Pilotprojekt zur Berufsorientierung:

Sprungbrett in die Arbeitswelt

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Khalid aus Somalia lernt im Jugendbüro, was eine Gärtnerei, ein Malerbetrieb oder ein Recyclingunternehmen von einem zukünftigen Mitarbeiter verlangen. Auch junge Neubürger aus Afghanistan oder Eritrea nehmen an dem Pilotprojekt der Stadt teil.

Neu-Isenburg - Wo liegen die eigenen Stärken, welcher Job würde passen? Das will die Stadt mit einem Assessment-Center für Flüchtlinge herausfinden. 16 junge Neubürger profitieren derzeit von dem Pilotprojekt.

Um es auf diesem Niveau über längere Zeit weiterzuführen, ist das Projekt jedoch zu teuer. Khalid mischt die Farben auf der kleinen Palette an, wie es ihm der Malermeister kurz zuvor erklärt hat. Vorsichtig und mit Gefühl drückt er den Farbklecks auf das Plastikschälchen. Khalid kommt aus Somalia und lebt seit einigen Monaten in Neu-Isenburg in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hugenottenallee. Er ist einer von 16 Flüchtlingen – acht Männer und acht Frauen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren – die in den vergangenen zwei Wochen in den Räumen des Jugendbüros durch ein sogenanntes Assessment-Center gegangen sind. Pädagogen und Berufspraktiker aus den Bereichen Maler- und Lackierer, Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung und Hotelerie haben mit den Neubürgern gearbeitet und gewährten ihnen einen Einblick in die Berufswelt in ihrer neuen Heimat. Für dieses Pilot-Projekt hat sich die Stadt Hilfe vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft geholt.

Im ersten Teil ging es darum, die jungen Leute kennenzulernen und persönliche Kompetenzen und Potenziale einzuschätzen. „Diese Kompetenzanalyse ist wichtig, um künftig auch Lücken füllen zu können. In diesen drei Tagen konnten wir schon sehr viel sehen und ein entsprechendes Feedback geben“, erklärte Juliane Timmerberg, Projektleiterin vom Bildungswerk.

Im zweiten Projektteil stand ganz die Praxis im Mittelpunkt. Mit kleinen Filmen bekamen die Kursteilnehmer die unterschiedlichen Berufsgruppen vorgestellt und dann gab es eben auch die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen. In der Sandkiste des Jugendbüros wurden eifrig Pflastersteine verlegt, eine Gruppe durfte im Hotel Holiday Inn hinter die Kulissen blicken und beim Housekeeping und im Service helfen. „Alle Teilnehmer sind überaus motiviert und haben sehr diszipliniert gearbeitet“, lobt Juliane Timmerberg. Das bestätigte auch Peter Martin, Leiter des Jugendbüros. Er weiß aber auch, dass die Startbedingungen überaus heterogen sind: „Die Voraussetzungen, die die Flüchtlinge mitbringen, sind sehr unterschiedlich. Wir haben einen studierten Ökonom dabei und auch einen jungen Mann aus Afghanistan, der sich bisher als Analphabet durchs Leben gebracht hat“, erzählt Martin. Für alle gelte, dass sie ihre deutschen Sprachkenntnisse noch verbessern müssen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. „Aber das ist die große Motivation, weiter zu lernen“, weiß Timmerberg.

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Diese Woche steht am 29. April das Abschlussgespräch für die 16 jungen Leute an. Ein Erfolg wäre es, wenn der ein oder andere im Anschluss eine Einstiegsqualifikation in einem der kennengelernten Arbeitsfelder beginnen würde. Aber wichtige Erfahrungen haben alle Teilnehmer jetzt schon gemacht. Rund 12 000 Euro kostet dieses Pilotprojekt, das ingesamt über drei Wochen läuft. Die Bürgerstiftung Jugend und Beruf hat gemeinsam mit dem Lionsclub die Finanzierung übernommen. Um dieses Pilotprojekt auf diesem Niveau weiter zu führen, sei es zu teuer. „Aber wir werden im gleichen Stil in eigener Regie weiter machen und die Potenzialanalysen sind ein hilfreiches Instrument, dass wir so auch wieder nutzen werden“, war auch Hans-Ludwig Grüschow, Vorsitzender der Stiftung Jugend und Beruf von dem Pilotprojekt überzeugt. (col)

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