Kirchen-PISA für die Protestanten

Pfarrer und Kabarettist Ingmar Maybach in Münster

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Ingmar Gildo Alexander, alias Pfarrer Ingmar Maybach, trug bei der Martinsgemeinde seinen Bibeltext-Schlager vor.

Münster - Sein Spiel mit Worten kam bei den Zuschauern bestens an, allein seinen Empfang in die Kirche hatte sich Ingmar Maybach – augenzwinkernd – anders vorgestellt. Von Peter Panknin 

Die CSU hält Einzug in Münster – und das auch noch in der evangelischen Kirche in der Pestalozzistraße. Das wäre eine Meldung für die erste Seite, wenn es so wäre, wie man denken könnte. Ist es aber nicht, deshalb auch nicht im Titel, sondern hier. Hinter der Abkürzung CSU verbirgt sich nämlich nicht die Partei aus Bayern, sondern „Christlich Satirische Unterhaltung“, wie der Titel des vorherigen Programms des nach eigenem Bekenntnis „zwischen Helgoland und Bodensee, und von Köln bis Cottbus“ bekannten Pfarrers und Kabarettisten Ingmar Maybach lautete. Sein aktuelles Programm „Deutschland macht den KELCH-Test“ präsentierte er in der Martinsgemeinde Münster.

Mehr als 100 interessierte Gäste waren gekommen, um den geist- und wortreichen Brückenschlag zwischen Politik und Religion in kabarettistischer Form zu erleben. Nach der freundlichen Ankündigung durch Pfarrerin Kerstin Groß zog der Künstler unter dezentem Beifall der Besucher ein. „Meinen Empfang in der Kirche habe ich mir anders vorgestellt: zu kräftigem Klatschen und zünftiger Musik sollten schon begeisterte Maybach, Maybach-Rufe zu hören sein.“ Nach einem Rundblick über das Publikum ergänzte er, „Teeny-Gekreische“ würde er eher nicht erwarten. Er gab den Anwesenden eine zweite Chance, ging raus und kam wieder rein – diesmal lief es so, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Musik kam allerdings aus der Konserve.

Anschließend demonstrierte der Kabarettist, wie man sich den Beginn eines Gottesdienstes in einer modernen Kirche vorstellen könnte. Im Stil eines Sprechers in der Box-Arena kündigte er Küster, Organist und Pfarrerin namentlich an, was bei den Zuhörern zu wahren Lachsalven führte. Ingmar Maybach berichtete dann von Gesprächen eines Priesters mit Menschen in schwierigen Situationen, die ja nicht immer einfach wären. Besonders dann nicht, wenn schwierige Menschen in schwierigen Situationen die Gesprächspartner wären.

In Form eines Dramas in drei Akten (Brautgespräch) führte er beispielhaft vor, was gemeint sei – nach vielem hin und her fand die Trauung letztlich in einem anderen Gotteshaus statt, da die Braut meinte, ihr Brautkleid würde nicht zur Kirche passen. In einer weiteren Rolle stellte Maybach Ingmar Gildo Alexander vor, der beabsichtigt, sich beim nächsten Eurovision Song Contest mit einem Lied zu beteiligen, dessen Text sich aus Bibelzitaten zum Thema „Glaube, Liebe, Hoffnung“ zusammensetzt.

Die Tatsache, dass er als Kabarettist weit in Deutschland herumkommen würde, diente Maybach als Begründung, im Auftrag der EKD den KELCH-Test durchführen zu müssen. KELCH steht für Kirchlich-Evangelisch-Lutherisch-Christlicher Test und soll dazu dienen, den protestantischen Wissenstand im landeskirchlichen Vergleich festzustellen – also so eine Art Kirchen-PISA. Seine Art, die Anwesenden zu befragen und deren Antworten auszuwerten – natürlich streng anonym – brachte Maybach die Erkenntnis, dass es hier Probleme geben könnte: Erheblich mehr Menschen schienen eher ein Kamel als den Heiligen Geist zu kennen. Auch bei der Geschichte mit dem Walfisch gab es Verwechslungen mit Pinocchio und Jonas. Bei seinem Spiel mit Worten, aber auch mit seinen Gesängen, brachte Maybach die Zuschauer zum Lachen und zum Nachdenken. Kirche und Politik wurden gleichermaßen von ihm bedacht, sodass man neugierig sein darf auf sein neues Programm „Viva la Reformation!“, dass hoffentlich im kommenden Jahr in Münster zu erleben sein wird.

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