17 Künstler zeigen ihre Lieblingsfotos

Bildschöne Blüte trifft Dickdarm

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Ein menschlicher Dickdarm, der scheinbar mit einer Hibiskusblüte fusioniert (Bild oben): Der Chirurg Dr. Davorin Wagner (65) erläutert bei der Vernissage im Rathausfoyer seine besonderen Bildkompositionen. -

Neu-Isenburg - Ob Profi- oder Hobbyfotograf, Designer oder Mediengestalter, Politiker oder Chirurg, Uhrmacher, Oberstudienrätin oder Studentin: Gleich 17 Angehörige der immer größer werdenden Community von Isenburger Fotokünstlern zeigen bei einer sehenswerten Ausstellung im Rathausfoyer derzeit einige ihrer Lieblingsbilder.

In Isenburg gibt es viele Talente – einige sind bereits bekannt, andere wollen noch entdeckt werden. Dies betrifft auch die Fotografie. Die moderne Kommunikationstechnologie bringt es mit sich, dass jeder, der glaubt, ein besonderes Motiv fotografiert zu haben, dies auch gleich vielen Freunden zukommen lassen kann. „Gerade über Facebook werden so viele persönliche Fotos gepostet, daraus entstand die Idee, doch mal Fotografen aus Neu-Isenburg aufzurufen, um eine gemeinsame Ausstellung zu machen“, erklärt Petra Riesinger das Zustandekommen der am Montagabend im Rathaus eröffneten Foto-Präsentation.

Riesinger hat einiges an Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. „Die Euphorie, seine Bilder mal öffentlich zeigen zu dürfen, ist anfangs immer groß, doch wenn es dann so weit ist, fehlt es schon mal an der Verlässlichkeit“, schildert Isenburgs Stadtfotografin 2015. Am Anfang seien es 20 Fotokünstler gewesen, die sich beteiligen wollten. Einige sprangen ab, andere konnte Riesinger neu dazugewinnen. Nun sind es 17, die ihre Bilder zeigen. „Es gab viele Telefonate und Mailverkehr, jetzt bin ich froh, dass die Ausstellung steht“, betont Riesinger.

„Bin dann mal weg“ – so nennt Kerstin Zimmermann (49), Sachbearbeiterin und Hobbyfotografin, ihr zauberhaftes Lieblingsfoto mit diesem coolen Hund, das ihr im Hafen von Marseille gelang.

Die Schau lebt von der Vielfalt der Motive. „Wir haben absichtlich kein Thema vorgegeben, denn das hätte ja zu einer Einschränkung geführt. Wir wollten, dass sich jeder Beteiligte mit seinen besten Bildern präsentieren kann“, erzählt die Organisatorin. Sie selbst zeigt brillante Makroaufnahmen sowie ein lebendiges Porträt eines Falken. Mit von der Partie sind bereits bekannte (Foto-)Künstlerinnen wie Ulli Ehret, Martina Philippi, Veronika Scherer oder Kati Conrad sowie Frank Wolf, Alexander Jungmann, Elena Spiro oder auch Samra Babalija, die sich alle als Webdesigner oder professionelle Fotografen ohnehin mit dem Medium beschäftigen. Die 24-jährige Hatice Ogur studiert Kommunikationsdesign und befasst sich in Reportagemotiven mit der aktuellen Flüchtlingssituation.

Es gibt aber auch jene, die sich der Fotografie aus Leidenschaft verschrieben haben und nur in der Freizeit die Kamera zur Hand nehmen. So ist es bei Sachbearbeiterin Kerstin Zimmermann, die als Gymnastin viel unterwegs ist und immer ihre Kamera dabei hat. Im Hafen von Marseille gelang der Isenburgerin ihr Lieblingsbild: Ein lässig dreinblickender Hund als Cabrio-Beifahrer, ausgestattet mit Brille und Helm. „Ich habe das tolle Motiv gesehen und musste es einfach fotografieren“, erzählt Zimmermann.

Dirk Gene Hagelstein kennt man eher auf politischer Bühne denn als Fotograf. Doch der SPD-Mann interessiert sich auch für Sport und Kunst. In der Ausstellung realisiert er ein Projekt, das er „Leere Räume“ nennt. So hat er den „Frankfurter Engel“, ein Mahnmal zur Verfolgung Homosexueller, mit einem Strauß Rosen dekoriert und fotografiert. Bilder von „leeren Räumen“ führen zu einem QR-Code, über den online die Botschaft hinterlegt ist. Für Ramona Mertens wurde vor fünf Jahren die Fotografie zur Leidenschaft. Der Blick durch den Sucher der Kamera mit ihren verschiedenen Möglichkeiten sie für sie „wie für Alice das Wunderland“, verrät die 37-Jährige.

Oberstudienrätin Katja Freitag nutzt die Fotografie für Collagen und Motive in Bewegung. Auch für den Uhrmacher Tobias Sannig (36) ist sie ein Medium, das ihn auf andere Weise fesselt. „In meinem Beruf bin ich immer wieder vom Funktionieren der kleinen technischen Wunderwelt fasziniert, dies übertrage ich in die Natur und finde dort ähnliche Wunder“, zeigt Sannig auf seine Makroaufnahme eines Blattes mit seinen feinen Strukturen.

Eine Sonderstellung nimmt Dr. Davorin Wagner ein. Der Chirurg nutzt beruflich die Fotografie zur Dokumentation von Details im menschlichen Körper, verbindet solche Motive in seiner Freizeit mit Composings aus der Natur. So fusionieren in einem seiner Fotos das blutig wirkende Motiv eines Dickdarms, der alle Versorgungsgefäße zeigt, und der Kelch einer Hibiskusblüte – und beide weisen unvermutet Ähnlichkeiten auf. „Ich will damit die Zellhomogenität der bewundernswerten Natur insgesamt, ob pflanzlich oder bei höheren Lebewesen, aufzeigen“, erklärt der Mediziner. Ein weiteres Composing zeigt den Blick auf die Zellstruktur einer fast fünf Kilo schweren Zyste im Körper einer Frau, die er entfernt hat, ebenfalls in Verbindung mit der fließenden Struktur eines Hibiskusblütenkelches. „Da ist nichts ekliges, das ist für mich alles ein Wunder der Natur“, sagt Wagner. (lfp)

Die Fotografien sind bis zum 26. August zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses, Hugenottenallee 53, zu sehen.

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