Eisenbahnfreunde feiern Sommerfest

Feinarbeit in Waggons

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Zur Welt des Modell-Eisenbahnclubs gehören nicht nur Züge: Eleonor auf dem Arm von Mama Daniela, sowie Lennart (vorne), Sebastian besuchen den MECI-Vorsitzenden Peter Ploch am neuen, noch im Bau befindlichen Anlagenteil, dem Bahnbetriebswerk. Sie erleben dabei, wie Ploch per Smartphone einen Sonderwunsch der Kids erfüllt.

Neu-Isenburg -  Jeder kennt sie, und doch wissen noch immer nur recht wenige, was sich im Innern für Schätze im Miniaturformat finden lassen: Die beiden Eisenbahnwaggons inmitten des Kreisels an der Kreuzung Hugenottenallee, Carl-Ulrich- und Schleussnerstraße gehören nun schon seit ein paar Jahren zum Stadtbild.

Auf den ersten Blick scheinen der rote und der grüne Waggon einfach nur als Schmuckstücke dort zu stehen – doch im Inneren regt sich fast immer etwas. Beide historischen Waggons sind nämlich das Herzstück des Modell-Eisenbahn-Clubs (MECI). Der grüne Bahnpostwagen – Baujahr 1943 – ist bereits seit 1990 im Besitz des MECI; er gehörte zuvor einem Modellbahnclub in Köln-Deutz und danach den Eisenbahnfreunden Bebra. Den roten „Umbauwagen“ konnten die Isenburger von der befreundeten „Historischen Eisenbahn Frankfurt“ erwerben, um den chronischen Platzmangel zu lindern. Dabei handelt es sich um einen alten Abteilwagen, gebaut 1922 in Wismar.

Meist zweimal im Jahr, zum Sommerfest und zur Weihnachtszeit, sind die Türen der Waggons für interessierte Besucher geöffnet. „Im Prinzip kann jeder, der sich für uns interessiert, zu unseren Clubabenden kommen“, ergänzt MECI-Vorsitzender Peter Ploch. Nun hatte MECI zum traditionellen Sommerfest geladen: Zwischen den beiden Waggons stehen Tische und Bänke, Sonnenschirme spenden Schatten und die Gäste werden bestens bewirtet. Das größte Interesse erfährt wieder einmal die große Modellbahnanlage im ehemaligen Postwaggon. Mit rund 16 Metern Länge und einer Breite von fast einem Meter hat sie nicht nur stattliche Ausmaße, sondern zeigt bis ins Detail nachgebaute Landschaften mit Tunneldurchfahrten und einem Bahnhof, an dem gar ein Pendelbus vorbei fährt.

Die Anlage der Baugröße H0 mit einer Spurweite von 16,5 Millimetern – dem Märklin K-Gleis – wird digital mit dem Master-Control und seit Neuestem auch mit dem Win-Digipet gesteuert. Ferner wurde ein Stromkreis für das Zwei-Leitergleichstromsystem eingerichtet, der Fahrbetrieb ist hier analog.

Eine Modelleisenbahnanlage wird eigentlich nie fertig – und soll es ja auch nicht. „Bei uns muss immer etwas gebastelt und gewerkelt werden, das ist ja gerade der Reiz“, meint Lothar Pape, der sich insbesondere um die Elektrik kümmert. Neueste Großbaustelle ist ein Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe und sechs Reparaturschuppen, freilich alles maßstabsgetreu und mit Liebe zum Detail nachgebaut. „In den letzten Wochen ging es ganz schön voran, aber bis wirklich alles fertig ist, werden wohl noch ein paar weitere Wochen vergehen“, zeigt Ploch auf fehlende Kleinigkeiten

Für die jungen Besucher ist stets wichtig, dass sich alle Züge bewegen. „Kann der ICE mal den Tunnel dort durchfahren?“, hat Sebastian einen Sonderwunsch. „Moment, das kann ich wahrscheinlich regeln“, erwidert Ploch, zückt sein Smartphone und lässt sich den Steuerungsplan fürs Gleissystem anzeigen. Draußen, unter dem roten Waggon, ist zum Fest die LGB-Anlage aufgebaut. Die auch als „Gartenbahn“ bezeichnete Anlage ist richtig groß und kann – auf Wunsch – entsprechende Lasten transportieren. „Na, dann schick mir doch mal ein Bier her“, scherzt ein Besucher – und bald kommt die Bestellung per Bahn. Wer sich für Modelleisenbahnen interessiert, kann montags ab 19 Uhr zu den Waggons kommen, dann ist „Bastelabend“. „Aber wir sitzen auch zusammen und klönen einfach über unser Hobby“, sagt Ploch. - (lfp)

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