Politik definiert Favorit für künftigen Turnus

Bio- und Restmüll-Abfuhr: Extratouren im Sommer

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Symbolbild

Neu-Isenburg - Nach gut einem Jahr Biotonne in Isenburg steht nicht nur eine Bilanz an. Sondern den Magistrat und die Gremien beschäftigt auch die Frage, wie Abhol-Rhythmus und Gebühren sich künftig gestalten sollen.

Vier mögliche Varianten verzeichnet das „Konzept zur Neugestaltung der Touren für die Abholung der Rest- und Bioabfälle“, das jetzt im Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr diskutiert wurde. Es gibt einen klaren Favoriten. Vorneweg: Bis sich tatsächlich etwas ändert, wird’s noch dauern. Zunächst einmal muss sich die Politik per Beschluss für eine Konzept-Variante für die finale Entwicklungsstufe der Biomüll-Ära entscheiden, dann braucht der Dienstleistungsbetrieb (DLB) auch noch Zeit für deren Umsetzung. Warum das Thema gut ein Jahr nach Einführung der Biotonne im April 2015 überhaupt erneut auf den Tagesordnungen steht? Weil Isenburg sich damals für ein mehrstufiges Verfahren zur Einführung entschieden hatte. So blieb es zunächst bei der wöchentliche Abholung der Restmülltonne. Geplant war von vorneherein, diesen Turnus nach einem Jahr auf eine 14-tägige Leerung umzustellen. „Die damit verbundene Kosteneinsparung ist eine Voraussetzung für das Ziel, die Biotonne möglichst ohne zusätzliche Kosten einzuführen“, betonte damals Bürgermeister Herbert Hunkel.

„Wir wollten einen guten, sanften und mit möglichst wenig Negativem belasteten Einstieg ins Thema schaffen“, hebt Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) diese Woche im Bauausschuss noch einmal hervor. Nun ist das erste Jahr um, und somit die Zeit für den Magistrat gekommen, die künftige Gebühren- und Abfuhrstruktur festzuklopfen. Vier Varianten samt deren finanzieller Auswirkungen listet das „Konzept zur Neugestaltung der Touren für die Abholung der Rest- und Bioabfälle“ auf, das der DLB auf Wunsch des Magistrats ausgetüftelt hat. In aller Kürze: Variante eins wäre der „Bleibt-alles-wie-gehabt“-Weg, also wöchentliche Restmüll- und 14-tägige Biomüll-Leerung. Problem: Dabei wäre eine Gebührenerhöhung unumgänglich. Variante zwei: jede Woche Restmüllabfuhr, alle zwei Wochen Biomüll plus Extra-Touren im Sommer, weil der Verrottungsprozess bei höheren Temperaturen bereits in der Biotonne einsetzt. Hieße: Mehr Service, aber auch viel teurer. Variante drei ist die ursprünglich einmal angedachte, die viele andere Städte so praktizieren: Rest- und Biomüll im Zwei-Wochen-Rhythmus abholen. Das spart Geld. Die vierte Variante ist die dritte plus Ergänzung: Der DLB schlägt vor, in den Sommermonaten – konkret von Juni bis September – als zusätzlichen, aber „bezahlbaren“ Service die Biotonne wöchentlich zu leeren. Dies hätten sich auch viele Bürger gewünscht, um Geruchsbelästigung oder Maden in der Tonne zu vermeiden.

Nicht nur der DLB empfiehlt am Ende des Konzepts diese vierte Variante mit der „Sommer-Abfuhrzeit“. Auch in der von Bürgermeister Herbert Hunkel unterzeichneten Drucksache wird diese Kompromisslösung als klarer Favorit definiert – „um die geringen Entsorgungskosten beim Biomüll verstärkt zu nutzen, die Abfallgebühren zu senken und die Anreize zur Nutzung der Biotonne zu erhöhen“. Mit Variante vier ließen sich laut Magistrat die Restmüllgebühren im Vergleich zu heute deutlich senken – um mehr als 40 Prozent. Die Mehraufwendungen für die wöchentliche Abholung des Biomülls im Sommer liege dabei lediglich bei fünf bis sechs Prozent.

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Andernfalls, wenn man also die wöchentliche Abholung des Restmülls beibehalten wolle, „müssten zum Teil deutliche Gebührenerhöhungen von bis zu zehn Prozent erfolgen“. Auch die erste politische Hürde, den Bauausschuss, hat der Kompromissvorschlag passiert. „Es ist nicht die reine Lehre, aber wir denken, dies wäre ein guter Weg“, so das Fazit des Ersten Stadtrats in der Sitzung. Kommende Woche stehen die Alternativszenarien für die künftige Müllabfuhr inklusive deren finanzieller Folgen für die Entwicklung der Abfallgebühr im Haupt- und Finanzausschuss (Mittwoch, 22. Juni, 19.30 Uhr, Rathaus) auf der Tagesordnung. Gibt das Stadtparlament grünes List, würde der DLB über den Sommer eine neue Abfallsatzung erarbeiten. So könnte das Parlament im September die neue Satzung absegnen, im Oktober würden dann alle Grundstückseigentümer angeschrieben, um den künftigen Tonnenbedarf festzustellen. Umgesetzt würde der neue Turnus bei der Leerung dann voraussichtlich ab April 2017.

Die Bilanz nach einem Jahr Biotonne, ebenfalls vom DLB vorgelegt, ist einen eigenen Zeitungsbericht wert. Daher fürs Erste nur ein kurzer Einblick. Nach der Einführung hat der DLB 286 Beschwerden über einen Zeitraum von sechs Monaten (April bis September) erfasst – dabei sei es etwa um den Wunsch nach Tonnenreinigung (50) gegangen, um Maden in der Tonne oder Geruch. Gemessen am Zeitraum und der Anzahl der Tonnen sei dies „eine geringe Zahl von Beschwerden“, sagt DLB-Chefin Petra Klink. Weniger zufrieden kann der DLB jedoch mit den Sammelmengen sein. Zwar schrumpfte die Restmüllmenge, „die erwarteten 40 Prozent konnten jedoch nicht erreicht werden“, ist dem Erfahrungsbericht zu entnehmen. „Mit 21,48 Prozent wurde im Mai die höchste Reduzierung des Restmülls und mit 128,2 Tonnen die größte Sammelmenge Biomüll erzielt.“

hov

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