Jugendliche machen sich für Erhalt ihres Treffs stark

Diskussion um Abriss: Bangen um Anlaufstelle

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Moritz (von links), Leonie, Zoe, Susanna und Gemeindepädagoge Joachim Reinhard setzen sich für den Erhalt der Jugendräume in der Evangelischen Gemeinde ein.

Neu-Isenburg - Moritz, Leonie, Susanna und Zoe haben es sich auf der Couch und dem Sessel in den Jugendräumen der Evangelischen Gemeinde in Gravenbruch bequem gemacht.

Auf dem Tisch stehen Chips und kühle Getränke, die Wand ist mit einer bunt bemalten Jeans geschmückt, es ist ein Ort zum Wohlfühlen und Entspannen. Die jungen Gravenbrucher zwischen 17 und 21 Jahren haben sich an diesem Nachmittag getroffen, um über die Gemeindejugendvertretung zu sprechen. Es gilt, sie wieder aufleben zu lassen, denn wahrscheinlich müssen sich die Jugendlichen in den kommenden Monaten in Gravenbruch verstärkt Gehör verschaffen. In dem Anbau der Evangelischen Gemeinde am Dreiherrnsteinplatz sind der Kindergarten der Gemeinde und die – zugebenermaßen – großzügigen Jugendräume untergebracht. Die kleine Bar für die Parties, der Raum mit dem großen Tisch und der Eckbank und der mit der Sitzgruppe sind mit viel Leben gefüllt. Kindergruppen tummeln sich drei Mal in der Woche dort, backen, spielen und basteln unter der Leitung von Gemeindepädagoge Joachim Reinhard. Die Konfirmanden kommen zum Unterricht, die Kuma-Gruppe (Mitarbeiter für die Konfirmationsvorbereitung) trifft sich in den Räumen, es gibt offene Nachmittage für Jugendliche und natürlich für Veranstaltungen, wie die regelmäßigen und sehr beliebten Kinoabende vom Filmring.

Seit längerer Zeit wird innerhalb der Gemeinde schon über die Zukunft des Anbaus diskutiert. Es gibt Entwürfe, die einen Abriss und Verkauf des Grundstücks vorsehen und nur einen Neubau des Kindergartens beinhalten. Das ist natürlich kein böser Wille vom Kirchenvorstand, sondern aus der finanziellen Not geboren. Die Kirche im Zentrum von Gravenbruch wurde in den 60er und 70er Jahren für 4 000 Gemeindemitglieder geplant und gebaut – heute hat die Gemeinde nur noch 1000 Mitglieder und der Haushalt ist strukturell defizitär. „Wir müssen Wege finden, wie wir die Gesamtfläche deutlich verkleinern. Allerdings sind die Abriss- und Neubaupläne noch nicht in trockenen Tüchern, denn auch den Neubau müssen wir irgendwie finanzieren und das klappt nur mit Hilfe der Stadt und der Landeskirche“, erklärt Andreas Friebel, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Er hoffe aber, dass bei einem Neubau die Jugendlichen einen eigenen Platz im Obergeschoss des Kindergartens bekommen - versprechen könne er derzeit allerdings noch nichts.

Für Joachim Reinhard wäre der Verzicht auf die Jugendräume ein herber Verlust. „Dabei geht es nie um mich persönlich oder gar um meinen Job. Es geht um die Kinder und Jugendlichen, die hier immer eine Anlaufstelle haben“, erklärt der Gemeindepädagoge. Denn nicht nur die evangelischen Kinder finden in Gravenbruch einen Raum zum Spielen, sich zu treffen oder einfach nur um gemeinsam zu chillen: „Wir sind ein sehr offener Treff, Kinder aus allen Kulturen kommen bei uns zusammen. Würden wir künftig in den allgemeinen Gemeinderäumen mit unseren Gruppen unterkommen, wäre die Schwelle, zu uns zu kommen, sicher sehr viel größer“, vermutet Reinhard. Jugendliche übernehmen in den Kindergruppen Verantwortung, fühlen sich wert geschätzt und ernst genommen. Dazu kommt, dass die Zahl der Kinder in Gravenbruch stetig wächst, die Grundschule, die lange zwei-, später dreizügig war, nimmt derzeit jedes Jahr vier erste Klassen auf. „Schon jetzt ist es manchmal mit den Kindergruppen fast ein bisschen eng, wenn nicht so gutes Wetter ist und 25 Kinder hier durch die Räume turnen“, weiß Zoe, die bei der Betreuung der Kindergruppen hilft.

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Keine eigenen Räume mehr zu haben, darin sind sich die Jugendlichen einig, wäre sehr traurig. „Bei einem Raum, der in die Gemeinde integriert ist, müssten wir immer alles genau planen. Hier können wir auch mal spontan Treffen einberufen“, würde Moritz die Flexibilität vermissen. Joachim Reinhard und die Jugendlichen wollen sich jetzt Gehör verschaffen und verdeutlichen, wie wichtig diese Räume für Gravenbruch sind. Denn wenn sie erst einmal abgerissen sind, ist es zu spät dafür. (col)

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