Streit um Grünstreifen

Anwohnerprotest zahlt sich aus

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Anwohner der Heinrich-von-Kleist-Straße lassen auf dem Weg an der Gersprenz beim Vor-Ort-Treffen mit unserer Zeitung einen Radfahrer passieren. Links ist der (illegal bepflanzte) Grünstreifen der Gemeinde zu sehen, rechts fließt die Gersprenz.

Münster - Weil es gut ist, wie es ist, kann nun doch (fast) alles so bleiben wie seit Jahrzehnten: Anwohner der Heinrich-von-Kleist-Straße werden im Laufe dieser Woche Post von der Gemeinde erhalten, die sie zufriedenstellen wird. Von Jens Dörr

Sie kommen nun doch umhin, auf der anderen Seite ihres Gartenzauns Kahlschlag zu betreiben. Was war geschehen? Die Heinrich-von-Kleist-Straße ist die nördlichste bewohnte Straße Münsters. Die Häuser auf der Nordseite der Straße grenzen mit dem Teil ihrer Grundstücke, wo die Gärten angelegt sind, an einen Weg entlang der Gersprenz, die ebenfalls nur wenige Meter entfernt zwischen den Grundstücken auf der einen Seite und Feldern sowie dem Gersprenzstadion auf der anderen Seite gen Osten Richtung Schützenheim fließt.

Zwischen den Grundstücken und Gartenzäunen sowie dem Weg, den Fußgänger und Radfahrer nutzen, liegt zudem noch ein kleiner Grünstreifen. Er gehört der Gemeinde Münster, wurde aber teils schon vor Jahrzehnten von den Anwohnern ungenehmigt mit Büschen und Sträuchern bepflanzt. Sie dienten insbesondere dem Sicht- und Lärmschutz, wie zehn Anwohner beim Vor-Ort-Treffen mit unserer Zeitung erläuterten. Teilweise kauften jetzige Besitzer die Immobilien zu einem Zeitpunkt, da die Vorgänger den Streifen bereits bepflanzt hatten.

Das war streng genommen illegal, wurde aber über mehrere Jahrzehnte hinweg geduldet. Bis den Grundstücksbesitzern Ende August ein Schreiben der Gemeinde ins Haus flatterte. Die Aufforderung: das „Pflanzmaterial“ sei bis zum 30. September von den Anwohnern zu beseitigen, ansonsten übernehme dies im Anschluss die Gemeinde selbst. Der Grund für die Aufforderung: Im Zuge von Mäh- und Pflegearbeiten der Gemeinde hätten die grünen „Hindernisse“ dafür gesorgt, dass der etwa zwei Meter breite Grünstreifen nicht mehr vollständig befahrbar gewesen sei.

Die Anwohner der Heinrich-von-Kleist-Straße stuften die Aufforderung als lächerlich ein und stimmten sich untereinander ab. Tenor: Wir entfernen hier gar nichts und nehmen Kontakt zur Gemeinde auf. Die Pflanzen ragten nicht auf den Weg und behinderten weder Radfahrer noch Fußgänger, was ihnen allerdings auch nicht vorgeworfen worden war. Allerdings sei auch nicht nachvollziehbar, welche Arbeiten die Gemeindegärtner durch die Büsche und Sträucher behindert würden. Gemäht worden sei von der Gemeinde bisher nur bis kurz vor die Büsche, das restliche Gras habe man dann einfach selbst entfernt, erzählte ein Anwohner. Auch achte man auf ein gepflegtes Erscheinungsbild der Büsche und darauf, dass sie nicht bis auf den Weg wucherten. In einem Einzelfall, wo dies der Eigentümerin zuletzt nicht mehr möglich gewesen sei, könne man freilich nachvollziehen, dass das allzu stark wuchernde Grün zumindest gestutzt werden müsse. Fahrzeuge (außer Velos) könnten beispielsweise dann Durchfahrtsprobleme bekommen, wenn sie auf den Weg müssen, um etwa Baumschnitt von der anderen Seite des Weges (Gersprenzseite, gepflegt vom Naturschutzbund) abzutransportieren.

Gegen Ende der Woche verschaffte sich dann auch Bürgermeister Gerald Frank vor Ort ein Bild und konnte die Argumentation der Anwohner weitgehend nachvollziehen. „Der Zustand war größtenteils ordentlich.“ Bei der Bepflanzung habe es sich um einen Zustand der Duldung gehandelt. Nun solle schriftlich geregelt werden, dass die private Bepflanzung auf öffentlichem Grund erhalten bleiben dürfe und (wie bisher) von den Anwohnern gepflegt werden solle. „Im Grunde ist das eine Patenschaftsvereinbarung“, drückte es Frank aus. Im Laufe dieser Woche werden die Anwohner der Heinrich-von-Kleist-Straße von der Gemeinde schriftlich über die neue Entscheidung – die alte sei zum Zeitpunkt seines Urlaubs in seiner Abwesenheit getroffen worden, so Frank –benachrichtigt werden.

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