Kinder als Top-Multiplikatoren

Fröbel-Schüler präsentieren wo es bei Notfällen Hilfe gibt

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Eine Besonderheit in der Hugenottenstadt: Als „Notinselbeauftragte“ erklären Kinder Kindern das Projekt. Dafür gab’s gestern bei der wöchentlichen Magistratspressekonferenz von der Stadt ein dickes Dankeschön samt Geschenk und Urkunde für (von links) Leon Fröhlich, Micha Gebhardt, Marvin Hild, Alex Alfredo Donzi und Dennis Burkhardt.

Neu-Isenburg - Drei stilisierte Kinderköpfe, darunter der Schriftzug „Notinsel“: So sind seit 2011 auch in Neu-Isenburg Geschäfte, Praxen, Banken und andere Einrichtungen von außen gekennzeichnet, die die bundesweite Aktion unterstützen und Kindern in Not Zuflucht bieten.

Eine Besonderheit sind die jungen, eigens ausgebildeten „Notinselbeauftragten“: Kinder, die anderen Kindern das Konzept erklären. Fünf Jahre, nachdem das bundesweite Projekt auch inder Hugenottenstadt umgesetzt wurde, haben sich die Notinseln laut Magistrat etabliert; „mehr als 60 Geschäfte beteiligen sich mittlerweile daran“. Mit einem Aufkleber an der Eingangstüre oder am Schaufenster signalisieren sie dem Nachwuchs, dass er hier im Notfall Hilfe bekommt. Echte Notfälle nach Erwachsenen-Definition müssen’s dabei nicht sein. Die Inseln sollen einfach Anlaufstellen sein für Kinder, die sich verlaufen oder den Schlüssel verloren haben, sich irgendwie bedroht fühlen oder ein Pflaster brauchen, weil sie vom Rad geplumpst sind.

Und wer könnte Isenburgs Nachwuchs das Projekt besser nahebringen als der Nachwuchs selbst? Wohl kaum jemand. Deshalb werden „Notinselbeauftragte“ als Multiplikatoren ausgebildet. Es sind Kinder im Alter zwischen elf und 13 Jahren, die anderen Kindern das Konzept der Notinseln erklären und sie auf Augenhöhe für das Thema sensibilisieren. „Damit in einer Notsituation jedes Kind weiß, an wen es sich wenden kann“, erklärt Desiree Thomae. Sie ist Sozialpädagogin im Freizeitbereich der Friedrich-Fröbel-Schule, wo das Projekt beim Nachwuchs offenbar bestens angenommen wird. Desiree Thomae begleitet die Kinder dabei, gemeinsam mit Christoph Rettig von der Stabstelle Prävention hat sie auch das Schulungskonzept ausgearbeitet.

Und so funktioniert’s: „Zu Beginn steht immer eine Stadtrallye auf dem Programm, bei der die Kindernotinseln in Neu-Isenburg vorgestellt werden“, berichtet Thomae. Mit selbstgebauten Brettspielen und einem kleinen Theaterstück zum Thema „Wann gehe ich zu einer Notinsel?“ werde das Thema dann weiter vertieft. „Während der Ausbildung lernen die Beauftragten auch zu präsentieren, auf Fragen einzugehen und vor allem, das Lampenfieber abzubauen“, erzählt die Pädagogin. „Erst wenn alles sitzt, geht es in die Kindereinrichtungen der Stadt.“

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Ihre Einsätze hatten die Notinselbeauftragten bisher beispielsweise im Kindergarten von St. Josef und St. Franziskus und im Kinder- und Familienzentrum Gartenstraße. Ihre aufmerksamen Zuhörer waren Kinder, die im Sommer eingeschult werden. Und wie reagieren die Jungen und Mädchen, wenn sie von den jungen Beauftragten angesprochen werden? „Zuerst schämen sich manche, dann trauen sie sich und machen mit“, erzählt Alex Alfredo Donzi. Er ist einer von sechs Beauftragten, die gestern in der Magistratspressekonferenz für ihr Engagement ausgezeichnet wurden. Auch Dennis Burkhardt, Malik El Hamdi, Leon Fröhlich, Micha Gebhardt und Marvin Hild freuten sich über Urkunden und kleine Geschenke, die es on Bürgermeister Herbert Hunkel gab. Der lobte den „vorbildlichen Einsatz für andere Kinder“. (hov)

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