Größere Veränderungen stehen auch für Sankt Christoph in Gravenbruch bevor

Gemeinde baut sich eine Zukunft

+
Kein Abriss wie jeder andere: Der marode Kirchturm muss weichen, damit wird sich die Silhouette des Stadtteils verändern.

Neu-Isenburg - In Gravenbruch stehen bauliche Veränderungen auf dem Gemeindegrundstück der katholischen Kirchengemeinde Sankt Christoph an.

In einem mehrjährigen Prozess haben sich die Gemeinderäte damit befasst, eine Lösung für die Sicherung der Immobilien und des Gemeindehaushalts zu finden. Das Ergebnis: Nicht genutztes Gelände soll verpachtet und mit einem Wohnkomplex bebaut werden. Dazu muss jedoch der marode Kirchturm weichen. Zwar ist Sankt Christoph in Gravenbruch mit rund 1200 Mitgliedern eine recht aktive Pfarrgemeinde des Bistums Mainz. Dennoch muss man sich auch dort den nicht üppiger werdenden finanziellen Gegebenheiten stellen – und damit der Frage, wie man die Gemeinde für die Zukunft aufstellt. Sankt Christoph bildet mit den katholischen Pfarrgemeinden St. Josef und Zum Heiligen Kreuz den katholischen Pfarreienverbund Neu-Isenburg, handelt aber dennoch eigenverantwortlich.

Das Bild am Dreiherrnsteinplatz wird unverkennbar von den beiden Kirchen – Sankt Christoph auf der östlichen und der evangelischen Kirche auf der westlichen Seite – geprägt. Beiden gemeinsam ist jedoch die Herausforderung, sich finanziell „zukunftsfähig“ zu machen. Wie bereits bekannt, versucht die evangelische Gemeinde durch eine Reduktion ihrer Aufwände für Gebäude, sich finanziell für die Zukunft aufzustellen; es ist angedacht, Nebengebäude samt Grund und Boden zu veräußern. Nun gibt es auch von den katholischen Nachbarn Neuigkeiten: Seit geraumer Zeit wurden im Vorstand verschiedene Lösungsansätze diskutiert, wieder verworfen und nach Alternativen gesucht. Jüngst nun haben die Gemeinderäte von Sankt Christoph bei einer Versammlung die Mitglieder über die gefundene Lösung informiert.

„In einem mehrjährigen Prozess haben sich die Gemeinderäte damit befasst, eine Lösung für die Sicherung der Immobilien und des Gemeindehaushaltes zu finden. Basierend auf den Ansätzen einer Machbarkeitsstudie, die in Zusammenarbeit mit dem Bistum Mainz erstellt wurde, haben die Räte der Gemeinde beschlossen, nicht genutztes Gemeindegelände an das Gemeinnützige Siedlungswerk Frankfurt (GSW) im Erbbaurecht zu verpachten, damit dort ein viergeschossiger Wohnkomplex mit 20 barrierefreien Mietwohnungen errichtet werden kann“, berichtet der Gemeinderat.

Im Zuge dieses Bauprojektes werde der marode Kirchturm abgetragen und der tiefer gelegene Teil des Kirchenvorplatzes zum Parkplatz des Wohnkomplexes umgestaltet. Die Sakristei wird zum Teil abgerissen und die verlorene Fläche durch einen Anbau zurückgewonnen. Das Außengelände der Kirche wird in Teilen neu gestaltet. Bevor der Wohnkomplex gebaut werden kann, wird eine Fernwärmeleitung der EVO, die im Bereich des zu verpachtenden Kirchengeländes verläuft, neu verlegt. Die derzeitige Planung des Investors sehe vor, noch in diesem Jahr mit den ersten Maßnahmen zu beginnen. Das Projekt soll Ende 2018 abgeschlossen sein.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Neu-Isenburg

Ob der Kirchturm nun marode ist oder nicht – seine Funktion als Glockenträger hat er nie erfüllt; denn geläutet wird vom Turm der evangelischen Kirche. Er wird nun buchstäblich von der Bildfläche verschwinden – und damit das Bild des Dreiherrnsteinplatzes verändern. „Insbesondere für jene, die alles mit dem ganzen Einsatz ihrer Möglichkeiten aufgebaut haben, wird dies einen schweren Einschnitt bedeuten“, beschreibt Ingrid Bickmann die Situation. Doch um den Fortbestand der Gemeinde, die zudem ja noch eine Kita, eine Bibliothek und auch fremdgenutzte Gemeinderäume unterhält, zu sichern, ist dieser Einschnitt sozusagen das kleinere Übel.

Auch Pfarrer Francis Parakkal spricht von einem unumgänglichen Schritt. „Ich freue mich, dass wir mit der GSW einen Investor gefunden haben, der sich dem sozialen Wohnungsbau verschrieben hat und das Gelände im Sinne der Gemeinde nutzt. Mit dem nun umzusetzenden Projekt haben die Räte der Gemeinde die richtige Entscheidung getroffen, um den Erhalt des Immobilienbestandes sicherzustellen und den Haushalt der Kirche auf lange Sicht zu entlasten.“ Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Horst Kerber hebt hervor: „Mit der Umsetzung des Projekts haben wir einen entscheidenden Schritt gemacht, die Zukunft der Gemeinde zu sichern. Durch die zukünftigen Einnahmen aus der Verpachtung sowie die Nutzung von Räumen des Edith-Stein-Zentrums durch die neue Wohngemeinschaft können wir sicherstellen, dass wir uns in Immobilienangelegenheiten nicht noch einmal verschulden müssen, so wie es beim damaligen Neubau der Kita der Fall war.“ Für Kerber ist wichtig, dass die Veränderungen nur „äußerlich“ stattfinden, aber innerhalb der Gemeinde dafür eine gute Basis für die Zukunft geschaffen wird. (lfp)

Kommentare