Handzuginstrumentenmacher Thomas Hoppe

Aufwendige Akkordeon-Kuren

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Ein großes Akkordeon besteht aus mehr als 2 000 Einzelteilen, da ist ein handwerklicher Alleskönner gefragt: Thomas Hoppe hat in der Schillerstraße eine Fachwerkstatt für Akkordeons und alle anderen Handzuginstrumente eröffnet.

Neu-Isenburg -  „Willkommen zu meiner kleinen One-Man-Show“, so begrüßt Thomas Hoppe mit einladender Geste in seiner Werkstatt in der Schillerstraße 35. Dort bringt er seit der Eröffnung vor einigen Wochen alte und neue Akkordeons und Harmonikas wieder in Schuss. Von Daniel Untch

„Es läuft langsam an, aber es läuft“, so schildert Hoppe die derzeitige Lage, in die er über einige Umwege gekommen ist. „Ich war jahrelang in der technischen Leitung der Druckerei der Frankfurter Rundschau tätig“, erzählt der 52-Jährige. Bei dieser machte sich vor einigen Jahren die schlechter werdende Situation bemerkbar. Schließlich musste die Druckerei Insolvenz anmelden. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meine Arbeitszeit zurückgeschraubt“, so Hoppe.

Zudem habe er sich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt, beruflich noch einmal etwas anderes zu machen. „Die Luft war einfach raus“, erinnert er sich. Musik sei schon immer seine Leidenschaft gewesen, erzählt der Bass- und Cellospieler. Auch eine handwerkliche Tätigkeit habe ihn gereizt: „Schließlich habe ich in den letzten 30 Jahren nicht wirklich was mit meinen Händen gemacht.“

So sei in ihm zunächst der Plan gereift, eine Ausbildung zum Geigenbauer zu absolvieren. „Ich hatte auch bereits Bewerbungen abgeschickt“, erzählt Hoppe. Auf der Musikmesse sei er dann aber mit der Geschäftsführerin der Harmona Akkordeon GmbH aus Klingenthal in Sachsen ins Gespräch gekommen, die ihn schließlich zu einem zweiwöchigen Praktikum einlud. „Da habe ich das Akkordeon für mich entdeckt und beschlossen, die Ausbildung zum Handzuginstrumentenmacher anzutreten“, erzählt er von seinen ersten Erfahrungen in Sachsen.

So stürzte er sich in die erste Etappe dieser beruflichen Neuorientierung – und mit Sicherheit auch in ein kleines Abenteuer. „Ich musste in Klingenthal natürlich eine Wohnung mieten und einrichten, an den Wochenenden ging es dann immer nach Hause nach Egelsbach“, schildert er die Ausbildungsroutine. Im Betrieb und auch in der Berufsschule sei Vieles zunächst natürlich ungewohnt gewesen. „In der ersten Stunde dachten einige Mitschüler, dass ich der Lehrer sei“, berichtet er lachend. Man verfalle aber ganz schnell in die Verhaltensweisen der Mitschüler: „Ruck zuck erwischt man sich dabei, wie man im Unterricht Zettel schreibt.“ Das sei natürlich spannend zu erleben, schließlich habe man mit Anfang 50 einen ganz anderen Blick auf die Schule, die Lehrer, aber auch auf sich selbst.

So lernte Hoppe in den folgenden zwei Jahren alles über den Bau von Akkordeons. Von der Herstellung der Gehäuse, der Bassmechaniken und der Tastatur, über die Materialien, die dabei verwendet werden, und vieles weitere. Auch betriebswirtschaftliche Grundzüge standen auf dem Lehrplan; schließlich stand der Plan, nach Ende der Ausbildung zurück nach Hause zur Familie zu kehren und eine eigene Werkstatt aufzumachen.

„Das ist nichts für Feiglinge“, stellt Hoppe heute nach erfolgreicher Betriebsgründung fest. Aufgaben wie das Aufstellen eines detaillierten Businessplans oder die Beantragung eines Gründerzuschusses bringen viel bürokratischen Aufwand mit sich und machen es oft nicht einfach. Auch der Aufbau eines Kundenstamms sei natürlich nicht leicht. „Schließlich laufen die wenigsten durch die Gegend und kaufen spontan mal ein Akkordeon.“

Also schickte er Anfang des Jahres Mitteilungen an Musikhäuser, Musikschulen und Vereine in einem weiten Umkreis, um über seine neue Werkstatt zu informieren. Durch die anfängliche Werbung und zunehmende Mundpropaganda kommen mittlerweile die ersten Kunden. Auf der Werkbank liegen einige Instrumente, die nach erfolgreicher Reparatur auf ihre Abholung warten. „Das geht vom zeitaufwendigen Stimmen der Instrumente bis hin zur Reparatur der Mechaniken“, schildert Hoppe häufige Aufträge.

Trotz allem hat er neben seiner Werkstatt noch ein zweites Standbein. „Zwei Tage in der Woche arbeite ich in einem Bad Homburger Verein mit Jugendlichen, die es auf dem Arbeitsmarkt auf Anhieb nicht geschafft haben“, sagt er. Drei Tage in der Woche ist er aber in Isenburg und widmet sich seinem kleinen Traum, den er sich mit seiner eigenen Akkordeonwerkstatt erfüllt hat.

„Als alles losging, habe ich mir zwei Jahre gegeben. Dann wollte ich, dass meine Werkstatt eine Daseinsberechtigung hat“, erinnert er sich. Dass er dieses Ziel erreicht, davon ist der Handzuginstrumentenmacher Thomas Hoppe fest überzeugt.

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