Bewährung für Isenburgerin

Kein Knast für Marihuana-Missbrauch

Neu-Isenburg - In Isenburg soll eine Frau regelmäßig an einen Frankfurter Cannabis verkauft haben. Der steht nach zwei Jahren im Zeugenstand des Offenbacher Schöffengerichts und erkennt sie aber nicht. Die Polizei fand bei ihr daheim aber mehr als 70 Gramm Marihuana. Von Stefan Mangold 

Der Preis, den sie dafür zahlen muss: 15 Monaten auf Bewährung plus 180 Arbeitsstunden. Die Frau behauptet, keine Drogen mehr zu nehmen. Auch der Zeuge erklärt, mit Haschisch nichts mehr am Hut zu haben. Erst recht, seit er Vater geworden sei. Vor zwei Jahren sah das noch anders aus. Der damals 26-Jährige kam in eine Verkehrskontrolle. Die Polizei sah ihm an, dass da jemand nicht ganz nüchtern Auto fuhr: Zwar nicht besoffen, aber bekifft. In seinen Taschen fand sich eine geringe Mengen Marihuana. Auf die Frage, woher er dies bezogen habe, berichtete er von einer Frau, die auf einen Tiernamen höre. Bei ihr habe er über Monate gekauft. Die Polizei gab den Alias ein und landete einen vermeintlichen Treffer. Deshalb sitzt die Isenburgerin wegen Drogenhandel vor Richter Manfred Beck und den Schöffen. Die damalige Aussage des Zeugen unterstrich der Fund eines Beutels in ihrer Wohnung. Die Staatsanwältin wirft ihr vor, 45 Mal mit Marihuana gehandelt zu haben. Bei ihr fanden sich 77,68 Gramm Gras.

Richter Beck fragt den Zeugen, warum er stets so kleine Mengen gekauft habe, stets nur knapp ein Gramm. Nach eigener Aussage orderte er alle drei bis vier Tage telefonisch in Isenburg. Seine Begründung ähnelt der eines Rauchers, der sich keine ganze Stange Kippen kauft, weil er sich täglich vornimmt, nach dem aktuellen Päckchen nie mehr eine anzuzünden: „Ich wollte immer aufhören.“

Die Beschreibung, die der Zeuge schon damals bei der Polizei abgab, passt nur rudimentär zur Angeklagten: Schwarzhaarig und zwischen 40 und 50 Jahre alt ist auch sie. Die Haare trägt sie jedoch lang und als dick fällt sie nicht auf. Als der Frankfurter die Angeklagte vor der Verhandlung auf dem Flur sah, habe er gedacht, „hier muss ein Irrtum vorliegen“. Beck lässt sich zur Sicherheit den Pass der Frau zeigen. Der Haschisch-Handel ist vom Tisch. Bleiben die 77,68 Gramm. Die fügen sich harmonisch ins Vorstrafenregister der Angeklagten ein. Sie blickt auch ansonsten auf keine Biografie, bei der sich denken lässt, ‘letztlich ging alles gut aus’.

Die Polizei protokollierte eine verwahrloste Wohnung. Ein Sohn wohnt bei Pflegeeltern. Das Jugendamt fand das Kind damals in einer verschimmelten Wohnung vor. „Sie bekommt ihr Leben ohne Hilfe nicht auf die Reihe“, konstatiert ihr Rechtsanwalt Mario Galvano, der die Technik von Talkshow-Moderatoren anwendet: Er stellt seiner Mandantin eine Frage, deren Antwort er kennt. Richter Beck soll aber ebenfalls wissen, was passierte, nachdem die Polizei das Marihuana beschlagnahmt hatte. Die Angeklagte behauptet nämlich, das Gras habe nicht ihr, sondern einem Bekannten gehört. Für den habe sie es aufbewahrt. Der Eigentümer, den sie nicht nennen will, habe die Konfiszierung keineswegs als Abschreibung verbucht, sondern sich den Verlust von ihr begleichen lassen. Über Monate habe sie vom Hartz IV– Budget abgestottert.

Die Staatsanwältin fordert Freispruch, was den 45-fachen Marihuana-Verkauf betrifft. Wegen des Besitzes der Drogen, deren Menge weit über Eigenbedarf liegt, fordert sie 18 Monate auf Bewährung. Ihr Verteidiger erwähnt die seelischen Probleme der Frau, „sie ist keine Verbrecherin“.

Richter Beck verurteilt die Isenburgerin zu 15 Monaten auf Bewährung plus 180 Arbeitsstunden, auch wenn er die Geschichte der fremden Eigentümerschaft glaubt. In Isenburg lebe offenbar eine Familie, die sich im Drogengeschäft engagiere und Wohnungen Dritter als Bunker benutze. Er rate aber bei solchen Ansinnen prinzipiell dazu, die Polizei zu informieren.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Was ist Ihre Meinung zur Legalisierung von Cannabis? *

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion