Erlös geht an Mühlheimer Senioren

Wirt Rudi Härtl lädt zum Straßenfest vor seiner Probierstube

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Die Werbetrommel für das Straßenfest rühren Horst Schweikard (von links), Rudolf Härtel und Fredi Keller.

Mühlheim - Mit einem rauschenden Straßenfest vor seiner Wirtschaft will Rudi Härtl Geld für einen Seniorenabend im Advent sammeln. Außerdem möchte er sich so bei seinen Mitbürgern bedanken. Von Stefan Mangold 

Während der Mühlheimer 1200-Jahrfeier erzählte Rudolf Härtl (55) Horst Schweikard (65) von der Idee, vor seiner „Probierstube“ an der Jean-Monet-Straße ein Straßenfest zu organisieren. Weil Bürgermeister Daniel Tybussek in der Nähe stand, sprach der Wirt ihn gleich an. Der städtische Verwaltungschef sagte sofort zu, den bürokratischen Kram zu erledigen. Ein Straßenfest muss schließlich angemeldet und genehmigt werden. Am Freitag, 27., und Samstag, 28. Mai, gelangt man über die Jean-Monet-Straße auf die Dietesheimer deshalb nun nur zu Fuß. Weder Härtl noch Schweikard würden so viel Wind machen, wenn es nur darum ginge, den Alltag der Probierstube für zwei Tage auf die Gasse zu verlagern. Solange bleibt die Kneipe nämlich dicht.

Die Brauerei Schlappeseppel sponsert 150 Liter Bier, der Vereinsvorsitzende Schweikard baut mit Kollegen von seinem Ski- und Freizeitclub das Zelt auf. Zu Essen gibt es nicht die üblichen Würstchen, sondern Paella. „Den Fisch lassen wir weg, falls es heiß werden sollte“, geht Härtl auf Nummer sicher. Mit dem Erlös des Festes planen die Organisatoren um den ersten Advent herum in der Willy-Brandt-Halle ein großes Kaffeetrinken mit Kuchen für Senioren aus Mühlheim und Umgebung.

Für Rudolf Härtl gibt es einen allgemeinen und einen persönlichen Grund für sein karitatives Engagement. Am Tisch von Horst Schweikard sitzt Fredi Keller in der Probierstube. Wenn einer der beiden Kumpels, erklärt der Wirt, in ferner Zukunft im Altenheim in Mühlheim lebte und der andere in Dietesheim, „dann seht ihr euch doch nicht mehr“. Sowieso empfindet es der Mann als Armutszeugnis, wie die Gesellschaft mit ihren älteren Mitbürgern umgehe. Unter seinen Gästen erlebe er Bewohner des nahen Altenheimes, „denen nur ein paar Euro Taschengeld zum Ausgehen bleiben“. Der geplante Adventskaffee wäre zwar der erste seiner Art, solle aber nicht einmalig bleiben. „Wir wollen die Geschichte zu einem festen Mühlheimer Treffpunkt entwickeln“, betonen Härtl und Schweikard.

Ungewisse Zeiten

Der persönliche Grund liegt in der Biographie des Gastwirts, der ein Vierteljahrhundert als Dreher beim Manroland arbeitete, bevor ihn vor sechs Jahren die Hauseigentümerin der Probierstube in seinem Angelurlaub in Norwegen anrief, ob er sich vorstellen könne, die Wirtschaft zu übernehmen. In der Probierstube, die vor 60 Jahren eröffnete, erfährt der Mühlheimer was im Ort passiert, ähnlich wie nicht weit weg im Friseursalon Euler.

Als 1973 der damals Zwölfjährige Rudi von der Schule nach Hause in die Apfelbaumgasse einlief, sah er Feuerwehr-, Polizei- und Krankenwagen sowie eine Menschenmenge vor seinem Elternhaus, das in Trümmern lag. Ein 14-jähriger und ein acht Jahre alter Bruder kamen bei der Explosion ums Leben, sie hatten früher Schule aus als ihre Geschwister. Die Eltern verbrachten den Tag auf der Beerdigung von Rudis Opa in Gernsheim. Er habe nicht vergessen, wie die Mühlheimer in den nächsten Monaten halfen. Die verbleibenden sieben Kinder verteilten sich auf Familien, solange bis das Haus wieder stand.

Bis dahin herrschten ungewisse Zeiten, erinnert sich Härtl, „meine Schulnoten besserten sich damals nicht“. Das Haus stand jedoch nach einem halben Jahr schon wieder, weil Vater Rudolf-Franz Maurer war und ein ganzer Trupp Helfer dem Mann nach Feierabend und am Wochenende zur Hand ging. Härtl erinnert sich besonders an Pfarrer Johann Kotschner von der St. Markus-Gemeinde, „der kam täglich und packte an“. Härtl sieht das Benefizstraßenfest als Chance, wenigstens ein bisschen was an Mühlheim zurückzugeben.

Am Freitag beginnt das Fest an der Jean-Monet-Straße um 16.30, am Samstag um 15 Uhr.

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