Mit Merkel und Obama am Tisch

Ilse und Franz Lischka feiern das Fest der Gnadenhochzeit

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Ilse und Franz Lischka sind heute 70 Jahre verheiratet - und das soll es noch lange nicht gewesen sein. Die glücklichen und noch immer ziemlich rüstigen Gnadenhochzeiter peilen bereits das nächste Jubiläum an.

Neu-Isenburg - 70 Jahre buchstäblich durch „dick und dünn“ – so kann man durchaus den gemeinsamen Lebensweg von Ilse und Franz Lischka beschreiben. Ilse Lehnert wurde, ebenso wie ihr späterer Mann Franz Lischka, im Teplitz-Schönau geboren.

Obwohl beide in derselben Stadt aufwuchsen, hatten sie sich als Kinder und Jugendliche nie gesehen. Das taten sie erst, als sich Franz Lischka nach den Kriegswirren freiwillig zur Arbeit in einem Kohletagebau meldete. „Ich erinnere mich noch genau, wie sie mit einer anderen junge Frau, einen Bollerwagen mit einem großen Topf mit Suppe hinter sich her ziehend, an mir vorbei kamen“, schildert Lischka die erste Begegnung. Nach einem (angesichts vieler strenger Aufseher nur kurzen) Wortwechsel vereinbarten sie ein Treffen am Wochenende. „Da hat sie mich kaum wiedererkannt, denn ich war kein mit Kohlestaub verschmierter Arbeiter mehr, sondern ein fescher Bursche“, so Franz Lischka ganz selbstbewusst. Die Vertreibung der Deutschen brachte sie zunächst auseinander; Ilse Lehnert landete in Haubern bei Frankenberg, Franz Lischka in Kronberg. Über die Liste des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes fand er heraus, wo sein „Kohlebergwerkmädel“ sich aufhielt und machte sich auf den Weg nach Haubern. „Da stand er plötzlich vor uns und ich war nicht schlecht überrascht“, beschreibt die Gnadenhochzeiterin das Wiedersehen. Man traf sich öfters und am 7. September 1946 läuteten die Hochzeitsglocken.

Franz Lischka fand Arbeit bei den Amerikanern auf dem Flugplatz in Frankfurt. Bald holte er seine Frau mit den inzwischen zwei Kindern nach. Das Paar wohnte zunächst in Walldorf und fand schließlich eine schöne Wohnung nahe dem Neu-Isenburger Waldschwimmbad, in der Hugenottenallee. „Die Wohnung war eigentlich viel zu klein für uns vier Leute, aber wir waren zufrieden“, betont Ilse Lischka. Ihr Mann arbeite sich bei der US Army bis zum Contracting-Officer hoch und war für die Bauausschreibungen zuständig.

In ihrer Ruhestandszeit sind die Lischkas viel gereist, waren 55 Mal am Millstätter See, kennen Frankreich, England und Schottland wie ihre Westentasche. Und dank seines Hobbys kann Franz Lischka ein ganz besonderes „Bild aus meiner schönsten Zeit“, präsentieren: Es zeigt ihn mit Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, einem Indianerhäuptling und Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel an einem Tisch – bei ihm zu Hause. „Das war an meinem 90. Geburtstag vor drei Jahren“, schmunzelt Lischka über seine „Trickfotografie“.

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Die Gnadenhochzeit sieht das noch recht vitale Paar, das fast täglich ins Hallenbad geht, als Gnade für die während und nach dem Krieg erlittenen Leiden an. „Das kann sich niemand, der es nicht selbst erlebt hat, vorstellen, wie man mit uns umgegangen ist - aber jetzt geht es uns gut“, freut sich das Paar auf das nächste Jubiläum. 70 Jahre sind so schnell vergangen, da wollen sie die nächsten fünf Jahre auch noch packen - mindestens. (lfp)

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