Sonnenkraft fürs Haus, Erdgas fürs Auto

Bei Energiewende rücken Nachbarn noch näher zusammen

Neu-Isenburg/Dreieich - Die Stadtwerke Neu-Isenburg und Dreieich vertiefen ihr nachbarschaftliches Verhältnis. Stichworte: Strom vom Dach fürs eigene Haus, Erdgas fürs Auto.

Die beiden lokalen Energieversorger wollen einen weiteren Beitrag zur Energiewende leisten und dabei „Synergien nutzen und Dienstleistungen für die Kunden erweitern“: Auf diesen Nenner lässt sich bringen, was Isenburgs Stadtwerke-Geschäftsführer Eberhard Röder gestern Mittag erläutert. „Zusammen geht mehr“, lautet die Devise von Röder und seinem Dreieicher Pendant Steffen Arta. Was die neue Kooperation für die Isenburger konkret bedeutet? Es geht gestern vor allem um ein Pachtmodell für Photovoltaik-anlagen, das es bisher nur in Dreieich, künftig nun auch in Isenburg gibt. Im Juni hatten die Dreieicher ihr neu entwickeltes Produkt namens „Solarpur“ vorgestellt, mit dem die Eigentümer von Ein- und Zwei-Familienhäusern in den Genuss einer Photovoltaik-Anlage kommen können, ohne dafür Eigenkapital in die Hand nehmen zu müssen. Dieses Konzept weckte auch in Isenburg Interesse. „Als Energieversorger vor Ort haben wir eine große Verantwortung mit unserem Beitrag zur Energiewende“, sagt Röder. „Eines unserer Ziele ist der Ausbau der dezentralen Stromerzeugung. Solche Themen lassen sich nur gemeinsam bewältigen, denn Klimaschutz endet nicht an den Stadtgrenzen.“ Es ist nicht das erste Arbeitsfeld, das die Stadtwerke gemeinsam beackern. Bereits beim Energieeinkauf arbeiten Neu-Isenburg, Dreieich und Langen beispielsweise zusammen.

Gestern stellen Röder und Arta ein gemeinsames Solarkonzept vor, das auf „Solarpur“ aus Dreieich basiert. Diese Offerte für private Hausbesitzer habe eine Entwicklungsphase von mehr als einem Jahr beansprucht, rund 50 000 Euro Entwicklungskosten flossen rein. „Das hätten wir mit dem gleichen Aufwand noch einmal entwickeln müssen“, begründet Röder den Zusammenschluss mit Dreieich. Beide sind sich einig: „Die Wertschöpfung bleibt in der Region – damit differenzieren wir uns von anderen Anbietern.“ Das Prinzip für den Solarstrom vom eigenen Dach funktioniert in Isenburg genau wie in Dreieich, nur der Name ist ein anderer: „isyPUR solar“ heißt das Produkt, das Stromkunden der Stadtwerke nun wählen können.

Und so funktioniert’s: Die Kunden pachten eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von vier Kilowatt Peak (kWp) von den Stadtwerken, die sich um den Einbau, die Wartung und eventuelle Reparaturen kümmern. „Wir bieten unseren Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket“, betont Röder. Der Strom vom eigenen Dach rechne sich. „Die staatliche Förderung, die Einsparung von Stromkosten und die Unabhängigkeit von Preiserhöhungen durch Eigenversorgung sind Argumente für eine Solaranlage auf dem eigenen Dach.“

Die Montage übernehmen regionale Handwerker. Die Vertragslaufzeit beträgt 20 Jahre. Schon ab einer monatlichen Pacht von 60 Euro ist „isyPUR solar“ möglich. Abhängig ist der Betrag jedoch von der Lage und den Gegebenheiten des Hauses. Röder sieht in der individuellen Beratung und Planung einen weiteren großen Vorteil für Kunden. Vor der Installation berechnen die Stadtwerke Wirtschaftlichkeit der Anlage. „Wenn der Standort nicht passt, raten wir auch ab“, betont Arta. Zufriedene Kunden seien schließlich das A und O.

Ökostrom-Förderung wird umgestellt: Mehr Wettbewerb

Auch die Stadtwerke Langen hätten bereits Interesse am Solarkonzept gezeigt, „weitere Gespräche dazu sind in Vorbereitung“, ergänzt Röder. Wie berichtet, ist das Solarpur-Programm in Dreieich besser als erwartet angelaufen. So habe es bislang 90 Anfragen gegeben. 40 Angebote seien platziert, Verträge zu 15 Anlagen abgeschlossen, einige auch bereits montiert.

Das Zusammenrücken der beiden Energieversorger bezieht sich aber auch noch auf einen zweiten Punkt: Dreieichs Stadtwerke haben die zweite Erdgastankstelle in Sprendlingen gebaut. Wenn diese CNG-Tankstelle an der Aral-Station am Kurt-Schumacher-Ring 138 am Samstag, 17. September, eröffnet wird, dann geschieht auch dies als gemeinsames Projekt beider Stadtwerke.

Und warum beteiligen sich Isenburgs Stadtwerke an einer Erdgastankstelle in Sprendlingen? So eine Einrichtung zu schaffen, dazu müsse man auch einen Tankstellen-Pächter finden, der mitzieht, erläutert Röder. Das habe in Isenburg nicht funktioniert – zumal auch die technischen Voraussetzungen andere seien. „Wir haben dafür keinen passenden Gasdruck in den Leitungen.“ Daher habe man die Idee, mit der neuen Erdgastankstelle sowohl das Industriegebiet in Sprendlingen als auch das angrenzende Isenburg abzudecken, gerne unterstützt. „Wir haben den technisch sinnvollsten Standort gewählt“, sagt Röder. (hov)

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