Hilfe für die Ärmsten

Christopher Radtke kümmert sich um Obdachlose

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Mit Christopher Radtke (links) hat das Team der städtischen Lebens- und Konfliktberatung jetzt Verstärkung bekommen. Zusammen mit Walter Klotz, Margit Bender (vorne links) und Zara Manzone (nicht im Bild) hat Sozialamtsleiterin Cornelia Mateos ein vierköpfiges Team, das sich um Hilfesuchende kümmert.

Neu-Isenburg - Armut, Sucht oder familiäre Probleme: Menschen, die ihr Zuhause verlieren, gibt es auch in Neu-Isenburg.

Obdachlosenbetreuung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen, doch die Stadt versucht über die Unterbringung hinaus, Betroffenen zu helfen und sie wieder ins „normale Leben“ einzugliedern. Für diese Aufgabe gibt es nun Verstärkung: Seit Anfang August ist Christopher Radtke für die Betreuung der Obdachlosen zuständig. Dass der 31-jährige Gravenbrucher sich für die Sozialarbeit eignet, hat er in der jüngsten Vergangenheit über Monate tagtäglich bewiesen: Radtke war bis zu deren Schließung stellvertretender Leiter der vom Land in Isenburg eingerichteten Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Damit ist es bekanntlich vorbei, seit im Juni die Bewohner in Busse stiegen und nach Frankfurt gebracht wurden. Doch Radtkes Arbeit und sein Engagement für die Flüchtlinge sind nicht unbemerkt geblieben: Bürgermeister Herbert Hunkel und Cornelia Mateos, Fachbereichsleiterin Soziales im Rathaus, holten Radtke ins städtische Boot. Es habe schon ein normales Bewerbungsverfahren und mehrere Gespräche auch mit anderen Bewerbern gegeben, sagt Mateos – doch Radtke habe sich durchgesetzt.

Der ist ein Quereinsteiger in der Sozialarbeit, hat als Hotelfachmann die Welt bereist. Doch als die Flüchtlingswelle anrollte, habe er sich gesagt, dass er was tun müsse, wie er vor Monaten einmal erzählte. Nun also stellt er sich einer neuen Herausforderung. Sein Arbeitsplatz ist nicht nur im Rathaus, sondern natürlich auch vor Ort in der Obdachlosenunterkunft an der St.-Florian-Straße. Derzeit sei er noch in der Einarbeitungsphase, erzählt Radtke. Denn der Wechsel von der Flüchtlingsarbeit zur Obdachlosenbetreuung bedeute durchaus „ganz viel Neuland“ für ihn. Obdachlosenbetreuung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Dass eine Unterkunft für Obdachlose auch in Isenburg benötigt wird, zeigen die Zahlen: Die zwei langgestreckten Containergebäude am Stadtrand beherbergen derzeit laut Mateos 40 Menschen. In einem Gebäudeteil sind alleinstehende Männer untergebracht, in einem anderen Familien oder Frauen.

„Diese Menschen sind nicht nur geographisch am Rande unserer Gesellschaft, sondern auch im alltäglichen Leben“, sagt Radtke. Seine Motivation sieht er darin, zu versuchen, „sie wieder in die Mitte zu integrieren“. Das verbinde auch die Arbeit mit Flüchtlingen und Obdachlosen: „In erster Linie geht es um den Menschen. Der Ansatz bleibt derselbe: Ich möchte in der Not helfen.“ Er habe zum Beispiel gerade in der Unterkunft mit einem Mann Bewerbungsunterlagen fertig gemacht, „weil er morgen ein Vorstellungsgespräch hat“, erzählt Radtke.

Sozialverband: So viel Arme in Deutschland wie noch nie

Auch mit Institutionen wie dem Suchthilfezentrum Wildhof arbeitet die Stadt bei der Betreuung zusammen. Über aller Arbeit stehe natürlich das Ziel der Lebens- und Konfliktberatung, Obdachlosigkeit von vornherein zu vermeiden, betont Mateos. Es seien ja keine schlechten Menschen, denen die Obdachlosigkeit passiere, betont Sozialarbeiter Walter Klotz. Oft ist es vielmehr ein Absturz, der für viele Betroffene unerwartet kommt – entstanden durch Schicksalsschläge wie Trennung, Gewalterfahrung oder Jobverlust.

Wichtig sei, betont Mateos, dass die Leute sich rechtzeitig melden, wenn Ungemach droht; aber das Sozialamt werde auch über jede Räumungsklage informiert. Dann biete man den Betroffenen sofort Hilfe an, es werde versucht, die Räumung zu verhindern. Manche Leute meldeten sich jedoch erst am Tag der Räumung. „Einer unserer Mitarbeiter geht zu jedem Räumungstermin, die Leute sind dann meist froh, dass sie Hilfe bekommen“, erzählt Mateos. Wenn sie dann in der Obdachlosenunterkunft gelandet sind, gelte es, möglichst schnell eine Lösung für sie zu finden – und eine neue Wohnung. Wichtig sei aber auch die Nachbetreuung. „Es sind viele, die es dann auch wieder schaffen, andere aber nicht.“

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