Bansamühle bleibt mit Gerhard Bansas Familie verknüpft

Besuch vom Namenspaten

+
Sprecher der Familie ist seit Januar 2016 Gerhard Bansa. Bei seinem Besuch am ehemaligen Landsitz seiner Vorfahren am Gravenbruchring dankte er der Stadt, der das Haus nun gehört, für ihre Gastfreundschaft. Denn bis heute finden in der Bansamühle regelmäßig Treffen der inzwischen weit verzweigten Familie statt, die nach dem Wiederaufbau des Hauses auch diese Gedenktafel (linkes Bild) spendete.

Neu-Isenburg - Er ist einer der großen Namen, die im historischen Zusammenhang mit Neu-Isenburg fallen müssen, obgleich er einer Frankfurter Dynastie gehört: Bansa. Von Barbara Hoven 

Genau 250 Jahre ist es jetzt her, da kaufte die Bankiers- und Apothekerfamilie eine Mühle in Isenburg als Sommersitz. Zwar hieß das Gebäude, das 1705 Hofbaumeister Andreas Löber erbaut hatte, eigentlich Löbersche Mühle. Der Volksmund nannte es auch gern mal „Blitz- und Donner-Mühle“, weil der Luderbach nur nach starkem Regen genug Wasser führte, um das Mühlrad zu drehen. Doch die Jahre überdauert hat der Name „Bansamühle“ – obgleich die namensgebende Familie das Anwesen nach 100 Jahren wieder verkaufte. Und der Name ist nicht das einzige, was geblieben ist: Die Familie Bansa, deren Angehörige inzwischen in der ganzen Welt verstreut leben, pflegt die Tradition und trifft sich bis heute alle drei Jahre in dem Haus, das als das repräsentativste öffentlich genutzte Gebäude Isenburgs gilt.

Klar, dass Gerhard Bansa, Sprecher der Familie, von den Stadtoberen herzlich empfangen wird, als er Isenburg wie dieser Tage einen Besuch abstattet. Seine Familie sei der Stadt dankbar für die Gastfreundschaft, betont Bansa, der aus Oberursel angereist ist. Sein Vater, der 2001 verstorbene Bauingenieur Armin Bansa, war als Sprecher der Familie vor dem Wiederaufbau der Bansamühle 1975 oftmals als Berater gefragt. Nach dem Wiederaufbau spendete die Familie unter anderem die Gedenktafel, die bis heute neben einem Eingang hängt.

Wer dem ehemaligen Landsitz der Bankiersfamilie am Gravenbruchring einen Besuch abstattet, der atmet förmlich Geschichte im Haus, dessen Besitzer und Nutzungen im Laufe der Jahrhunderte wechselten. „Immer aber war die Bansamühle ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenkamen“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel.

Nur wenige Jahre nach der Stadtgründung hatte Löber, der Baumeister des Grafen Johann Philipp von Ysenburg und Büdingen, die Mühle mit zugehörigem Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden errichtet. Später wechselte sie mehrmals die Besitzer, bis sie 1762 der Bankier Johann Wolfgang Schönemann, der Vater von Goethes späterer Verlobten Lilli, kaufte. 1766 dann erwarben die Brüder Bansa Mühle und Wohnhaus von der Witwe Schönemann.

Dort pflegten die Bansas ihr Gesellschaftsleben und schufen sich einen behaglichen Landsitz in der Natur vor den Toren Frankfurts. Der Auszug aus der engen Stadt, so ist’s in den Geschichtsbüchern zu lesen, war auch Ausbruch aus den engen Konventionen, denn vor der Stadt waren die Bürger ihren Verpflichtungen des Stadtbezirks enthoben. „Innerhalb Frankfurts wurden die Bürger bis in den privatesten Bereich hinein reglementiert: Was angezogen, gegessen und gelesen werden durfte, war vorgeschrieben. Außerhalb der Stadt bestimmte allein das finanzielle Vermögen, welche Freiheiten möglich waren; Möbel, Lebensmittel, Bücher, die legal nicht in die Stadt gebracht werden konnten, wurden in die Gartenhäuser gebracht.“

Zu den „Mühlbürgern“, dem engeren Freundeskreis, der sich regelmäßig traf, gehörte auch Goethes Mutter. Zwar gibt es keine schriftlichen Zeugnisse, dass Goethe je selbst in der Bansamühle zu Gast war, aber als sicher gilt, dass er sie kannte. 1889 ging die Bansamühle in das Eigentum des Isenburgers Johann Grober über, dessen Sohn 1900 eine Gartenwirtschaft darin eröffnete, die lange beliebtes Ausflugsziel war. 1974 erwarb die Stadt das stark beschädigte Gebäude, ließ es für rund eine Million Mark abreißen und baute es mit leicht verändertem Standort 1975 wieder auf.

Die jüngste Sanierung wurde erst vor einem knappen Jahr abgeschlossen. Die Fassade erstrahlt seither in neuem Glanz und es gab neue Fenster, die sich laut der Planer „optisch an den Originalfenstern von 1920 orientieren“. Nicht ganz glücklich mit der neuen Optik zeigten sich die Grünen. Sie fragten, warum bei der Sanierung des historischen Hauses „massiv wirkende profane Alutüren gewählt wurden und die Sandsteineinfassungen, die zuvor ein Stilmerkmal der an den Barock angelehnten Architektur waren, beseitigt wurden“.

Kommentare