Weniger Restmüll dank Biotonne, doch Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Müllbilanz hat Luft nach oben

Neu-Isenburg - Weniger Restmüll dank Biotonne – das sagt die Bilanz nach gut einem Jahr in der Hugenottenstadt; auch wenn das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Die Dreieicher beispielsweise sind eifrigere Nutzer der neuen Tonne als die Isenburger. Eine Frage, die nach Darstellung der Stadt oft gestellt wird, ist die nach den richtigen Beuteln für die Zwischenlagerung des Grünabfalls.

„Ihh, ist das eklig!“ Im Sommer, besonders nach Hitzeperioden wie in den vergangenen Tagen, öffnen manche Leute den Deckel der Biotonne nur mit abgewandtem Gesicht. Denn die Kunststofftonnen können in wenigen Tagen zu einem Brutkasten für Maden werden. Überhaupt polarisiert das Zusatzgefäß nach wie vor: Manchem stinkt es, die kompostierbaren Abfälle in der Küche zu sammeln und dann den Inhalt des Eimers in die übel riechende Tonne zu tragen. Echte Gegenliebe kommt hingegen von ganz umweltbewussten Bürgern, und nicht wenige Befürworter dieses Trennsystems freuen sich, dass sie durch die separate Entsorgung der Bio-Abfälle das Volumen der Restmülltonne reduzieren, sich eine kleinere bestellen und damit Geld sparen können.

Eine Frage, die sich seit der Einführung der Biotonne laut Dienstleistungsbetrieb viele Isenburger stellen, ist die, wie sie ihre Küchenabfälle zwischenlagern, bevor sie in die Biotonne gegeben werden. „Die sogenannten Biokunststoff-Beutel sind zwar biologisch abbaubar, benötigen aber für die Anlagenbetreiber zu lange, um sich im Kompostierungsprozess zu zersetzen“, schreibt der DLB. Demnach komme es häufig vor, dass Plastikbestandteile in dem kombinierten Vergärungs- und Kompostierprozess nicht zersetzt werden und den Kompost verunreinigen. Für die Sammlung von Biomüll empfiehlt der DLB daher die Nutzung von Papiertüten oder Zeitungspapier: „Biokunststoffbeutel dürfen im gesamten Kreis Offenbach nicht verwendet werden.“

Geeignete Papierbeutel gibt es im Handel sowie beim städtischen Bürgeramt und dem DLB. Das Set (20 Beutel) kostet beim Bürgeramt und beim DLB 1,50 Euro. Weiterhin bestehe die Möglichkeit die Küchenabfälle in Zeitungs- oder Küchenpapier einzuwickeln. „Entstehendes Wasser wird dadurch aufgenommen und Fäulnis- oder Gefrierprozesse werden verhindert“, so der DLB. Zuständig für die Entsorgung des Biomülls ist der Kreis. Nach der Sammlung durch den DLB wird der Bioabfall zu einer Verwertungsanlage nach Frankfurt gefahren. Dort wird er zur Produktion von Biogas und Komposterden genutzt.

Bilder: So sieht es im Müllheizkraftwerk aus

Infos zum richtigen Sortieren des Biomülls gibt’s auf ‘ www.dlb-aoer.de

Die Biotonne war in Isenburg zum 1. April 2015 eingeführt worden. Nach der Einführung hat der DLB laut einem Erfahrungsbericht 286 Beschwerden über einen Zeitraum von sechs Monaten (April bis September) erfasst - dabei sei es etwa um den Wunsch nach Tonnenreinigung (50) gegangen, um Maden in der Tonne (20) oder Geruch (25). Gemessen am Zeitraum und der Anzahl der Biotonnen sei dies „eine geringe Zahl von Beschwerden“, hatte DLB-Chefin Petra Klink im Ausschuss berichtet. Weniger zufrieden kann der DLB jedoch – darauf lässt die Lektüre der Zahlen schließen – mit den Sammelmengen sein. Zwar schrumpfte die Restmüllmenge, „die erwarteten 40 Prozent konnten jedoch nicht erreicht werden“, ist dem Erfahrungsbericht zu entnehmen. „Mit 21,48 Prozent wurde im Mai die höchste Reduzierung des Restmülls und mit 128,2 Tonnen die größte Sammelmenge Biomüll erzielt.“ Insgesamt sank das Restmüllvolumen von 8700 Tonnen im Jahr 2014 auf 7700 Tonnen 2015 – damit ist das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Ebenfalls auffällig: Vergangenes Jahr wurde deutlich weniger Grünschnitt abgegeben. Dabei sei es wirtschaftlich von Vorteil, wenn die Leute ihre Gartenabfälle weiterhin zum Wertstoffhof bringen. Wie berichtet, hatte das Stadtparlament mittlerweile eine Neuregelung der Abfuhrtermine für Biotonne und Restmüll abgesegnet: Ab April 2017 soll es eine 14-tägige Restmüll- und eine 14-tägige Biomüll-Leerung geben. Mit einer Sonderregelung: In den Sommermonaten Juni bis September wird der Biomüll wöchentlich abgeholt.

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