US-Unternehmen passt sein Geschäftsmodell ständig an

Deutschland GmbH von Lexmark nach Neu-Isenburg gezogen

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Christian Schleich von der Marketingabteilung von Lexmark zeigt die neuste Generation von Multifunktionsgeräten. Sie können unter anderem Dokumente in die E-Mail-Fächer von Mitarbeitern eines Unternehmens transportieren.

Neu-Isenburg - Gedruckt und kopiert wird in Firmen immer weniger. Dokumente werden digitalisiert. Davon profitiert Lexmark. Die Deutschlandzentrale des US-Konzerns sitzt seit neuestem in Neu-Isenburg. Von Marc Kuhn 

Einst war Lexmark für Drucker bekannt. Was viele nicht wissen: Das Unternehmen hat sich zu einem Technologiekonzern entwickelt, der Firmen auf der ganzen Welt neben Druckern auch umfangreiche Lösungen für den digitalen Büroalltag anbietet. Seine Produkte und Dienstleistungen verkauft Lexmark mittlerweile in mehr als 170 Ländern. Das 1991 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Lexington in den USA ist an der New Yorker Börse gelistet und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar. 2016 sei ein besonderes Jahr, sagt Hartmut Rottstedt, Geschäftsführer der Lexmark Deutschland GmbH, zuständig auch für Österreich und die Schweiz. Das 25. Jubiläum werde gefeiert. Zudem sei der Umzug von Dietzenbach nach Neu-Isenburg abgeschlossen. Dieser ging im September über die Bühne. In Neu-Isenburg ist der Vertrieb, das Marketing, die Verwaltung und der Service beheimatet. Produziert werden die Geräte und Toner weltweit.

Lexmark wird nach den Worten von Rottstedt bald einen neuen Eigentümer haben. Ein chinesisches Investorenkonsortium um die Firma Apex will den Druckerspezialisten für 3,6 Milliarden Dollar kaufen. „Wir gehen davon aus, dass die Übernahme in der zweiten Hälfte 2016 über die Bühne geht“, erklärt der Deutschland-Chef. Behörden müssen dem Geschäft noch zustimmen. Lexmark verspricht sich von dem Verkauf einen besseren Zugang zu den asiatischen Märken und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

In der Vergangenheit hat sich Lexmark von einem Drucker-Unternehmen zu einer Firma entwickelt, die Software und sogenannte Managed Print Services anbietet. 1991 wurde die Firma mit der Ausgliederung der Schreibmaschinen- und Tastatur-Sparte von IBM gegründet. Im Jahr danach kam ihr erster Tintenstrahldrucker auf den Markt. Im Jahr 2000 seien die ersten Multifunktionsgeräte angeboten worden, berichtet Rottstedt - sie konnten auch scannen und faxen. 2010 kaufte Lexmark die Firma Perceptive Software. Seitdem habe der US-Riese mehr als zwei Milliarden Dollar in die Übernahme von IT-Unternehmen investiert, erläutert Rottstedt. Mit den Lexmark-Angeboten können auf diese Weise Dokumente digitalisiert und verarbeitet werden. Die Prozesse in den Unternehmen werden beschleunigt. In den Folgejahren führte Lexmark Restrukturierungen durch und musste Mitarbeiter entlassen. 2015 hat sich Lexmark neu aufgestellt. Auch das Logo wurde erneuert: Der Diamant wurde durch eine Blende ersetzt, die für ein erweitertes Angebot steht. Die Farbe Grün symbolisiert Umwelt und Wachstum. „Es geht darum, eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen“, sagt Rottstedt. Zu den Kunden zählen neben zahlreichen Mittelständlern auch Konzerne wie Metro, Rewe, Daimler, Porsche, die UBS und die Post.

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Von den Vorteilen der Managed Print Services (MPS) von Lexmark zeigt sich Prokurist Andreas Duthel überzeugt. Mehr als eine Million Geräte betreut Lexmark auf der ganzen Welt für seine Kunden. Dabei hilft auch das Internet. Vor allem bei Multifunktionsgeräten, weniger bei reinen Druckern, gebe es Wachstum im Markt, berichtet Dirk Bader, Chef des Produktmarketings bei Lexmark Deutschland. Ziel von MPS sei – neben dem reinen Managen der Geräteflotte, zu dem auch die automatisierte Versorgung mit Tonern zählt - die Standardisierung und Optimierung von Abläufen in Firmen, fügt Duthel hinzu. Lexmark wisse auch vor seinen Kunden, wenn es zu einem Defekt an Geräten komme und biete Hilfe an. „Wir analysieren die Daten und schreiten ein, damit es nicht zu einer Unterbrechung des Betriebs kommt“, erklärt Duthel. Die neuen Multifunktionsgeräte von Lexmark werden über Touchscreens, ähnlich wie iPads gesteuert, erläutert Bader. Zudem würden sie schneller kopieren und seien mit Quad-Core-Prozessoren ausgestattet, die auch in PC verwendet werden.

Dass das Drucken und Kopieren immer mehr in den Hintergrund tritt, zeigt Christian Schleich von der Marketingabteilung von Lexmark. Die Multifunktionsgeräte „lernen“ Stichwörter von Dokumenten zu „lesen“. Legt der Nutzer sie in die Geräte, werden die Papiere von der Software erkannt. Schließlich werden sie automatisch den zuständigen Mitarbeitern eines Unternehmens ins E-Mail-Postfach geschickt. Schnell und papierlos soll das moderne Büro sein. Andere Lösungen von Lexmark verzichten ganz auf Geräte. Mit verschiedenen Software der Firma, einem Smartphone und einem Bildschirm können zum Beispiel Versicherungsverträge abgeschlossen werden, so Holger Schreyer, Leiter des technischen Vertriebs von Kofax Deutschland, einem Lexmark-Unternehmen. Auch zahlreiche Banken setzen mittlerweile auf diese Online-Möglichkeiten.

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Die Zukäufe haben Lexmark also unabhängiger vom Druckermarkt gemacht. Ob das Unternehmen weitere Übernahmen plane, will Rottstedt nicht sagen. Er betont aber, Lexmark sei stets auf der Suche, um sich wettbewerbsfähiger aufzustellen.

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