Orientalische Tanzgala mit Schleiern und Pailletten als Abschluss eines Jahresprojekts

Ein Hauch von Bollywood

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Eine orientalischen Tanzgala entführte auf eine fantasievolle Reise durch die Welt.

Münster - Ein Hauch von Tausendundeiner Nacht lag am Samstag über der Kulturhalle: Mit Tüchern, Schleiern und Pailletten bot die orientalischen Tanzgala einen rasanten Bühnenzauber, der vielfältig Lust aufs Tanzen machte. Von Michael Just 

Die weitere Botschaft: Um ihren Körper nach Musik zu bewegen, ist „frau“ nie zu alt. Am Tanzen war Susanne Görg (49) schon immer interessiert. Einst war das nicht problemlos: „Durch meine Formen fiel Ballett weg. Da es damals noch wenig Alternativen, wie etwa Hiphop gab, blieb nur der orientalische Tanz“, sagt die Weiterstädterin. Mit 28 Jahren begann sie ihr neues Hobby und hat bis heute Spaß daran. Am Wochenende stand sie mit 13 weiteren Tänzerinnen auf der Bühne und verzauberte das staunende Publikum mit anmutigen Bewegungen aus einer buntglitzernden Welt. In der zweistündigen Aufführung war sie bei acht Tänzen mit von der Partie.

Hinter dem Abend steckte der Verein zur Förderung der orientalischen Tanzkunst Reinheim und seine Projektgruppe „Les Roses Orientales“. Sie hatte das Gezeigte ein Jahr lang vorbereitet und einstudiert. Für das Projekt meldeten sich 15 Frauen aus dem gesamten Landkreis an. Die Altersspanne reichte von 20 bis über 60 Jahre. Für das bestmögliche Ergebnis wurde die in Fachkreisen bekannte Tänzerin und Choreographin Manis Sjahroeddin aus Düsseldorf verpflichtet. Seit 25 Jahren bietet die Expertin, deren Wurzeln in Indonesien liegen, Tanzprojekte in Deutschland und dem Ausland an.

Manis Sjahroeddin arbeitet vorrangig am Tanzhaus NRW. Mit seinen 80 Lehrern gilt es als die größte Tanzschule Europas. Für das Reinheimer Projekt kam die Trainerin an elf Wochenenden nach Südhessen. Daneben wurde alleine geübt. „Manis schafft es in ihren Choreographien, dass jede Frau, von jung bis reif und beim Körper von twiggy bis Rubens, gut aussieht“, lobte Elke Kelley aus Schaafheim. Die Projektgruppe durfte sich über die größtmögliche Aufmerksamkeit ihrer Trainerin freuen: „Amateure sind mir wichtiger als Profis, weil bei ihnen mehr Herzblut fließt. Die Gruppe hier investierte ein Jahr des Probens“, lobte die Düsseldorferin.

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Zu den „Rosen“ wurden noch drei externe Tanzgruppen verpflichtet sowie mit Pierre Moussa ein spektakulärer Solo-Akteur. Insgesamt deckte der Abend ein weites Spektrum an Tänzen ab: Vom klassischen über den modernen orientalischen Tanz führte der Weg in den Jazz- und Pop-Bereich. Der indische Subkontinent wurde mit einem Bollywood-Intermezzo lebendig. Beim Säbeltanz und den Hula-, Burlesque- oder Charleston-Elementen entpuppte sich die Fantasie als grenzenlos. Jedem, der mit der Veranstaltung lediglich Bauchtanz verband, wurden die Augen weit geöffnet.

Die Gala in Münster war die große und einzige Abschlusspräsentation des Jahresprojekts. Die Kulturhalle wurde dafür wegen ihres Ambientes ausgewählt. Zum Abend gehörte zudem ein Essensangebot mit Köstlichkeiten aus dem Orient sowie Stände, die Kostüme und Zubehör für den orientalischen Tanz anboten. Beim Finale waren in der Kulturhalle allenthalben glückliche Gesichter anzutreffen: Die 250 Besucher erlebten eine begeisterte Reise durch die Welt des Tanzes. Die Projektgruppe freute sich über den erfolgreichen Abschluss. Im Ohr für den Nachhauseweg blieben die Worte von Manis Sjahroeddin hängen: „Tänzer und andere Künstler haben weltweit nie Probleme miteinander. Würden sich Machthaber und Staatsmänner verstärkt mit den schönen Künsten beschäftigen, gäbe es weit weniger Kriege auf der Welt.“

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