Es geht nur gemeinsam

Zweite Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlinge

Großes Aufgebot auf dem Podium bei der zweiten Bürgerversammlung: Neben Bürgermeister Herbert Hunkel (von links) sprachen Alexander Böhmer vom RP, Volkmar Meyer (Leiter der Isenburger Polizeistation), Ulrich Meier (Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung) sowie Astrid Laird, Koordinatorin der Freiwilligenarbeit beim ASB.
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Großes Aufgebot auf dem Podium bei der zweiten Bürgerversammlung: Neben Bürgermeister Herbert Hunkel (von links) sprachen Alexander Böhmer vom RP, Volkmar Meyer (Leiter der Isenburger Polizeistation), Ulrich Meier (Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung) sowie Astrid Laird, Koordinatorin der Freiwilligenarbeit beim ASB.

Neu-Isenburg - Rund 150 Isenburger informierten sich am Freitagabend in der Hugenottenhalle über neue Details der Flüchtlingsaufnahme und hörten den Bericht von Polizeichef Volkmar Meyer.

Vor allem ging es der Stadt bei der zweiten Bürgerversammlung darum, das bereits gemeinsam Erreichte vorzustellen und die Fragen der Bürger zu beantworten. Es gibt mit Sicherheit schlechtere Ziele für Flüchtlinge als Neu-Isenburg. Das mag man jetzt daraus ableiten, dass sich nach wie vor sehr viele Isenburger nicht nur mit Hilfsschwüren, sondern mit Spenden und echtem Tun engagieren. Oder man mag es daraus schließen, dass es viele gar nicht (mehr) für nötig halten, überhaupt zu einer Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation in der Stadt zu gehen – beim ersten Termin dieser Art war die Sportparkhalle deutlich voller. Wobei es natürlich auch sein kann, dass diejenigen, die Angst vor den Folgen der Flüchtlingswelle oder Sorgen um sich oder ihr Eigentum haben, sich ihre Meinung lieber in irgendeiner anderen Ecke holen oder diese kundtun, statt öffentlich in der Hugenottenhalle zu sprechen.

Etwa 150 Bürger verfolgten die Infoveranstaltung in der Hugenottenhalle und brachten einige ihrer Fragen vor.

Ging es bei der ersten Versammlung, kurz nachdem das Land für alle Isenburger recht überraschend eine Dependance der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung an der Rathenaustraße für zunächst bis zu 700 Flüchtlinge eingerichtet hatte, mehr ums allgemeine Warum und Weshalb, so stand diesmal mehr das bereits gemeinsam Erreichte im Vordergrund. Rund 150 Bürger fanden sich im Hugenottensaal ein. Bürgermeister Herbert Hunkel war trotzdem zufrieden. Auch weil er dem Pressemenschen im Gespräch noch von einem Telefonat berichten konnte, in dem er kurz zuvor vom Präsidenten des hessischen Verfassungsschutzes, Robert Schäfer, bestätigt bekommen habe: „In Isenburg läuft alles ruhig, alles im grünen Bereich.“

Mit etwas Spannung wurde der Bericht von Volkmar Meyer, dem Leiter der Isenburger Polizeistation, erwartet. „Wir hatten in den letzten vier Monaten in der Einrichtung selbst vier Delikte wegen Körperverletzung und drei Diebstähle, dazu gab es zwei Ladendiebstähle, das ist für mich eine sehr positive Bilanz“, fasste er seinen Bericht zusammen. Erfreulich für ihn, dass keine salafistischen Tendenzen im Umfeld zu beobachten seien. Insgesamt gab es 2014 laut Meyer 2200 Straftaten – und er geht davon aus, dass die Auswertung der Statistik für 2015 keinen höheren Wert ergeben wird.

Wie der Bürgermeister bestätigte, leben derzeit 193 Neubürger in Isenburg, die als Flüchtlinge dauerhaft zugewiesen worden sind. „Seit der Inbetriebnahme der Erstaufnahmeeinrichtung in der Rathenaustraße haben wir keine mehr zugewiesen bekommen, das wird aber nicht so bleiben“, stimmte Hunkel die Isenburger auf weitere Flüchtlingsaufnahmen ein. „Aber wenn sie schon hier sind, dann wollen wir sie auch wie Neubürger behandeln und das klappt dank vieler engagierter freiwilliger Helfer bisher wunderbar“, lobte Hunkel die Kirchen, Vereine, Institutionen aber auch Einzelpersonen.

Mit Stand vom 16. Januar gibt es im Bereich der hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen 15 188 Flüchtlinge in 37 Standorten, davon 7 757 in Notunterkünften in 18 Städten und Landkreisen, informierte der Darmstädter Regierungsvizepräsident Dr. Alexander Böhmer. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Isenburg waren es – Stand 16. Januar – 530; obwohl es bekanntlich mittlerweile Platz für bis zu 1000 Menschen gibt. „Jetzt verspüren wir eine leichte Entspannung, da derzeit weniger Flüchtige nach Deutschland kommen, aber unsere vorrangige Aufgabe ist es jetzt, die Flüchtlinge den Kreisen zuzuweisen“, erläuterte Böhmer.

Fotos: Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlinge

Wie man Parallelgesellschaften verhindern wolle, wollte ein Isenburger in der Fragerunde wissen. Ein anderer interessierte sich dafür, wie viele Flüchtlinge seit Bestehen der Einrichtung „spurlos“ verschwunden seien. Ulrich Meier vom Arbeiter-Samariter-Bund, der die Erstaufnahmeeinrichtung leitet, bestätigte, dass 70 nicht mehr in die Einrichtung zurückgekehrt seien. Ein Dritter fragte, wie viele Abschiebungen es gab. Hier verwies Regierungsvizepräsident Böhmer auf rund 200 für Hessen, doch gebe es als Nebeneffekt weitere freiwillige Rückkehrer. Andere Frage: Wie steht es um die Situation von behinderten Flüchtlingen, wird eine Traumatabewältigung angeboten? Hannelore Kaus-Schwörer berichtete von einem Auseinanderreißen von jugendlichen Freunden, die sich im Camp gefunden hatten. „Wenn wir mit einem Vorlauf von einer Woche wissen, wer mit wem zusammen in einen Landkreis kommen möchte, können wir dies organisieren – danach muss der Kreis für eine entsprechende Zuweisung in der Kommune sorgen“, sicherte Böhmer zu.

Ulrich Meier erzählte auch vom Alltag im Camp. „Es ist eine große Halle, die kaum Möglichkeiten einer individuellen Aufenthaltsgestaltung bietet – aber wir haben mittlerweile ein Hotel mit einem halben Stern daraus gemacht“, versuchte er eine Situationsbeschreibung. Mit „Abschottern“ habe man versucht, zumindest Kleingruppen eine Privatsphäre zu vermitteln. „Wir haben jede Woche so rund 200 Abgänge und Neuzugänge, da ist immer eine Neufindung vonnöten“, betonte Meier.

lfp

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