Vögeln helfen und Hauswände schützen

Gemeinsame Brutplatzaktion von Nabu und Gewobau

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Den Begriff „Fassadenbrüter“ kennen die ornithologischen Handbücher zwar so nicht – aber betroffene Hausbesitzer wissen, um was es geht: um ungebetene Untermieter, die Löcher in die Fassade hacken, etwa der Grünspecht auf der Suche nach Maden. Andere Vögel weiten diese aus und brüten darin – auch, weil in der Stadt anderer Brutraum fehlt. Nabu und Gewobau schaffen nun Ausweichquartiere in den Grünanlagen.

Neu-Isenburg - Auch im Isenburger Stadtgebiet hacken Vögel ab und zu an den Fassaden. Besonders beliebt: Wärmedämmung.

Umweltschützer Heinz Kapp hat nun gemeinsam mit der Gewobau eine Aktion aufs Gleis gesetzt, die Vorteile für alle Seiten bringen soll: Es werden mehr für Höhlenbrüter nötige Nistplätze geschaffen – und gleichzeitig die Vögel abgelenkt von den Hauswänden. Egal, ob es um eine Rettungsoffensive für die Mehlschwalbe geht, um Entenküken, die durch die City watscheln, oder um einen Falken, der sich im Kirchturm eingenistet hat: Wer in Neu-Isenburg Rat in Sachen Natur- und Tierschutz braucht, für den ist Heinz Kapp ein gefragter Gesprächspartner. Auch in der städtischen AG Umweltschutz sitzt der Nabu-Vertreter, der auch Ortsbeauftrager der Staatlichen Vogelschutzwarte ist.

Und in besagter AG war es auch, wo Kapp im Frühjahr den Vorschlag einbrachte, „etwas gegen Vogelschäden an Vollwärmeschutz-Fassaden zu tun und das mit Artenschutz zu verbinden“, wie er gestern berichtet. Er nahm Kontakt auf mit der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau): Nach einer Begehung einigten sich Kapp, Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach und Bauleiter Wolfgang Brinkkötter darauf, für jede Renovierungsmaßnahme – also beispielsweise für ein Areal mit fünf Häusern – eine Nistkastenaktion zu starten.

„Gleichzeitig sollen Bunt- und Grünspechte abgelenkt werden“, erläutert Kapp. „Denn die Spechte verursachen jedes Jahr Schäden in Vollwärmeschutzfassaden, an denen sie Insekten ablesen und – da sich der Untergrund hohl anhört – dann auch gleich weiter nach vermeintlichen Maden hacken.“ In diese Hacklöcher gehen dann, so hat Kapp schon oft beobachtet, andere Vögel oder auch Fledermäuse, weiten sie auf und brüten darin. Das führt allerdings zu thermischen Störstellen des Wärmeschutzes – und auch zu von Hausbesitzern ungeliebten Verunreinigungen an der Fassade. Auf rund 2000 Euro beziffert Burbach die Schäden, die der Gewobau jährlich durch das Beseitigen von Spechtlöcher entstehen. Dies werde einmal im Jahr erledigt – natürlich mit Rücksicht auf die Brutzeiten.

Bei einer ersten Aktion wurden nun zwölf Nistmöglichkeiten geschaffen, beginnend mit den Häusern in der Gartenstraße 55, 57, 65, 67 und 69 – „für den Artenschutz, aber auch als Ausgleich für jetzt geschlossene Unterschlupfmöglichkeiten und als Angebot abseits der Vollwärmeschutzwände“, wie Kapp erläutert. Drei Mauersegler-Nistplätze, ein Fledermauskasten, zwei Starenhöhlen, drei Meisen-Trauerschnäpper-Kleiber-Kästen, einen Blaumeisenkasten, eine elsternsichere Halbhöhle für Rotschwänzchen, Rotkehlchen und Bachstelzen sowie einen Specht-Eulenkasten hat Kapp aufgehängt – fast alle in den Grünanlagen. „Dabei wurde ich von neugierigen Mietern angesprochen, die das sehr begrüßten“, erzählt der Isenburger.

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Den Spechtkasten bezahlte der Nabu, die anderen Nistkästen die Gewobau. Außerdem habe man sich darauf geeinigt, dass deren Mitarbeiter sich auch um die etwa alle zwei Jahre notwendige Reinigung der Kästen im Rahmen der Außenanlagenpflege kümmern werden. Denn da der Nabu bereits rund 400 eigene Nistkästen im Stadtgebiet betreut, müsse man die Arbeit aufteilen.

„Es müssen nicht überall Kästen hängen, auch ist keine große Dichte von Kästen entstanden. Es reicht aus, eine solche Aktion zweimal im Jahr durchzuführen, immer für eine ganze Gruppe von Häusern mit Grünanlage, einmal zum Frühlingsanfang, einmal im Herbst“, sagt Kapp. Die Naturschützer und das Wohnungsbauunternehmen wollen die Aktion, deren erste Runde die Gewobau laut Burbach rund 500 Euro gekostet hat, fortführen und ausweiten.

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Wie erfolgreich das Ganze tatsächlich in Sachen Ablenkung von der Hauswand sein wird, müsse sich nun zeigen, sagt Kapp – „aber es ist auf jeden Fall eine tolle Artenschutzmaßnahme“. Und so betont der Naturschützer auch mehrfach, wie sehr es ihn freue, dass die Gewobau ein offenes Ohr für das Thema gezeigt habe – zumal der Naturschützer mit seinen Bemühungen für mehr Nistplätze für Vögel bei Privathäusern „noch nicht ganz so erfolgreich“ ist. „Da müssen wir noch einen Weg finden, die Leute mitzuziehen“, hofft Kapp auf weitere Artenschutz-Erfolge. (hov)

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