Zehn Flüchtlinge haben eine Anstellung gefunden, weitere sind auf einem guten Weg

Erste Schritte in die Berufswelt

Neu-Isenburg - Noch sind es nur einzelne Neuankömmlinge, die im Isenburger Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten: Zehn Flüchtlinge haben mittlerweile einen Job.

Bei der Stadt sieht man es als wichtige Aufgabe, den derzeit 203 Neubürgern auf ihrem oft steinigen Weg in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu helfen. Dies könne den Integrationsprozess beschleunigen, macht der Bürgermeister klar. Und stellt Beispiele vor, wie es klappen kann. Die Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der Rathenaustraße rückt näher, Anfang Juni sollen die Flüchtlinge nach Frankfurt umziehen. In Isenburg seien die Menschen auch dank der vielen Ehrenamtlichen stets sehr gut betreut worden, betont Rathauschef Herbert Hunkel. Derzeit laufe die Planung für eine Abschiedsfeier. Er bittet die Bürger, ihr Engagement beizubehalten. „Schließlich haben wir weitere 203 Flüchtlinge zu betreuen.“ Und er rechnet damit, dass weitere hinzukommen – nicht nur die 70, die der Kreis im Spätsommer in Gravenbruch unterbringen wird.

Um die Neubürger möglichst schnell zu integrieren, brauchen sie Deutschkenntnisse und einen Arbeitsplatz. Den zu bekommen, ist nicht einfach – das mussten auch die Engagierten in Isenburg schon erfahren. Trotz Praktika, Fördermaßnahmen, Pilotprojekt zur Berufsorientierung und mehr sind die Erfolge bisher überschaubar: Zehn Flüchtlinge haben eine Anstellung gefunden. Doch viele seien auf einem guten Weg, sagt Cornelia Mateos, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales – zumal viele Flüchtlinge hoch motiviert seien. Gemeinsam mit dem Bürgermeister stellt sie Neubürger vor, die bereits einen Job haben.

Osman Mohamud Jimale zum Beispiel. Er sieht glücklich aus, denn er darf sich seit September Angestellter nennen. Davor wurde er lange stets als Flüchtling bezeichnet. Der 45-Jährige, der aus Somalia stammt und nun in der Gemeinschaftsunterkunft in der Beethovenstraße lebt, gehört zum DLB-Team. Er arbeitet in der Straßenreinigung. Einfach war sein Weg nicht – schon wegen der Bürokratie. „Wir mussten uns erst einmal lange durchfragen, denn keine Behörde wusste Bescheid, wie das mit einer Anstellung läuft“, erzählt DLB-Leiterin Petra Klink. Schließlich konnte sie ihm ein Praktikum bieten. Und ist offenkundig angetan von ihrem mittlerweile in Vollzeit angestellten Mitarbeiter: „Mich hat beeindruckt, wie rasend schnell er Deutsch gelernt hat“, sagt Klink. Und sie habe selten jemanden erlebt, „der mit so einem strahlenden Lächeln zur Arbeit kommt.“

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Der 25-jährige Biniam Gebrehiwet Tewelde ist bereits der zweite Flüchtling, der im Nobelhotel Kempinski Arbeit gefunden hat. Nach seiner Flucht aus Eritrea landete er im Erstaufnahmelager Gießen, wurde dann im Dezember 2013 in einem Hotel in Isenburg untergebracht. Seit 2014 lebt er mit zwei Landsleuten in einer Wohnung der Gewobau. Ende vergangenen Jahres ist sein Asylverfahren abgeschlossen worden, er ist somit anerkannter Flüchtling. Und seit Anfang 2016 Angestellter, wenn auch zunächst mal auf ein Jahr befristet: Im Kempi arbeitet er als Maler und Lackierer. Die Kollegen seien sehr nett, „ich arbeite gerne dort“, sagt Tewelde auf Deutsch. In Eritrea habe er eine Ausbildung gemacht, als Handwerker und mit Solarsystemen gearbeitet.

Ebenfalls aus Eritrea kommt der 26-jährige Huruy Habtemariam Gayem, der seit einem Jahr beim Café Ernst arbeitet. Seit 2015 ist er anerkannter Flüchtling. So weit ist Aimal Mohsini aus Afghanistan noch nicht. Der 22-Jährige hat 2013 seinen Asylantrag gestellt und ist seit März 2016 in Isenburg. Anfang Juni startet seine Berufsorientierung. „In drei Monaten lernen die jungen Menschen mindestens drei Berufsfelder kennen und erkunden ihre Eignung. Danach ist ein direkter Übergang in eine Ausbildung möglich“, erklärt Mateos. Das Projekt läuft über das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Mohsini wird die Berufsfelder Pharmazie, Einzelhandel und Handwerk kennenlernen.

Der Bürgermeister betont: „Es ist an uns, Flüchtlingen Chancen zu geben.“ Dazu seien große Schritte auf Bundesebene und bei der Gesetzgebung notwendig. Aber auch mit Einzelprojekten etwa auf kommunaler Ebene kann einiges erreicht werden.“ Wer helfen will, kann sich bei der Stadt melden.

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hov

Rubriklistenbild: © pictu re alliance / dpa

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