Gegen Angst und Hilflosigkeit

Autor will beim Thema Drogen Brücken bauen

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Jörg Schmitt-Kilian im Gespräch mit den Siebtklässlern der Goetheschule. Wer den Würfel hat, darf reden.

Neu-Isenburg - Immer wieder hat Jörg Schmitt-Kilian die Angst und Hilfslosigkeit von Schülern und verzweifelten Eltern erfahren, wenn es um die Themen Drogenkonsum, Gewalt und Mobbing ging.

Mittlerweile hat der ehemalige Drogenfahnder mehr als 20 Jugendromane, Sachbücher und Krimis geschrieben. Nun war er im Rahmen des Sucht- und Drogenpräventionsprogramms erneut an der Goetheschule zu Gast. Dort arbeitet er in dreistündigen Projekten mit den Klassen sieben. Und bei seinen Auftritten hat der Autor gleich zwei Beispiele parat, wie es nicht laufen sollte. Dabei geht es um Timon und Celina (Namen geändert), die mit ihrer Clique wieder einmal unterwegs waren und verspätet nach Hause kamen. Sie hatten gerötete Augen und auffällig weit geöffnete Pupillen. Celinas Eltern fragte nur kurz nach dem Warum und verschwanden dann schnell. Die Eltern von Timon warteten dagegen schon ungeduldig und als er endlich nach Hause kam, gab es erst einmal ein Donnerwetter. Um weiteren Fragen zu entgehen, verschwand der Junge in seinem Zimmer – doch die Eltern gaben keine Ruhe. Als sie auch noch erkannten, dass er „etwas“ genommen hat, waren sie außer sich und drohten mit einer Ausgangssperre.

„Beide Reaktionen waren falsch“, meint Schmitt-Kilian zu den Schülern, mit denen er im Kreis in einem Klassenzimmer sitzt. „Timons Eltern haben nicht nach den Hintergründen gefragt und erst recht nicht die Situation erkannt. Ihr Sohn hätte Verständnis und vor allem Hilfe gebraucht. Und den Eltern von Celina war ihre Tochter scheinbar egal“, erklärte er. Dabei habe sie auf deren Unterstützung gehofft.

Im Vorfeld des Besuchs des ehemaligen Drogenfahnders haben die Siebtklässler in den vergangenen Wochen im Religions- und Ethikunterricht sein Buch „Shit“ gelesen. Der 2012 erschienene Jugendroman greift nicht nur das Thema Drogen auf, sondern behandelt auch die steigende Gewalt im Internet. In Form eines vom Autoren selber entwickelten Projektunterrichts sollen die Schülerinnen und Schüler, angeregt durch den Inhalt des Buches, über ihre eigene Entwicklung sowie die Rolle ihrer Freunde und erwachsenen Bezugspersonen nachdenken. Beim Besprechen des Buches, das nahe an der Erlebniswelt der Schüler spielt und sich an den Gefühlen der Jugendlichen orientiert, besteht die Gelegenheit, eigene Verhaltensweisen zu überprüfen.

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„Wir wollen nicht mit einem moralischen Fingerzeig an das Thema herangehen, sondern Brücken der Hilfestellung aber auch des Vertrauens zwischen den Schülern, den Pädagogen und den Eltern bauen. Jeder soll wissen, dass er einen geschützten Raum vorfindet“, betont Schmitt-Kilian. Ihm zur Seiten stehen mit den Sucht- und Präventionsbeauftragten Alexandra Morón Zirfas und Marcel Bechtel zudem zwei mit großer Sachkompetenz ausgestattete Pädagogen.

Das Besondere an diesem präventiven Unterrichtskonzept ist der sich anschließende Elternabend, bei dem in Form einer anonymisierten Präsentation die Arbeitsergebnisse der Projekttage vorgestellt werden. „Auf diese Weise erfahren die Erwachsenen mehr von den Gefühlen der Jugendlichen und die Jugendlichen verstehen mehr über die Ursachen der Reaktionen der Erwachsenen“, beschreibt Schmitt-Kilian sein Vorgehen. Ziel ist es, über das präventive Sucht- und Drogenprogramm im Rahmen des Schulalltags eine direkte Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihren Bezugspersonen zu unterstützen.

Das Neu-Isenburger Gymnasium gilt als beispielhaft, was die Präventionsarbeit betrifft. Nicht weil es dort einen besonderen Bedarf gibt, sondern weil man Schüler und Eltern sensibilisieren will, rechtzeitig Anzeichen zu erkennen.

lfp

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