, bewies er den Gastgebern.

Ingrid Kleser (links) und Sylvia Mottner amüsierten in der Bütt‘ als „zwaa Tratschtanten“.

„Mister Bihn“ werde nach seinem 40. Geburtstag „von den Frauen gesucht“, musste allerdings erkrankt die Sitzung schwänzen. „Wenn ihr da in Berlin so weiter macht, werdet ihr nur ausgelacht“, mahnte Schwenger die Merkel-Regierung. Wichtig sei, was hinten rauskommt, bei der Biogas-Anlage sei das wie beim Pupsen. Schon viele Müllemer wollten Basaltkopp werden, seien durchgefallen und jetzt Lämmerspieler. Der Postvorstand spare bei den kleinen Leuten, wetterte er weiter, und an Briefkästen. Die „Frau Kaiser“ kämpfte mit rotem Hut für einen solchen und schaffte es so in die Zeitung.

Die schönsten Frauen in der Bütt' indes waren „zwaa Tratschtanten“, Ingrid Kleser und Sylvia Mottner, mit Klamauk in Wechselrede. Letztere diagnostizierte als „Frau Doktor“ bei Inge Hofmann einen „Spruchfehler“, „Bukterien in der Bluse“. Die Sängerkameraden kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, hatte doch gerade „Bauarbeiter“ Willi Gerd Öl gefunden. Pfarrer Kost träumte im Blaumann von einer neuen Kirche mit schweren Glocken und Bier an allen Säulen. Der Kirchenchor werde mit 'nem Fläschche' Öl gedopt und ein Wellnesstempel gebaut, schilderte das Büttenass, mit „Zölibatsverstärkern“, hässlichen Damen, für Geistliche.

Von „zartem Duft aus Bier und Schweiß und gestählten Körpern“, kündigte Lettau schließlich die zehn Finther Schoppesänger und drei Musiker an.

Die schmetterten stimmgewaltig Hits über „Männer“, „Machos“ und „Girls“. Bajazzo, Bauer, Bierbäuch' und Meenzer Buben brachten als Solisten in kunterbunten Kostümen überschäumende Stimmung, luden zum „Fliegen“ und Schunkeln und in die Stadt am Rhein ein.

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