Erzieher legen Arbeit nieder

Kita-Streik: Flüchtlinge sorgen für „Not-Essen“

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Damit neben der Betreuung während des Streiks der Erzieherinnen nicht auch noch das Essen ausfällt, kochten in Münsters Ex-Jugendzentrum Flüchtlingsfrauen für ein Dutzend Kinder in der schnell eingerichteten Notfallbetreuung. Das bereitete auch dem neuen Ersten Beigeordneten Jan Stemme (rechts) großen Spaß.

Münster - Mit leuchtenden Augen, sich schnalzend die Zungen über die Lippen fahrend, verfolgten gestern Mittag zwölf Kinder das überaus verführerisch duftende Geschehen im ersten Stock des ehemaligen Jugendcafés.

Dort ist seit bald einem Jahr die Kindertagesstätte Im Rüssel untergebracht, weil in deren Gebäude der Schimmel die Regentschaft hat. Doch gestern war außerdem auch noch Ausnahmezustand: Wegen des Warnstreiks im Öffentlichen Dienst legten auch die rund 18 Erzieherinnen und Erzieher der kommunalen Kitas Im Rüssel und Haus der Kinder ihre Arbeit nieder.

Diesem Umstand und der Fürsorge von Detlef Pröve, Leiter der Abteilung für Soziales in der Verwaltung, hatte das Dutzend Kinder sein köchelndes Erlebnis zu verdanken. Denn weil bereits vergangene Woche absehbar war, das auch in Münster gestreikt werden würde, wurde eine Notfallbetreuung organisiert.

„Und dass dies so vorzüglich geklappt hat, ist vor allem unseren Flüchtlingen zu verdanken, die uns auf unsere Bitte hin tüchtig unterstützten,“ sagt Münsters neuer Erster Beigeordneter Jan Stemme, der sich vor Ort ein Bild von der symbolträchtigen Hilfsaktion machte.

Für jene Eltern, die gestern keine Alternativbetreuung organisieren konnten und nachweislich aus beruflichen Gründen auf eine Betreuung angewiesen waren, bestand von 7 bis 17 Uhr die Möglichkeit, die Kinder im Juz in der Bahnhofstraße aufnehmen zu lassen. Voranmeldung hierzu war freilich nicht möglich. Doch wohl auch deshalb rechnete Pröve mit seinem Team lieber mit ein paar hungrigen Mäulern mehr.

Verdi macht mit Warnstreiks Druck

Zum Team zählten in diesem Falle auch die beiden vom Kreis finanzierten Flüchtlingshelfer David Gauf und Amelia Matera, die Münster befristet für zwei Jahre anstellte. Sie und fünf Köchinnen aus der Flüchtlingsunterkunft in der Darmstädter Straße managten die Notbetreuung. Das afghanische Essen, bestehend aus Hühnerfleisch, Hirse, Linsen und Reis, fertigten Mina, Samaneh und Alem, derweil sich Hanan und Ala um die Betreuung der Kinder kümmerten. Letztere sind in ihren Heimatländern als Lehrerinnen tätig gewesen und haben sich bereits im „Arthaus“ Altheim eingebracht.

Die Kinder fanden alles überaus spannend und wurden nicht nur mengenmäßig alles andere als „not-verköstigt“. Sie und ihre „Betreuer für einen Tag“ hauten herzhaft rein ins leckere, exotisch anmutende Mahl. (tm)

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