Beziehungstipps gibt es inklusive

Konzert von „Con Fuego“: Singende Liebes-Experten

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Rot wie die Liebe kleideten sich die Sänger des Dieburger Chors „Con Fuego“, die am Samstag in der Münsterer Kulturhalle nicht nur gefühlvolle Stücke stimmlich intonierten, sondern ihrem Publikum auch gleich Tipps für eine langjährige Beziehung mitgaben.

Münster/Dieburg - „Liebe und so‘n Quatsch“ hieß die Vorstellung, in der der Dieburger Chor „Con Fuego“ das Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau in all seinen Facetten gesanglich abbildete. Von Michael Just 

Beim Gastspiel in der Kulturhalle in Münster erlebten die Zuhörer am Samstag deshalb einen kurzweiligen Abend mit lauter nicht ganz ernst gemeinten Tipps für langanhaltende Liebe. „Let me entertain you“ ist der Song, mit dem Superstar Robbie Williams für gewöhnlich seine Konzerte eröffnet. Wer dabei genauer hinhört, wird erfahren, dass es darin ziemlich schlüpfrig um Verführung und Lust geht. Verführung und Lust gehören ebenfalls zum großen Bereich der Liebe. Diese in allen ihren Facetten abzubilden war am Samstagabend das erklärte Ziel des Dieburger Chors „Con Fuego“. Unter dem Titel „Liebe und so‘n Quatsch“ schlugen die 28 Aktiven bei ihrem Gastspiel in der Kulturhalle einen Bogen von den ersten Schmetterlingen im Bauch bis zum Herzschmerz bei einer Trennung.

Die Begrüßung übernahmen MGV-Vorsitzender Lothar Pistauer und Michael Weber, der „Con Fuego“ vorsteht. Beiden oblag es erstmal zu erklären, warum sich ein Dieburger Chor nach Münster „wagt“: Zum einen liegt das an Chorleiter Dirk Schneider, der in beiden Vereinen für Schwung sorgt. Zum anderen erhebt die Familie Weber sowohl beim MGV als auch bei Con Fuego ihre Stimmen. „Für uns war es deshalb selbstverständlich, dem Chor in Münster eine Plattform zu geben und die Präsentation zu übernehmen“, konstatierte MGV-Vorsitzender Lothar Pistauer.

Für den Abend hatte Chorleiter Dirk Schneider 16 hochkarätige Stücke der Musikgeschichte ausgesucht, die sich in besonderer Weise mit dem Thema Liebe auseinandersetzen. Darunter waren „Happy“ von Pharell Williams, „Mein Herz brennt“ von Rammstein, „September“ von Earth Wind & Fire oder „Happy Ending“ von Mika. Die Stücke hatte Schneider so gewählt, dass sie seine Schützlinge in einem Höchstmaß fordern und parallel die Möglichkeit bieten, dass die A-Capella-Sänger ihre ganze Klasse beweisen können. Verschiedene Musikstile und Sprachen sorgten zudem für Abwechslung. Die Verantwortlichen bei „Con Fuego“ wissen, dass ein Chor heute weit mehr als nur erstklassigen Gesang bieten muss, damit die Besucher zufrieden nach Hause gehen. In das Konzert wurden deshalb zusätzliche Unterhaltungselemente zum Thema Liebe eingebaut. So drehten Chormitglieder im Vorfeld kleine Videos und Einspieler. Darin legte Bernd Reimann unter anderem den Männern im Publikum nahe, für eine lange Beziehung die Wahrheit zu unterdrücken – etwa wenn es um die Problemzonen bei ihrer Angebeteten geht. Beim Kleiderkauf sei es stets sinnvoller, die Schuld auf das Textil und nicht auf den Körper der Frau zu schieben. Chorleiter Dirk Schneider übernahm ebenfalls eine Ratgeber-Rolle und führte mit seiner „LMP- Methode“ (Lebenslang-Miteinander-Partnerschaft) alle Liebes-Experten ad absurdum, die das schönste Gefühl der Welt wissenschaftlich begründen wollen. Tina Roeschen oder Helge John rückten das Thema ebenso vortrefflich in die Quatsch-Ecke. Mit einem Solo („Ja, Schatz!“ von Bodo Wartke) bewies der Chorleiter zudem seine ganze Klasse als Bariton.

Die Auseinandersetzung mit dem Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau ist für „Con Fuego“ nicht neu: Vor einem Jahr präsentierten die Sänger in der ausverkauften Dieburger Römerhalle dazu bereits ein ausgefallenes Konzert. Für den Auftritt in Münster wurde das Programm neu aufbereitet. Vor allem der zweite Teil glänzte neben der Chormusik mit bislang unbekannter Liebeslebenhilfe. Auftritt und Konzept enttäuschten die rund 200 Besucher in der Kulturhalle nicht: Der A-Capella-Gesang erwies sich als begeisternd und ansteckend, die Intonation und die Rhythmen als stimmig. Selbst bei den Klassikern des Abends, wie „Nothing gonna change my love for you“ (George Benson) oder „You are so beautiful“ (Joe Cocker), deren Texte durch Radio und TV hinreichend bekannt sind, hörte das Publikum aufgrund des Themas sehr genau hin, um Verbindungen zu erkennen.

Die Video-Einspieler komplettierten das kurzweilige Konzept, das ab und an auch Nachdenkliches bot. Dafür sorgte Marita Wellnitz (71), die bei „Con Fuego“ im Alt singt und seit über 50 Jahren verheiratet ist. Als Geheimnis für ihre lange Ehe führte sie an, dass ihre Generation noch gelernt habe, nicht intakte Dinge zu reparieren. Ein Augenzwinkern zum Thema ewige Liebe hatte sie trotzdem parat: Zweifelsfrei sei es beglückend, einen Menschen zu finden, den man den Rest seines Lebens ärgern kann.

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