Weitere Niederlassungen im Ausland

Firma Chip One hilft Unternehmen mit elektronischen Bauteilen

+
Chip-One-Geschäftsführer Volkan Sanverdi erklärt das Arbeitsfeld des Unternehmens, dessen Hauptsitz in Neu-Isenburg ist: „Wir springen bei Lieferengpässen und Abkündigungen ein.“

Neu-Isenburg -  Bei Lieferengpässen mit elektronischen Bauteilen verdient das Neu-Isenburger Unternehmen Chip One unter anderem sein Geld. Die Geschäfte florieren. Von Axel Wölk 

Vier Klassenkameraden wollen in ihrer Kindheit nach ganz oben. Nach der Schule zerstreuen sie sich über den gesamten Globus. Schließlich kehren sie zu ihren Wurzeln in der Rhein-Main-Region zurück und gründen eine rasant wachsende Firma. Ist das eine Tellerwäschergeschichte, die eher ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten USA als ins etwas gemächlichere Deutschland passt? Keineswegs. „Wir leben einen Traum, den viele Jungs in der Pubertät träumen“, entfährt es Geschäftsführer und Gründer Sasan Tabib von Chip One in Neu-Isenburg. Sein Unternehmen lebt vom Vertrieb. Das Geschäftsmodell basiert auf dem Kauf und Verkauf von elektronischen Bauteilen, wie sie in Smartphones, Autos, Turbinen oder selbst Rumpfflugzeugen eingesetzt werden. Im Grunde sorgen sie dafür, dass ein europäischer Vorzeigekonzern wie der Flugzeugbauer Airbus zum Beispiel hochkomplizierte Chips für eines seiner Modelle ergattern kann. Das ist in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Im Zeitalter der Schnelllebigkeit werden manche Chips mitunter nur für einen kurzen Produktionszyklus von wenigen Jahren gefertigt. Im Anschluss sind nur noch die Nachfolgemodelle zu haben.

Genau hier setzt die simple, aber lukrative Geschäftsidee von Tabib und seinem Mit-Geschäftsführer Volkan Sanverdi ein. „Wir springen bei Lieferengpässen und Abkündigungen ein“, erläutert Sanverdi. Manchmal reichen die Kapazitäten der Hersteller nicht aus, um die Nachfrage so manches Industrieunternehmens zu bedienen. Das kann beispielsweise passieren, wenn wie im Fall der japanischen NEC plötzlich ganze Produktionslinien wegen eines Tsunamis ausfallen. Oder ein Chiphersteller kündigt einfach die Einstellung eines gewissen Modells an.

Dann treten Tabib und Sanverdi auf den Plan. Über Zwischenhändler oder aus ihrem eigenen Lagerbestand versuchen sie dem Kunden aus der Patsche zu helfen und das händeringend gesuchte elektronische Bauteil zu besorgen. Häufig kann Chip One dann Feuerwehr spielen, das klappt aber auch nicht immer. „Wir sind so etwas wie ein Arzt, zu dem ein Patient kommt, wenn er krank ist. Die Kunden sind dann aber auch nicht sauer auf uns, wenn wir ihnen nicht weiterhelfen können.“

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Eines aber zumindest garantiert Chip One mit seinen jährlich rund 35 Millionen Euro Umsatz. Um eine einwandfreie Qualität zu gewährleisten, betreibt das Unternehmen extra ein Labor, damit elektronische Bauteile, mit denen Chip One handelt, sich auf Herz und Nieren prüfen lassen. Auf diese Weise werden Fälschungen aussortiert. Tabib und Sanverdi räumen ihren Kunden eine erweiterte Produkthaftplicht ein.

Internationalität wird bei der inzwischen 160 Mitarbeiter starken Chip One großgeschrieben. Beschäftigte stammen unter anderem aus Russland, Schweden oder auch Rumänien. In Neu-Isenburg sponsert die Firma einen Migranten-Fußballverein. Das Unternehmen hat neben Neu-Isenburg noch vier weitere Niederlassungen in Südkalifornien, Dubai, Hongkong und auf den Philippinen. Die vier Klassenkameraden, die hinter dem 2001 gegründeten Unternehmen stehen, haben allesamt einen Migrationshintergrund. Vielfalt gilt bei Chip One schon allein deswegen als Unternehmensmaxime. Insofern verwundert es nicht, dass die Firma vorzugsweise Quereinsteiger beschäftigt.

Tabib ist Flüchtlingskind. Mit seinen Eltern zusammen floh er in den 1980er Jahren aus dem Iran. Dass manche Kinder von Migranten in der deutschen Gesellschaft nicht Fuß fassen, bedauert Tabib, der bereits an einer Poker-Weltmeisterschaft teilgenommen hat. „Es gibt aber viele Beispiele von Menschen, die es schaffen. Einwanderer haben es aber immer ein Stück weit schwerer.“ Auf Gründe dafür angesprochen, kommt postwendend die Antwort: „Die Sprache ist das A und O.“ Englisch und Italienisch ließen sich etwa deutlich leichter als Deutsch lernen. Trotzdem erklärt Tabib überzeugt: „Ich habe Deutschland als tolles, gastfreundliches Land kennengelernt.“

Chip One operiert auf einem Markt, der stark zersplittert ist. Viele kleine Unternehmen buhlen weltweit um Marktanteile. Doch in mangelnder Größe so manches Konkurrenten sieht Tabib kein Problem. Es käme auf die Qualität an. Da hätten auch Nischenanbieter eine Chance. Eine Konzentrationswelle erwartet Tabib für seine Branche nicht.

Kommentare