Mit Getüm und Illuminationskunst

Altheims „ARThaus“ feiert Einjähriges

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„Das Getüm“ hält illuminierten Einzug ins Altheimer „ARThaus“: Kristin Wichert, Max Petermann und Emma Neuroth proben schon fleißig am Lichttheater für Kinder, dass zum Einjährigen kommenden Samstag inszeniert wird.

Altheim - Das „ARThaus“ im bis vor kurzem noch so umstrittenen ehemaligen Rathaus, es feiert Einjähriges. Von Thomas Meier 

Und weil es wohl selbst für die kreativen Betreiber so überraschend ist, dass sie als Verein für Kunst und Kultur schon über 365 Tage im lange verwaisten Mollerbau schalten und walten dürfen, nennen es so auch hochtrabend „1. Jubiläum“. Und dafür haben sich die Programmmacher der vergangenen zwölf Monate noch mal so richtig ins Zeug gelegt. Vom 20. bis 22. Mai wird im „ARThaus“ nach Art des Hauses der Kreativität Tür und Tor geöffnet. Vom Hausmahl-Freitag bis zum „Swinging Sunday“ gibt es Programm satt. Und dabei kommen auch die Kleinen nicht zu kurz. Für sie proben die Akteure schon akribisch für die Aufführung mit dem bedeutungsschwangeren Namen „Das Getüm“. Auch hier macht das „ARThaus“ seinem Namen alle Ehre, denn es kramt ein Kunstwort aus der Versenkung, von dem allgemein eher das Gegenteil bekannt ist: das Ungetüm.

Kristin Wicher, Emma Neuroth und Max Petermann sind hier Darsteller, inszenieren am Samstag (21.) um 15 Uhr im Ex-Rathaus ein Lichtspieltheater für Kinder ab vier Jahren. Aufs Getüm kam Pädagoge Petermann, der sich an das Kinderbuch von Dietlind Neven-du Mont noch gut erinnern kann. Denn das, geschrieben Anfang der 1970er Jahre, ist mindestens so in Vergessenheit geraten wie die in ihm spielenden Getüme. Was die Sache nicht un- sondern im Gegenteil symphatischer macht. Denn die Wiederbelebung der relativ unbekannten Getüme passt so recht zum Anlass der Reanimation des so lange so unbelebten alten Altheimer Rathauses.

In zwei sehr erfolgreichen Kinderbüchern charakterisierte die Autorin das Getüm als freundlich, liebenswert, interessant und witzig sowie für Kinder nützlich und nicht beängstigend. Und so sind die „ARThaus“-Getüme klein, frech, und grün. Wo sie auftauchen, geht es schnell drunter und drüber. Sie sind zwar wild, aber im Grunde harmlos. Ganz im Gegensatz zu Ungetümen, den ungeheuren Monstern und Schreckensgestalten, die man Kindern besser nicht vorsetzt in artgerechten Kindervorführungen.

Mit Overheadprojektoren wollen die drei Akteure die ungewöhnliche Geschichte ans Kind bringen, übertragen in Lichtbilder. „Mit Farbe und Bewegung soll gespielt werden“, sagt Petermann, und die Zuschauer sollen sehen, wie alles in Szene gesetzt wird. „Wir wollen anregen, selbst zu spielen und geben deshalb viel Raum für Inspiration“, sagt Kristin Wicher. Rund 40 Plätze sind im einstigen Ratssaal zu ergattern, etliche sind schon verkauft. Der Rest kann für den Eintritt von fünf Euro per E-Mail geordert werden unter rathaus.arthaus@gmail.com.

Haben die „ARThaus“-Macher uns schon mal hinter die Kulissen des Getüm-Theaters blicken lassen, so versprechen auch die anderen „Jubiläums“-Aktivitäten erquickliche Zeiten. Mit einem Hausmahl beginnen die Feierlichkeiten am Freitag (20.) um 19 Uhr im Saal. Die Kunst-Kantine serviert Pasta in der Lichterschau von Jens Schrader, einem Illuminator, der sich bereits auf der Luminale in Frankfurt einen Namen gemacht hat. Kochleidenschaft mischt sich hier mit Kunstaktion. Das kreative Menü inklusive Apéro und Cocktail kostet pro Person 20 Euro, Anmeldung per E-Mail.

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Nach Speis und Trank geht es weiter mit „Hauslicht“. Schrader illuminiert die Fassade des altehrwürdigen Rathauses und verwandelt das „ARThaus“ in eine lebendige Skulptur. „Licht, Farbe, Formen und Verläufe setzen die Mauern in Bewegung“, heißt es in der Ankündigung. Der Austritt ist freilich frei. Gleiches gilt für den Eintritt zur Hausparty, die ab 21 Uhr in der Bar mit Sounds von DJ Lyra Bird gefeiert wird: Die Bässe wummern, die Beats pulsieren, das ARThaus lebt.

Auch am Samstag (21.) soll’s mit Getümen allein nicht getan sein. Zum Einjährigen konzertieren ab 21 Uhr aus Anlass ihres Elfjährigen die Can-Gurus. Ihren Sound beschreiben die heimischen Musiker so: „Wir nehmen mehrere Becher Schlagzeug, gut groovend angerührt in Verbindung mit einem guten Pfund Bass. Mischen das Ganze mit zwei wohldosierten Gitarren, die wir je nach Geschmack auch mit Banjo, Mandoline oder Weissenborn variieren. Nun rühren wir alles zu einer geschmeidigen Masse.“ Wohl bekomm’s. Applaus sei das Salz in ihrer Can-Guru-Suppe. Und fünf Euro Eintritt. Der Swinging Sunday schließlich beginnt bei freiem Eintritt am Sonntag (22.) um 12 Uhr. Für Sound sorgt das Swing-Trio Del Mar, drei Musiker, die mal mit temperamentvoller, mal mit lässiger Art durch die Jazz-Zeit führen. Für Kaffee und Croissants werden Spenden erbeten.

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