Theater-AG der Regenbogenschule

Emma und die hupende Detektivin

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Auf dem Bahnhof Wilmersdorf: Die von Langfinger Grundeis beklaute Emma trifft auf Berlins Straßendetektive und das Mädchen mit der Hupe. Ein Verfolgungsplan wird im minimalistischen Bühnenbild ausgeheckt.

Münster - Die Theater-AG der Regenbogenschule Altheim studierte einen musikalischen Krimi frei nach Erich Kästner ein und führte ihn vor großem Publikum in der Kulturhalle auf. Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte waren begeistert. Von Thomas Meier

Warum sollte immer ein Emil im Zug nach Berlin beklaut werden? Warum sollten sich die berühmtesten Hauptstadt-Straßendetektive nicht mal einer Emma annehmen? Und warum muss immer ein Gustav die Hupe haben? Solche und andere Gedanken dürften wohl vor Jahr und Tag Max Petermann durch den Kopf gegangen sein, als er Erich Kästners berühmtes Jugendbuch als Theaterstück umarbeitete in „Emma und die Detektive“. Der Schauspieler, Theaterpädagoge, Regisseur, Grundschullehrer und Vater (auch einer Emma), Jahrgang 1966, erarbeitete mit 19 Schülern der Regenbogenschule Altheim von Schuljahresbeginn an erneut das Stück, in dessen Handlung sich die jungen Darsteller der Klassen eins bis vier auch stark mit selbst einbringen durften. Schon vor Jahren hatte er eine Vorgänger-Theater-AG der Altheimer Grundschule mit dem Stoff infiziert und das Stück dann in Pirmasens aufgeführt, als dort aus allen Bundesländern herausragende Schultheaterproduktionen gezeigt wurden.

Und dass der Theater-Lehrer sich auf sein Handwerk versteht und die Schüler in begeisterte Schauspieler verwandeln kann, erlebten alle Zuschauer der Spätnachmittagsvorstellung. Petermann führte Regie, Angela Müth-Petermann zeichnete verantwortlich für die Musik. Die Herzen eroberten indes die Darsteller der bösen Geschichte, in der die kleine Emma Tischbein auf dem Weg vom Land in die Hauptstadt vom Gauner Grundeis im Eisenbahnabteil um 140 Reichsmark beklaut wurde, die eigentlich für die Großmutter bestimmt waren. Das Stück floss 1929 aus Kästners Feder, und obwohl sich der Jetzt-Regisseur den Spaß machte, aus ersten Emil-Detektiv-Verfilmungen Schwarzweißbilder im Hintergrund auf die Bühnenwand zu projizieren, wirkte die Münsterer Aufführung zu keiner Sekunde angestaubt.

Dies lag an den Kindern, die Emmas Geschichte auf der Bühne lebten. Als Emma die Verfolgung des Melone tragenden Langfingers aufnahm, wurde gleichsam das Publikum mitgenommen in die fantastische Kindergeschichte. Und als die Beklaute von einem Mädchen (nicht Gustav) mit der Hupe erschrocken wird, sich die Truppe mutiger Berliner Großstadtkinder ums Opfer gruppierte und ihm Hilfe verspricht, geht der ganze Zuschauerraum mit auf die Jagd quer durch Berlin.

Was die Kinder nur mit ein paar Kisten aus dem Sportunterricht, Klanghölzern, Blechtrommeln und anderen Utensilien zauberten, war beachtlich. Den Lärm der Großstadt bekamen sie im stark reduzierten Bühnenbild ebenso überzeugend hin wie die Fahrt im Taxi durchs Straßengewirr. Das bewegungsfreudige Spiel wurde angereichert durch auch heutigen Kindern bekannte Popsongs, deren Texte umgeschrieben und dem Inhalt des Stücks angepasst wurden, durch Instrumentalstücke sowie choreografische Sequenzen. Humor, Abenteuer und Milieuschilderung von Kästner werden bei Emmas Ganovenjagd bunt gemischt. Das kurzweilige Stück um Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Kinderwitz, an dessen Ende stets der Appell ans Wir-Gefühl stand, rührte die Betrachter an. Langanhaltender Beifall war der Lohn fürs Schüler-Ensemble, und Regenbogen-Schulleiterin Helga Blitz ließ es sich nicht nehmen, allen Akteuren persönlich zu danken.

Wie werde ich...? Detektiv/in

Blitz und vier weitere Pädagogen unterrichten derzeit insgesamt 77 Grundschüler in Altheim, 2010 waren es noch doppelt so viele. Die Theater-AG steht offen für die Kinder aller Klassen und findet wöchentlich 90 Minuten statt. Mit „Emma“ wurde im September begonnen, bis zu den Herbstferien frei improvisiert. Seit November stehen die Rollen fest, bis zur Aufführung wurde an ihnen und der Vorlage gefeilt und letztere durch eigene Ideen erweitert. Das bereitete allen, nicht nur den Darstellern, auch ihren Anleitern großes Vergnügen. Und das wiederum übertrug sich auf alle Zuschauer.

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