Unterstützer für Projekte und Initiativen gesucht

Hilfe bei der Integration von Flüchtlingen

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„Neu-Isenburg: Refugees welcome – ich bin dabei“: Diese T-Shirts liegen für freiwillige Helfer bereit. Das Bild unten zeigt Marisa Kirsch von der Diakonie und Alexander Gerstenberger-Vogt von der Stadt, die ihre Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit vortrugen und Angebote vorstellten.

Neu-Isenburg - Die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge ist zwar seit einigen Wochen geschlossen, rund 230 Neubürger leben aber weiterhin in Neu-Isenburg; weitere werden hinzukommen. Diese bei der Integration zu unterstützen, ist ein Anliegen zahlreicher Helfer.

Die Stadt hatte für Freitagabend zur Infoveranstaltung „Integration durch ehrenamtliche Tätigkeit“ eingeladen, um verschiedene Projekte vorzustellen und Hilfen zu bündeln. Wohl auch dem Termin am Ferienstart geschuldet, blieb die Resonanz überschaubar. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ lautet ein Sprichwort. Genau dies soll in Sachen Flüchtlingsarbeit, die bisher in Isenburg von allen Seiten als vorbildlich gelobt wurde, nicht passieren. Durch die im vergangenen Jahr eingerichtete Erstaufnahmeeinrichtung in der Rathenaustraße rückte auch die Flüchtlingsarbeit in der Stadt in den Fokus der Öffentlichkeit – obwohl es diese schon seit vielen Jahren zuvor gab. Nun wurden bekanntlich Anfang Juni die Flüchtlinge aus der Rathenaustraße in eine Einrichtung in Frankfurt umgesiedelt. Viele Isenburger hatten sich, zusätzlich zur bereits seit vielen Jahren aktiven Flüchtlingshilfe, für die geflüchteten Menschen engagiert; Bürgermeister Herbert Hunkel hat über die städtische Verwaltung viele Initiativen angestoßen und für Koordination gesorgt.

Auch wenn das Camp nun geschlossen ist, würden immer noch Helfer für Initiativen und Projekte für die fest zugewiesenen Flüchtlinge gesucht, betonte das Stadtoberhaupt. Für Hunkel sind es „Neubürger“, die möglichst schnell in das gesellschaftliche Miteinander, aber auch in die Arbeitswelt integriert werden sollen. Wie sich das bewerkstelligen lässt und wie man Initiativen bündeln und noch bekannter machen kann, darum ging es bei der Informationsveranstaltung am Freitag; die jedoch nicht die erwartete Resonanz fand. Nur etwas mehr als 60 interessierte und bereits engagierte Bürger waren in die Hugenottenhalle gekommen. Es gelte, den rund 230 zugewiesenen Neubürgern zu helfen, sagte Hunkel. „Sie brauchen eine optimale Betreuung, und diese wollen wir ihnen auch bieten.“ Erneut zeigte sich der Bürgermeister nachhaltig beeindruckt von der überwältigenden Hilfsbereitschaft und dankte allen, die sich bisher vorbildlich zum Wohle der Geflüchteten eingebracht haben.

„Es gibt nichts Schlimmeres für einen Menschen, der arbeiten und sich in die Gesellschaft einbringen will, als wenn er dies nicht darf oder nicht kann“, zielte Hunkel sowohl auf gesetzliche Vorgaben, aber auch auf fehlende Sprachkenntnisse ab. Er sah in Sprachförderung und der Suche nach Beschäftigungsangeboten die dringendsten Aufgaben, um eine baldige Integration zu erreichen. Ganz wichtige Partner bei der Betreuung von Flüchtlingen waren und sind die Kirchen. Alexander Gerstenberger-Vogt von der Stadt sowie Marisa Kirsch von der Diakonie berichteten, wie das Zusammenspiel funktioniert und wie es noch erfolgreicher fortgeführt werden soll.

Als besondere Aktion hob Kirsch die Überbrückung der Ferienzeit der Sprachkurse hervor. „Gerade, wenn man eine Sprache lernt, sind sechs Wochen Pause eine verlorene Zeit“, betonte die Diakonievertreterin und verwies auf die Suche nach Sprachpaten. Wie Gerstenberger-Vogt sagte, gibt es ein eigens eingerichtetes „Sommerprogramm“ für den Sprachunterricht. Dafür stehen in den kommenden sechs Wochen Räume im Jugendbüro zur Verfügung. Ganz wichtig ist für ihn aber auch das Engagement der Firmen. Durch das berühmte Klinkenputzen dort konnten bisher 29 Praktika beschaffen werden, von denen bereits neun in Festanstellungen mündeten.

Bilder: Einblicke in Unterkunft für Flüchtlinge in Neu-Isenburg

Boris Berner, Leiter des Arbeitsmarktbüros ProArbeit im Kreishaus in Dietzenbach, berichtete: „Wir haben im Kreis Offenbach derzeit rund 3 300 Flüchtlinge, die es möglichst schnell zu integrieren gilt“, so Berner. Mit Bustouren zu Unternehmen werde ebenso ein Interessensgebiet für Flüchtlinge ausgelotet, wie per Befragung im Arbeitsmarktbüro. Jemanden in den Arbeitsmarkt zu bringen sei „kein Sprint, sondern ein Hürdenlauf, der bis zu fünf Jahre dauern kann“. Michael Kaul und Heide Enfield, neben Pfarrer Matthias Loesch die Sprecher des Flüchtlingshilfe-Netzwerks, berichteten ebenfalls von ihren zahlreichen Aktivitäten. Durch Gesprächskreise oder das Café Grenzenlos gelinge es, sowohl die Sprache als das System der deutschen Gesellschaft zu vermitteln.

Deutschlehrerin Isabelle Schachermayer lud alle, die sich als Vermittler der deutschen Sprache einbringen wollen, aber auch jene Flüchtlinge, die Deutsch lernen wollen, für den morgigen Dienstag (19. Juli, 10 Uhr) zu einem Treffen ins Jugendbüro ein. Dort soll dann eine Abstimmung erfolgen. „Wir wollen erreichen, dass es dann fast täglich ein Sprachangebot gibt, auch in den Ferien“, betonte sie. lfp

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