Zeitplan für Netzsanierung vorgestellt

BI will Preiserhöhung der EVO für Fernwärme verhindern

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Gravenbruch - Ortstermin der Energieversorgung Offenbach (EVO): Schon wieder, möchte man sagen. Nachdem es jüngst immer wieder um die Änderung des Preissystems für Fernwärme ging, gegen die die Kundschaft auf die Barrikaden geht, stand diesmal eine Bürgerinfo zum Vorhaben des Unternehmens an, das Fernwärmenetz zu erneuern. Von Leo F. Postl 

Viele der rund 30 anwesenden Bürger wollten aber mit EVO-Vertretern in Sachen Heizkosten ins Gespräch kommen. Da hatten sie jedoch wenig zu erwarten: Die Arbeiten am Rohrnetz, so erfuhren sie, werden von der am 1. Juni 2016 gegründeten ENO (Energienetze Offenbach GmbH), einer 100-prozentigen EVO-Tochter, erledigt. Auskunft über Abrechnungsmodalitäten gab’s von ENO-Geschäftsführer Michael Weber keine. Der Fernwärme-Preis bleibt aber weiter heißes Thema. Mittlerweile, so war beim Ortstermin zu erfahren, hat sich eine Bürgerinitiative Interessengemeinschaft-EVO gegründet, um sich gegen Preiserhöhungen zu wehren. Den Vorsitz übernimmt Manfred Hartig, Mitstreiter sind Klaus Klein und Ernst Binninger. „Wir wollen aus einer möglichst großen Gemeinschaft heraus nun mit rechtlichen Schritten gegen die EVO vorgehen“, betont Binninger. Der Mitgliedsbeitrag kostet monatlich zwei Euro, für Spenden ist man offen. Mit dem Geld sollen vor allem die Anwaltskosten beglichen werden. „Ja, was soll man als kleiner Bürger da machen, man muss alles über sich ergehen lassen – so war es zumindest bisher“, meint Margot Galetschky aus der Nachtigallenstraße. Auch für Sigrid Ebbrecht ist vieles nicht nachvollziehbar: „Ich denke, mit der Preiserhöhung wollen die die Investitionen zahlen.“

Doch zurück zu den anstehenden Arbeiten – deren Zeitachse der Plan (oben) zeigt. „Wir sind hier, um ihr Versorgungsnetz für die Zukunft auf den neuesten Stand zu bringen, dies wollen wir mit ihnen gemeinsam bestens durchführen“, so Weber. Als Projektsteuerer vor Ort stellte er Armin Dürr von der ENO vor, die Bauüberwachung liegt in den Händen von Christina Ludwig (WJF Ingenieursgesellschaft Frankfurt). Die Erdarbeiten werden von der Firma Leonhard Weiss ausgeführt, hier ist Ralph Udo Dittrich der Ansprechpartner. „Sie können uns von Montag bis Freitag nach der Baubesprechung hier im Container besuchen und wir werden Probleme lösen“, versprach Dittrich.

Zentrale Anlaufstelle der Fernwärme aus dem EVO-Netz ist die Station nahe des Sportplatzes, von dort verzweigen die Leitungen in die Straßen. Bereits vor sechs Jahren erfolgte eine Teil-Erneuerung, jetzt investiert die EVO weitere 1,4 Millionen Euro, um die Fernwärmeversorgung rund um die Nachtigallenstraße fit zu machen. In sieben Bauabschnitten soll das Wohngebiet mit neuen Rohren ausgestattet werden. „Wir haben diese Maßnahme in unterschiedlich große Bauabschnitte eingeteilt, um eine möglichst geringe Einschränkung für die Bewohner zu erreichen“, erklärte Ludwig. 36 Hausanschlüsse in der Nachtigallen-, Finken- und Taubenstraße werden erneuert.

Bilder: Fernwärmetunnel unter dem Main

Bisher verlief die Weiterleitung der Fernwärme von einem Haus zum anderen, dies wird sich ändern. Gab es bei einem Haus ein Problem, waren alle dahinter liegenden mit betroffen. „Wir werden jedes Haus mit einem eigenen Anschluss versehen“, erklärte ENO-Geschäftsführer Weber. Ingenieurin Ludwig hatte deshalb vor einem halben Jahr alle Hausbesitzer aufgesucht, die Gegebenheiten in den Kellern besprochen und die neue Zuleitung mit den Eigentümern festgelegt. Nur zwei kleinere Kernbohrungen durch die Außenwand seien nötig. „Es sollte diesbezüglich keinerlei Probleme mehr geben“, gab sie sich optimistisch.

Der für die Erdarbeiten zuständige Dittrich versicherte den Anwohnern, die Einschränkungen auf ein Minimum zu reduzieren. „Meine Leute sind sehr hilfsbereit – sie tragen auch mal schwere Einkäufe bis vor Ihre Tür.“ Es gebe zudem einen Briefkasten am Container, wo Anwohner Wünsche einwerfen könnten. Richtig los geht es schon heute, der Lagerplatz ist südlich der Nachtigallenstraße 60 eingerichtet. Viele Hundebesitzer bedauern schon, dass die beliebte „Auslaufwiese“ nun erst einmal weg ist. Bis 8. Dezember wird durchgearbeitet, dann gibt’s eine Pause bis Mitte Januar. Je nach Witterung geht es dann weiter. Die Gesamtmaßnahme soll bis spätestens Anfang 2018 abgeschlossen sein. Kosten fallen laut ENO für Hausbesitzer nur an, wenn die Übergabestation im Keller einer Erneuerung bedarf.

Vorgärten, die bei Erdarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden, werden laut ENO wieder hergerichtet. Der Wegfall von Parkraum sei mit dem Ordnungsamt abgestimmt.

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