Lücke nach den Ferien

Hausaufgabenhilfe für mehr Schulen bei gleichem Etat

Darmstadt-Dieburg/Münster - Viele Jahre hat es an 13 Grundschulen des Landkreises Darmstadt-Dieburg eine besondere Hausaufgabenhilfe gegeben. Das über die Kreisvolkshochschule finanzierte Angebot wurde an diesen Schulen zunehmend als Baustein der Integration hoch geschätzt. Von Klaus Holdefehr

Inzwischen sind die Verträge gekündigt, die Umrisse des angekündigten Ersatzes jedoch noch ziemlich unscharf. Auch dass es keine Kontinuität zu Schuljahresbeginn geben wird, führt zu zusätzlichem Unmut bei allen Beteiligten. „Dass diese Lücke entsteht, können Sie mir anlasten“, sagt der zuständige Kreisdezernent und Vizelandrat Christel Fleischmann (Bündnis 90/Die Grünen) im Telefongespräch mit unserer Zeitung. „Aber wir hatten etliche Gespräche zu führen, um den Bedarf abzuklären und eine Beschlussvorlage für den Kreistag zu formulieren, die am Dienstag vom Kreisausschuss beschlossen worden ist.“

Eigentlich gilt: „Never change a running System“ (Verändere niemals ein funktionierendes System). Dass Fleischmann und seine Mitarbeiter sich nun doch an eine Revision der Hausaufgabenbetreuung gemacht haben, dafür nennt der Kreisschuldezernent mehrere Gründe. Erstens sei das System noch vor der Gebietsreform im Landkreis Darmstadt-Dieburg entstanden und habe daher immer eine gewisse „Ostlastigkeit“ aufgewiesen; zweitens berücksichtige es nur einen Bruchteil der insgesamt 60 Grundschulen und Grundstufen an Förderschulen in den 23 Kreiskommunen, und drittens sei die Finanzierung über den Etat der Volkshochschule falsch. 140.000 Euro habe das Förderprogramm den Kreis zuletzt gekostet. Dieser Etat soll bleiben, angereichert durch 9000 Euro, mit denen sich das Land beteiligt. Fleischmann widerspricht vehement der Annahme, das Angebot werde nun in den „Pakt für den Nachmittag“ und mit der allgemeinen Zuzahlung der Eltern für die Nachmittagsbetreuung kostenpflichtig.

„Ein Zusammenhang mit dem Pakt für den Nachmittag ist nicht gegeben, auch wenn wir davon ausgehen, dass die Schulen diese Förderung im Rahmen ihrer ganztägigen Angebote einsetzen. Diese gibt es an nahezu jeder Schule des Landkreises – der Pakt für den Nachmittag ist eine Variante davon“, teilt Kreispressesprecherin Annika Schmid auf Nachfrage mit. Die Fördermittel für die Hausaufgabenbetreuung sollen künftig direkt an die Schulen ausbezahlt werden, „und die Schulgemeinde trifft die Entscheidung über die zweckgebundene Verwendung“, so Fleischmann. Damit wäre der Weg frei für die Wiedereinstellung bewährter Betreuungskräfte, die teils Jahrzehnte an bestimmten Schulen tätig waren.

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Allerdings kann es November werden, bis die Hausaufgabenbetreuung fortgesetzt wird. Das hängt mit der neuen Fördersystematik zusammen, über die der Kreistag in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am 26. September abstimmen soll. In der Vorlage heißt es, dass zum Stichtag 1. Oktober eines jeden Jahres – dann legen die staatliche Schulämter des Landes ihre Zahlen vor – Grundschulen und Grundstufen der Förderschulen ermittelt werden, die einen Mittelwert der folgenden Kriterien überschreiten: Anteil der ausländischen Schüler sowie Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund. Bis zu 40 Prozent aller Grundschulen und Grundstufen der Förderschulen, die über dem errechneten Mittelwert liegen, sollen dann eine Zuwendung erhalten können. Dies entspricht etwa 24 Schulen.

Die bisherigen Nutznießer müssen sich also auf jeden Fall auf Abstriche einstellen, denn 140.000 Euro durch 13 lieferte ein deutlich besseres Ergebnis als künftig 149.000 Euro durch 24. Trotzdem sieht Fleischmann in dem neuen Modell eine größere Verteilungsgerechtigkeit. Er lässt zudem bereits jetzt durchblicken, dass er diese Art von Hausaufgabenhilfe für einen Integrationsbaustein von beschränkter Wirksamkeit ansieht und am liebsten alle Maßnahmen in ein Gesamtpaket wie den „Pakt für den Nachmittag“ integrieren möchte.

Rubriklistenbild: © dpa

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