Manfred Minten aus Münster

Kunst mit Kopf und klugem Kalkül

+
Manfred Minten hinter seinem „Hütehund“ mit seiner neuesten Kreation eines Laufrades in der Hand inmitten seiner humorvollen Kunst-Schätzchen im Kreativ-Keller.

Münster - Manfred Minten lebt seinen Humor auf besonders kreative Weise aus. Der Kfz-Mechaniker und Künstler ist ein Meister der Doppeldeutigkeit. Und er versteht es, seine Köpfe auch in der freien Natur einzusetzen. Von Thomas Meier 

Bei ihm ist ein Rechenzentrum ein massiver Holzblock mit eingravierter Formelsammlung, auf dem ein kleines Behältnis mit vielen Rechen darin steht. Mintens „Hütehund“ trägt Melone mit Blümchen und sein „Markenbuddha“, eine dickbauchige Figur mit einem Päckchen Streichfett, ist ebenfalls eine ganz eigene Minten-Marke. Sein T(h)ür-Ringer, eine Figur, die mit umzufallen drohenden Türen kämpft, oder der Kai mit Tür (Tür-Kai) sind bereits bekannt in Münster und Umgebung, wurden auf Ausstellungen des 66-Jährigen präsentiert und viel belächelt. Doch der Westfale, dessen Vater eine Münsterin heiratete und mit ihr und Sohn vor 60 Jahren von Hemer an die Gersprenz zog, liebt nicht nur die mehr oder minder versteckte Anspielung, sondern er versteckt auch seine Kunst.

Vor einem knappen Jahr entdeckten wir einen solchen „kleinen Minten“, als die Trauerweide am Feldkreuz im Hinterfeld nahe des Gersprenzstadions nach einem Sturm arg gestutzt werden musste. Hinter den herabhängenden Zweigen der Weide guckte ein kleiner Kopf aus einem Astloch hervor. Nur Eingeweihte wussten, wer sein Schöpfer war: Manfred Minten.

Insgesamt rund ein Dutzend Holzköpfe schnitzte der begeisterte Wanderer und Radler zuhause in seiner Werkstatt in der Otto-Hahn-Straße, um sie an ausgewählten Stellen in der Gemarkung zu positionieren. „Möglichst eine Bank oder Sitzgelegenheit sollte in der Nähe sein. Damit der Kopf auch eine Chance hat, entdeckt zu werden. Und damit er was zum Beobachten hat“, lacht der Schitzer aus Leidenschaft verschmitzt. Doch nachdem vom Dutzend nur noch etwa eine Handvoll in der Botanik überlebten, der Rest Vandalen zum Opfer fiel, verging dem Köpfleschnitzer die Lust.

Eigentlich gelernt hat der Bildhauer bei Fiat-Schad in Münster Kfz-Mechaniker. Und er arbeitete bis zum Ruhestand 36 Jahre lang als Versuchsmechaniker bei Opel auf der Versuchsstrecke bei Dudenhofen. Letzteres erklärt zweierlei: Sein Geschick, mit Metall und anderen Materialien zu arbeiten, und sein Faible für Autos. Denn Minten ist nicht nur künstlerisch hoch ambitioniert, sondern war auch Hobbyrennfahrer in der Tourenwagenklasse A, erst mit Opel Kadett C unterwegs, später auf Ascona A.

Doch macht sich der Kreative in ihm auch lustig über die PS-Junkies, ablesbar an seinem Werk „Kleiner Dackel mit kurzem Schwanz braucht unbedingt einen SUV“. Zwischen hölzernem Dackelkopf und ebensolchem Hinterteil klemmt als Körper ein silberfarbenes, höhergelegtes Fahrzeug. Heilig’s Künstler-Blechle...

Auf seinen Ausstellungen ist er der meist belachteste, weiß Minten. Wenn auch nicht jeder seinen manchmal zu speziellen Humor zu goutieren weiß. „Fettarm“ heißt eine seiner Skulpturen, die eben einen fetten Arm in die Höhe streckt. Und bei „Mehr Rechte für Arme“ hebt ein Holzmännlein eben mehrere rechte Arme in die Höhe, ein kleiner Mann, eine Etage tiefer in den Holzstamm geschnitzt, hält ein Schild in dritter Rechter: „Recht so!“

Minten will schaffen, was so keiner schafft. Dafür schaffte er sich gar eine große Fuhre Eichenholz von einem Sprendlinger Fachwerkhaus aus anno 1679 an. Der große Vorrat bestens Skulpturenbaustoffs lagert jetzt in seinem Garten.

Seine Frau darf nichts wegwerfen, was vielleicht noch der Kunst Mintens dienlich sein könnte. Denn auch wenn der Keller randvoll mit Kunstwerken steht, die Schaffenskraft will ausgelebt sein. „So etwa zehn Werke pro Jahr entstehen von meiner Hand“, sagt Minten, der seit sechs Jahren auch dem Verein „Kunst in Rödermark“ angehört. Fünf indes sind für dieses Jahr schon fast fertig.

Zu sehen sind die skurrilen Mintens derzeit in einer Ausstellung in Münsters Bücherei im Storchenschulhaus und im Internet. Auf www.kunstnet.de/minten ist eine Reihe seiner Exponate abgebildet. Und auch, wenn er sie aus Lust an seiner doppelbödigen Kunst geschaffen hat, so sind sie dennoch auch zu erwerben. „Manchmal arbeite ich gar im Auftrag“, sagt der Bastler, der im Verkauf nicht nur Anerkennung findet, sondern auch Platz für Neues gewinnt.

Kommentare