Bürgermeister Frank beklagt „skandalöse“ Zustände

Kita „Im Rüssel“: Erst Schimmel, nun „falsches Dach“

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Wandbeläge, Fußböden und sämtliches Inventar ist raus aus der vom gesundheitsgefährdenden Schimmel befallenen Kita Im Rüssel. Und bei den Arbeiten bemerkte man jetzt: Das Haus hat ja ein „falsches Dach“.

Münster - Ein „falsches Dach“ auf dem Kindergarten sorgt für ärgerlichen Zeitverlust. Auf einem Ortstermin informierte der Bürgermeister über den Verlauf der Sanierungen, die wegen Schimmelbefalls nötig wurden.

Bürgermeister Gerald Frank und der Gemeindevorstandmachten sich bei einem Ortstermin ein Bild über den aktuellen Stand der Sanierungsmaßnahmen in der Kita „Im Rüssel“. Bereits seit Juli 2015 ist die Kindertagesstätte wegen Schimmelbefalls geschlossen. Die 80 dort untergebrachten Kinder werden seitdem notdürftig im ehemaligen Jugendzentrum an der Bahnhofstraße untergebracht, das zuvor bereits für die Notunterbringung von Asylbewerbern zweckentfremdet wurde. Architekt Rudolf Happel aus Reichelsheim erklärte die aktuell bei der Sanierung aufgetretene Problematik mit einem „falschen Dach“. Da es durch Lüftungsrohre, Dämmmaterial und den Einbau einer zusätzlichen Akustikdecke belastet wird, hatte Happel den Auftrag, die Statik des Daches zu prüfen. Als sich herausstellte, dass auch bei der Bauaufsicht keine Berechnung der Statik vorlag, musste das Dach von innen geöffnet werden. Dabei wurde festgestellt, dass die 40 Jahre alte Konstruktion nicht mit der des Bauplans übereinstimmt. Dies sorgt nachhaltig für Verdruss. Es müssen neue statische Berechnungen angestellt werden und Baumängel behoben werden.

Die Sanierung des Kindergartens „Im Rüssel“ beschäftigt die Verwaltung schon lange. Mitarbeiter hatten bei Renovierungsmaßnahmen hinter einer Tapete die gesundheitsschädliche Schimmelbildung entdeckt. Bürgermeister Gerald Frank reagierte umgehend und evakuierte die Tagesstätte. Kinder und Erzieher wurden ins Jugendzentrum umgesiedelt, wo die Einrichtung bis heute untergebracht ist.

Beim Ortstermin wies Architekt Happel auf Ursachen des Schimmelbefalls hin. Das Mauerwerk unter den Türen sei nicht richtig abgedichtet worden, sodass Wurzelwerk unter der Türschwelle einwachsen und Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringen konnte. Die Folge war die beträchtliche Schimmelbildung. Die Grundsubstanz des Hauses sei laut Architekt dennoch gut und erhaltenswert. Dies besagt auch ein Baugutachten, das im vergangenen Jahr extra angefertigt wurde. „Der Schaden kann durch eine fachgerechte Außenabdichtung behoben werden“, erläuterte Architekt Happel. Erfreulich sei, so Bürgermeister Frank, dass es nach der notwendigen Entkernung bei den durchgeführten Kanalarbeiten zu Einsparungen gekommen ist. Dies helfe ein wenig, die Mehrausgaben für die neu berechnete und nachzubessernde Dachstatik auszugleichen.

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„Skandalös ist einfach die Tatsache, dass damals beim Bau ein anderes Dach, als planmäßig vorgesehen, errichtet worden war und es offenbar nach Fertigstellung – wie auch schon beim „Haus der Kinder“ – keine ordentliche Abnahme gegeben hat“, moniert Bürgermeister Gerald Frank, der nicht nachvollziehen kann, warum die damals Verantwortlichen nicht erkannt haben, dass die Statik völlig unzureichend war. Mehrkosten sowie beträchtliche zeitliche Verzögerungen bei den Arbeiten seien nun die Folge. Erst nach der Verstärkung der Balkenkonstruktion können die Arbeiten an der Elektrik, Heizung und Lüftung beginnen. Um bei aktuellen Sanierungsmaßnahmen Baumängel und Unzulänglichkeiten auszuschließen, wurden unter anderem auf Weisung von Bürgermeister Gerald Frank ein wöchentliches Jour fixe eingeführt, an dem sich die Architektin des Büros Happel, die Bauabteilung der Gemeinde sowie die zum jeweiligen Zeitpunkt am Bau tätigen Fachleute abstimmen.

„Bedauerlich ist, dass die gründlich arbeitenden Mitarbeiter der Bauabteilung wertvolle Arbeitszeit für die Beseitigung von Fehlern aufbringen müssen, die vor 40 Jahren bei sachgerechter Arbeitsweise hätten vermieden werden können“, sagt Bürgermeister Frank. Er drückt seine besondere Anerkennung für die Erzieher aus, die mit ihrem außergewöhnlichen Einsatz das Provisorium JUZ so mit Leben füllten, dass die Kinder mit Spaß und Freude ihre Kita-Zeit erleben könnten. tm

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