Rare Beteiligung der Brückenbauer an Bieterwettbewerb

Statt neuer erst mal Behelfsbrücke

Der Zug mit einer neuen Brücke noch in diesem Jahr ist längst abgefahren. Jetzt kommt erst einmal ein Provisorium für die Kleingärtner an den Stiegelgraben. - Foto: Th. Meier

Münster - Im letzten Jahr musste die Brücke am Max-Bock-Heim über den Stiegelgraben gesperrt werden. Sie drohte beim Befahren mit schwerem Gefährt einzustürzen. Ein Ersatz ist beschlossene Sache, doch nun kommt erst einmal eine Behelfsbrücke an den Graben.

Mit einer „Luftbrücke“ mittels eines Krans half die Gemeinde auf spektakuläre Weise, Fahrzeuge, Traktoren, Anhänger über den Graben hinweg zu hieven. Da sich der Bau der neuen Brücke verzögert, wird nun eine Behelfsbrücke erstellt, die ohnehin für die Baumaßnahme übergangsweise zur Verfügung stehen muss. Dies soll noch in diesem Monat geschehen. Über die dann bessere Ereichbarkeit ihrer Grundstücke können sich insbesondere die Kleingärtner freuen.

Die turnusmäßige Brückenprüfung letztes Jahr durch das Ingenieurbüro Kinkel und Partner brachte Erfreuliches, aber auch zwei negative Ausreißer der 17 Brücken zu Tage. Während sich das Gros der Querungen in gutem bis sehr gutem Zustand befindet, die neue Brücke am Werlacher Weg gar erwartungsgemäß mit der Bestnote 1,0 bewertet wurde, waren die Prüfer von der Beschaffenheit der beiden Übergänge zwischen dem JUZ und dem Anglerheim, auch als Nummer acht bezeichnet, sowie der Nummer elf am Stiegelgraben hinter dem Max-Bock-Heim weniger angetan.

Während erstere durch eine bereits vor einem Jahr verordnete Begrenzung der Belastung auf 3,5 Tonnen bis zur nächsten Prüfung als ungefährdet angesehen wird, musste Bürgermeister Gerald Frank, ganz der Sicherheit verpflichtet, bei letzterer bereits im Frühjahr 2015 eine komplette Sperrung verfügen. Bröckelnder Beton, ausgespülte Kehlungen und rostender Stahl sind die Ursachen für den Zustand, der eine gefahrlose Benutzung nicht mehr gewährleistet. Ein Investitionsplan für den Neubau beider Brücken wurde daraufhin auf den Weg gebracht. Die dafür notwendigen Mittel sind im Haushalt 2016 eingestellt. Für die Brücke am Stiegelgraben konnte Bürgermeister Frank zudem vom Wasserverband Gersprenz einen Zuschuss von 30. 000 Euro erwirken.

Das Ingenieurbüro Norbert Friedrich aus Breuberg, das bereits die Brücke am Werlacher Weg verantwortet hatte, wurde mit der Planung und Bauüberwachung beauftragt. Am Ende berechnete das Büro, das seit vielen Jahren Erfahrung im Brückenbau besitzt, für die geplante Konstruktion mit einer Tragfähigkeit von 16 Tonnen und einer Bauausführung für den Herbst diesen Jahres Gesamtkosten in Höhe von 220 .000 Euro. Das weitere Vorgehen schien nur noch Routine zu sein. Jedoch gaben für die Brücke acht nur drei, für die Brücke elf gar nur zwei Unternehmen ihre Angebote ab. Im Fall der Brücke am Werlacher Weg waren es noch sieben gewesen. Darüber hinaus lagen die Angebotspreise mehr als 20 Prozent über den Kostenvoranschlägen des Büros.

Brücke kaputt: Kleingärtner bergen via Hubkran ihre Hänger

Die rare Beteiligung am Bieterwettbewerb und die hohen Preise dürften in den guten Auftragsbüchern der Brückenbauer begründet sein. Wer möglichst schnell zum Zuge kommen will, muss es sich etwas mehr kosten lassen. Da die im Haushalt 2016 eingeplanten Mittel nicht ausreichen, wäre bei einer Umsetzung der Haushaltsansatz für Brückenneubau überzogen worden. Um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, beschlossen Bürgermeister Gerald Frank sowie der Gemeindevorstand Anfang August, die Baumaßnahmen neu auszuschreiben und den Ausführungstermin flexibel in das kommende Jahr zu legen. Ohne Zeitdruck dürften sich auch die Angebote wieder den vom Planungsbüro ermittelten Zahlen nähern.

Allerdings soll der Stiegelgrabens schon bald wieder überquert werden können. „Die Kleingärtner sind die Hauptbetroffenen der Sperrung. Sie warten darauf, endlich wieder besser über den Graben zu ihren Gärten zu kommen“, sagt Bürgermeister Frank. Seinem Vorschlag, die prekäre Situation mit einer Behelfsbrücke aus Stahl zu entschärfen, stimmte der Gemeindevorstand zu. Die 14 Meter lange und 1,90 Meter breite Konstruktion sei für die Zeit der Bauarbeiten sowieso erforderlich und damit Bestandteil der Ausschreibung, so Frank. Sie wird in der letzten Oktoberwoche geliefert. (tm)

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