Schnipsel eines Lebens

Bernd Gothan präsentiert seine Collagen

+
Aus den Fundstücken der vergangenen 40 Jahre setzt Bernd Gothan seine Collagen zusammen, die ab Freitag in der Ausstellung „Und Schnitt...!“ im „KunstVoll Projektraum“ in der Frankfurter Straße 47 zu sehen sind.

Neu-Isenburg - So bunt und bewegt wie sein Leben präsentieren sich auch die Arbeiten des Neu-Isenburgers Bernd Gothan. Von Stefan Mangold

Mit der Vernissage zu „Und Schnitt...! Collagen, Scrapbooks und Kreativwerkstatt“, zu seinem Projekt „Lebensschnipsel“, beginnt am Freitag die letzte Ausstellung im „KunstVoll Projektraum“. Seit mehr als 40 Jahren sammelt der 1946 in Eutin geborene Gothan Geschichte und Geschichten, Absurdes und Skurriles, Erotisches und Verstörendes, klebt sie in Scrapbooks oder setzt daraus vielschichtige Collagen zusammen. In bester Tradition der Affichisten, die vom Ende der 40er bis in die 60er Jahre Plakate zur Grundlage ihrer Arbeit machten, gibt es bei Gothan ständig Neues zu entdecken. Damit verbunden ist eine Zeitreise auch in die Vergangenheit der Besucher. „Presence du Style 1974“ steht auf einer Collage, die sich unter anderem aus Werbungen für Cointreau-Liqueur und einer Kolumne der Schriftstellerin und ehemaligen Prostituierten Xaviera Hollander im Männermagazin Penthouse zusammensetzt. Auch der Fußballer George Best ist zu erkennen.

Fußball spielte im Leben von Gothan eine große Rolle und Günter Netzer war sein Vorbild. Den Mittelfeldstar lernte er kennen, im Hilton in Paris, wo Gothan Anfang der siebziger Jahren am Empfang stand und den Nationalspieler fragte, „Herr Netzer, was machen sie an einem Dienstag in Paris?“ Der erklärte, eben bei Real Madrid einen Vertrag unterschrieben zu haben. „Unter dem Siegel der Verschwiegenheit“, erinnert er sich. Und Diskretion galt als heiliges Gesetz in der Branche. Gothan erzählt auch die Geschichte eines Fabrikaten. Normalerweise erschien der Mann stets mit Gattin. Diesmal logierte er mit einer jüngeren Dame. Am nächsten Morgen erschien ungeplant die Ehefrau an der Rezeption. Gothan wusste, der Fabrikant befindet sich gerade mit seiner Bekannten im Fahrstuhl nach unten und verhinderte ein Ungemach, indem er dessen Frau solange in ein Gespräch verwickelte, bis der Gatte in ihrem Rücken das Weite fand. Der prominente Unternehmer bedankte sich später überschwänglich.

Im Hotelleben landete Gothan durch eine der Wellen in seinem Lebenslauf: „Auf dem Sportgymnasium war ich ein miserabler Schüler: Sport eins, aber Mathe sechs.“ Als Fußballer brachte er es einmal bis in den Kader des damals zweitklassigen VFB Lübeck. Auf Dauer reichte die Eins im Sport nicht aus. Durch Beziehungen bekam er eine Lehrstelle als Koch, die er erfolgreich abschloss. Von da an ähnelt sein berufliches Leben einer Collage. Mit der Kunstform beschäftigte sich der Linkshänder schon in der Jugend. Zu den ersten Vorlagen, die er mit der Schere der Mutter neu zusammensetzte, gehörte die Bravo. In den vergangenen 40 Jahren verwendete Gothan vor allem Zeitschriften und Kataloge. Sein Werk charakterisiert, was alle Kunst als solche ausmacht: ein Rhythmus, ganz gleich, ob er sein Material eher spartanisch oder üppig verwendet, wie für ein Bild, das sich aus Figuren der Zirkus- und Varietéwelt zusammensetzt.

Für Kontinuität in seinem Leben steht Ehefrau Gisela. Die beiden lernten sich in einer Hotelfachschule am Tegernsee kennen. Zusammen zogen die späteren Eltern eines längst erwachsenen Sohns nach Paris, nach Frankfurt und schließlich nach Neu-Isenburg. In den großen Hotels habe er nicht nur Englisch und Französisch gelernt, „sondern vor allem viel fürs Leben“. Zurück in Deutschland, wechselte Gothan die Branche. Die Beraterfirma Gothan Consult gilt seit Jahrzehnten als feste Größe auf dem Immobilienmarkt. Nicht nur als Spezialist für die Verwertung von Gewerbeflächen machte er sich einen Namen, sondern auch als Organisator in Sachen American Football. Trotz Ausstellung und ein über die Jahre gewachsenes Oeuvre sieht sich Gothan nicht als Künstler, „wenn, dann als Lebenskünstler“.

Die Vernissage beginnt am Freitag, 3. Juni, um 19 Uhr im Projektraum KunstVoll an derFrankfurter Straße 47. Die Schau ist bis zum 24. Juni zu sehen.

Kommentare