„Arthaus“-Betreiber wollen Lichtbildner für sich gewinnen

Foto-Kunst im Ex-Sitzungssaal: Gelungener Projekttag

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Wo sich einst die Gemeinderäte die Köpfe bei den politischen Debatten heiß redeten: Im Sitzungssaal des ehemaligen Rathauses Altheim gab es jetzt Fotoshootings mit Flüchtlingen und anderen Fotointeressierten.

Altheim - Der erste Foto-Art-Tag im „Arthaus“ kann als voller Erfolg verbucht werden. Ein halbes Dutzend Freizeit- und Hobbyfotografen bauten im ehemaligen Rathaus Altheims ihr Equipment auf und luden ein zum Experimentieren und Fotografieren. Auch etliche Flüchtlinge waren gekommen. Von Thomas Meier 

Nach vielen Jahren Leerstand ist seit gut einem Jahr wieder Leben in dem über 200 Jahre alten Gemäuer. Die Pforten des historischen Gebäudes an der Hauptstraße wurden am 9. Mai vergangenen Jahres erstmals wieder geöffnet und das Rathaus ist seitdem „Arthaus“. Die Betreiber, ein mittlerweile eigens gegründeter Verein, möchte das Ex-Rathaus zu einem Ort des gemeinschaftlichen künstlerischen Schaffens und sich Austauschens machen. Und dafür boten die Aktiven bereits eine Fülle an Projekten und Aktionen. Nun also ein Foto-Aktionstag. „Foto-Art“ soll sich, so die Idee dahinter, zunächst als lockerer Verbund fotografisch Ambitionierter etablieren, eventuell mit einem monatlichen Treffen in den Räumen des alten Mollerbaus. Zur Premiere hatten sich eine Handvoll Freizeitfotografen zusammengetan und einige Projekte mit eigener Ausstattung ermöglicht. Carmen Knöll, Peter Panknin, Ellen Jöckel, Karin Banki und Desiree Bausch boten allerlei Unterhaltung für die Besucher, die sich gern auch selbst mit einbringen durften.

Bildbearbeitung am Computer: Ellen Jöckel (links) zeigte es den Interessierten im „Arthaus“.

An verschiedenen Stationen waren Portraits im Fotostudio, Fotocollagen, Bildbearbeitung am Computer oder Stopptricktechnik angeboten worden. Hier konnten sich die Fans der Lichtbildnerei ausprobieren und bei Tee und Gebäck über ihr Hobby austauschen. Zu dem ersten Foto-Projekttag wurden auch interessierte Asylsuchende aus Altheim und Münster eingeladen, und ein knappes Dutzend machte davon auch Gebrauch. Darunter auch echte Künstler wie die aus Syrien geflohene Hanana. Die junge Frau wurde beim Café der Begegnung auf die Aktion aufmerksam, als „Arthaus“-Leute Flyer verteilten und einluden. „Sie war gleich Feuer und Flamme“, weiß Ellen Jöckel zu berichten, und eine der ersten, die zum Aktionstag an der Hauptstraße auf der Matte standen. „Sie ist in ihrer Heimat selbst Malerin, hat uns auf dem Handy Bilder ihrer Werke gezeigt“, sagt Jöckel. Und so faszinierte die Syrerin auch die Stoppbildtechnik, in der sie gleich ein eigenes Bild und einen kleinen Trickfilm komponierte. Nur mit den dunklen Händen einer Eritreerin, einigen Glasperlen und einem gemalten Untergrund entstand schnell ein kleines, bewegtes Kunstwerk. Den Stoppbiltechnik-Apparat hatte die Altheimerin Carmen Knöll mitgebracht. Die Erzieherin arbeitet in Rödermark mit Kindern, hat dort eine Medienwerkstatt und freute sich, hier mit ihren Ideen so großen Anklang zu finden.

Die Afghanin Mina und die aus Eritrea stammende Aalem waren eher dem Foto-shooting im von Karin Banki aufgebauten Studio im ersten Stock angetan. Banki, selbst studierte Fotodesignerin und „Arthaus“-Mitglied, und der passionierte Freizeitfotograf Peter Panknin ließen die jungen Damen posen, was sie mit ganzer Hingabe auch gern taten. Die Ergebnisse des Shootings konnten sich alle gleich am Laptop Bankis anschauen. Wer noch mehr wollte, ließ sich die Bilder nebenan auch gleich noch bearbeiten oder gar verfremden, dank Photoshop-Kennern kein Problem.

Am kommenden Sonntag (6.) ab 15 Uhr ist Ergebnisschau und Nachbesprechung im „Arthaus“. Dort dürften sich auch diejenigen wiederfinden, die zum ersten Foto-Art-Tag begeistert von der Idee eine regelmäßigen Zusammenkunft waren. Und nicht nur eine Rückschau soll es geben, sondern auch gleich mit einem Folgeprojekt begonnen werden. Unter dem Titel „Wir backen das“ wird ein fotografisches Backbuch entstehen, mit Rezepten, Erzählungen rund um die Zubereitung (beispielsweise mit der Großmutter), Illustrationen und freilich vielen Bildern.

Im „Arthaus“ haben sich bereits unterschiedlichste Kunstrichtungen präsentiert, nun also auch Fotografen und solche, die an allen Richtungen der Lichtbildnerei interessiert sind. Gemeinsames Austauschen und Spaß an der Kreativität stehen im Vordergrund. Und es macht den Akteuren auch nichts, dass sie nur bis Monatsende einen Nutzungsvertrag für das in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigte ehemalige Rathaus haben. „Nach den Wahlen geht es hoffentlich weiter“, schauen sie optimistisch in die Zukunft.

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