Ökumenische Nacht der Kirchen in Münster und Eppertshausen wartet mit vielfältigem Angebot auf

Hildegard, Taizé und Glaubensperlen

Durch Ergänzung macht der Organist Lothar Werner die Orgel in Altheim kurzzeitig zu einem dreimanualigen Instrument. - Fotos: Panknin

Münster/Eppertshausen - Die evangelischen und katholischen Kirchen in Münster, Altheim und Eppertshausen hatten eine ökumenische Veranstaltung verabredet. Von Peter Panknin

Fünf Kirchen öffneten am Freitag zwischen 19 und 24 Uhr ihre Türen und boten ihren jeweiligen Besuchern unterschiedlich gestaltete Gottesdienste.

Selbst wer es sportlich nehmen wollte, niemand konnte alle kirchlichen Angebote annehmen, ohne einen Gottesdienst früher zu verlassen oder ohne zu einem anderen zu spät zu kommen. Den Anfang machten die katholischen Kirchen in Münster und in Eppertshausen, wo die Gottesdienste jeweils um 19.30 Uhr begannen.

In Eppertshausen ging es um die „Sieben Werke der Barmherzigkeit“, übersetzt in die Gegenwart von Bischof Joachim Wanke und begleitet von Musik für Orgel und Cello. Wer lieber in längst vergangene Zeiten zurückversetzt werden wollte, folgte der Einladung der Pfarrgemeinde St. Michael in Münster. Dort wurde eine Ausstellung über „Hildegard von Bingen“ eröffnet, die das katholische Bildungswerk in Mainz zur Verfügung gestellt hat. Das einführende Referat über Hildegard von Bingen, die als bedeutendste Frau des christlichen Abendlandes zu ihrer Zeit (1098-1179) galt, wurde von Brigitte Ganz gehalten.

Obwohl von einer CD kommend, versetzten die anschließend zu Gehör gebrachten Gesänge für ein- bis sieben weibliche Stimmen die zahlreich erschienenen Besucher der Kirche zurück ins Mittelalter. Modernere Stücke, aber auch durchaus mit meditativem Charakter, wurden von Monika Grimm auf dem Saxophon live vorgetragen. Zu den anschließend geführten Gesprächen im Kirchgarten wurden Hildegardiswein und Gebäck gereicht.

In der evangelischen Friedenskirche in Eppertshausen vermittelte Inga Trausmuth anhand der „Perlen des Glaubens“ meditative Gedanken. Die Glaubensperlen wurden vom schwedischen evangelischen Bischof Martin Lönnebo erdacht und sollen einen spirituellen Weg zu innerer Einkehr eröffnen, um zu sich selbst und zu Gott zu finden. Die Meditation in Eppertshausen wurde durch verschiedene Klangschalen und dem vom Band kommenden Rauschen des Meeres unterlegt.

Zeitgleich konnten Interessierte in der Martinsgemeinde in Münster gemeinsam entdecken, wie in der Bibel darüber berichtet wird, was der Mensch zum Leben braucht: Speisen, Getränke, aber auch das Miteinander beim Essen. Gemeinsam essen und miteinander sprechen sind Lebensqualitäten, ohne die niemand leben möchte.

Als letzte Station bei der Nacht der Kirchen besuchten zahlreich Unentwegte die Kirche in Altheim, in der ein Gottesdienst nach Vorbild der Andachten in Taizé zum Ausklang des Tages beitragen wollte. Warmes Licht und die Gestaltung des Kircheninneren vermittelten sehr gut einen Eindruck der meditativen Stimmung in Taizé, einige der typischen, einfachen Klänge wie „Laudate omnes gentes“ wurden von der Orgel intoniert und von der Gemeinde mitgesungen. Mit andauerndem Gottesdienst steigerten sich die Orgelklänge zu einem für die kleine Kirche in Altheim ungewohnten Klang, ja fast trompetenartig triumphierend wurde der sich nähernde neue Tag musikalisch begrüßt.

An der Orgel wirkte Lothar Werner aus Babenhausen, der die Orgel in Altheim etwas umfunktioniert und kurzzeitig ein „dreimanualiges“ Instrument daraus gemacht hat. Dort, wo andere Organisten normalerweise ihre Noten ablegen, hat er sein Keyboard installiert und zusammen mit der Orgel zum Klingen gebracht.

Die zahlreichen Zuhörer waren von der Musik des seit 46 Jahren als freiberuflichen Organisten tätigen Werner begeistert und gingen erfreut und in guter Stimmung in den neuen Tag, die Nacht der Kirchen war zu Ende.

Was neben eindrucksvollen Momenten des Tages bleibt, ist die Ausstellung in der Kirche St. Michael in Münster. Die 15 Tafeln können dort noch bis zum 17. Juli betrachtet werden.

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