Stadt will die Fördervereine bei der Nachmittagsbetreuung von Verwaltungsaufgaben entlasten

Grundschulen stoßen bei Betreuung an Belastungsgrenzen

Neu-Isenburg - Bislang stemmen Fördervereine an den Grundschulen die Betreuung am Nachmittag. Doch damit kommen sie immer mehr an ihre Belastungsgrenzen. Von Holger Klemm 

Der Magistrat schlägt deshalb den Stadtverordneten die Gründung einer Betreuungs gGmbh mit dem Namen NIKI (Neu-Isenburger Kinder) vor. „Eine Neuorganisation ist unumgänglich“, betont Bürgermeister Herbert Hunkel. Die Nachfrage nach einer Nachmittagsbetreuung ist über die Jahre stetig gestiegen. Gab es 2002 in Neu-Isenburg 220 Hortplätze, so sind es in diesem Schuljahr bereits ganztägig 931 Kinder. Neu-Isenburg hat damit die höchste Betreuungsquote im Kreis.

Jährlich wendet die Stadt 3,1 Millionen Euro, davon 1,1 Millionen für die Fördervereine auf, die bislang für die Nachmittagsbetreuung zuständig waren. Doch mit der ständig steigenden Teilnehmerzahl, den daraus entstehenden zusätzlichen Aufgaben und der gestiegenen Verantwortung sind die ehrenamtliche Engagierten zunehmend überfordert. Jeder Förderverein muss eine eigene Geschäftsführung ein- und Jahresabschlüsse erstellen. Um den Personalbedarf zu decken, wurden eigene Mitarbeiter benötigt. Die Folge ist, dass es den Vereine immer schwerer fällt, ihre Vorstandspositionen zu besetzen.

Hunkel verweist auf ein entsprechendes Schreiben von Raphael Krause (Förderverein der Ludwig-Uhland-Schule). „Nur durch die Weichenstellung im Bezug auf die gGmbH und der dadurch möglichen Rückführung des Vereins auf seine Kernfelder war es möglich, Nachfolger für den Vorstand des Fördervereins zu finden.“

Das Konzept der gemeinnützigen GmbH mit beschränkter Haftung sieht vor, alle bisherigen 68 Mitarbeiter (16 Erzieher, 42 Betreuer, vier Verwaltungskräfte, fünf Küchenhilfen und eine Aushilfe) der Fördervereine zu übernehmen. Neben der Personalverwaltung soll NIKI auch für die Aufnahmen und Gebühren zuständig sein. Die Aufgaben, Tätigkeiten und der Arbeitsumfang der Mitarbeiter bleiben bestehen. Auch an den pädagogischen Konzepten und der Vergütung ändert sich nichts.

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Beteiligt sind die Fördervereine der Grundschulen (Albert-Schweitzer-, Wilhelm-Hauff-, Selma-Lagerlöf-, Ludwig-Uhland- und Hans-Christian-Andersen-Schulen). Befreit von den Verwaltungsaufgaben könnten sie sich wieder ihrer eigentlichen Bestimmung widmen, Sponsoren zu finden sowie Feste und Veranstaltungen zu organisieren, um die Schulen zu unterstützen. „Sie müssen dann keine Arbeitgeber mehr sein“, so Hunkel. Alle Vorstände haben sich für die Organisation ausgesprochen und begrüßen die Vorgehensweise.

Ein weiterer Vorteil der neuen Organisationsform ist die Kostenersparnis. Bislang musste jeder Förderverein einen eigenen Wirtschaftsprüfer für den Abschluss beauftragen, künftig wird nur noch einer benötigt. Mit dem Kreis hat die Stadt vereinbart, dass die Fördergelder aus dem „Pakt für den Nachmittag“ für den weiteren Ausbau der Betreuung eingesetzt werden können. Der Kreis verwaltet das Geld vom Land für die beteiligten Grundschulen. In Neu-Isenburg sind dies die Albert-Schweitzer- und Ludwig-Uhland-Schule, für die jeweils 1,4 Stellen finanziert werden. Über die Teilnahme entscheiden die Schulen.

Der Satzungsentwurf wurde intensiv in den Ausschüssen beraten. Die Stadtverordneten entscheiden in ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch, 12. Oktober, über die Vorlage. Bei einer Zustimmung soll die Gründung von NIKI zeitnah erfolgen.

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