Gegen das Vergessen

Mahnende Erinnerung an die Bücherverbrennung

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Musikschulleiter Thomas Peter-Horas und Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner bei der Lesung auf dem Wilhelmsplatz – vor dem Haus der Vereine, wo eine Gedenktafel an die Bücherverbrennung 1933 erinnert.  

Neu-Isenburg - Mit der Aktion „Fünf vor Zwölf“ erinnerte die Stadt einen ganzen Tag lang an die Barbarei der Bücherverbrennung durch die Nazis vor 83 Jahren. Die Isenburger waren aufgerufen, sich mit vielen kleinen Lesungen am großen Gedenken zu beteiligen. Die Grünen begrüßen die offizielle Einweihung einer Gedenktafel.

„Die Erinnerung an die Bücherverbrennung mahnt, uns stets mit aller Kraft für die Freiheit des Denkens und der Kultur in einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft einzusetzen.“ Mit diesen Worten schließt die silberne Tafel, die seit einiger Zeit am Alten Feuerwehrhaus, dem Haus der Vereine, an einen barbarischen Akt der Nationalsozialisten erinnert. Am 24. Juni 1933 loderte auch in Neu-Isenburg am Wilhelmsplatz ein Feuer, sogenanntes undeutsches Schrifttum wurde vernichtet.

„Die Barbarei der Nationalsozialisten hatte eine klare Hierarchie: zuerst die Bücher, dann die Menschen“, hob Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner bei der Abschlusslesung des Gedenktags hervor. Die Stadt hatte für Freitag alle Isenburger dazu aufgerufen, an verschiedenen Orten Lesungen zu halten. So las Bürgermeister Herbert Hunkel im Rathaus, in der Bibliothek und anderen Orten gab es weitere kleine Momente des Innehaltens um „Fünf vor Zwölf“. Die Abschlussveranstaltung fand dort statt, wo vor 83 Jahren die Bücher brannten: auf dem Wilhelmsplatz. Die Stadtverordnetenvorsteherin trug dort vor mehr als 20 Zuhörern ausgewählte Textpassagen vor, begleitet von passendem musikalischen Zwischenspiel von Thomas Peter-Horas mit Akkordeon und Gesang. „Nach akribisch aufgearbeiteten Listen sollten Werke 131 missliebiger Autoren den Flammen und dem Vergessen übergeben werden“, beschrieb Christine Wagner die damalige Situation.

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Bereits im Vorfeld des Gedenktages hatten die Grünen per Pressemitteilung die Einweihung der Gedenktafel zur Bücherverbrennung begrüßt. Die Ökopartei hatte seinerzeit das Aufstellen einer solchen auf dem Wilhelmsplatz beantragt und eine breite Mehrheit für dieses Anliegen gewinnen können. Grünen-Mitglied Hannelore Kaus-Schwoerer war bereits vor Jahren aufgefallen, „dass es keine Erinnerungsstätte in der Stadt gab, die auch unabhängig von Gedenkveranstaltungen an das dramatische Ereignis von damals erinnert“. „Die Schüler lernen zwar im Deutschunterricht, dass es Bücherverbrennungen in Berlin, Frankfurt, München und anderen Großstädten in Deutschland gab. Dass sich aber in Neu-Isenburg anlässlich einer Sonnenwendfeier bis zu 8 00 Menschen auf dem Platz hinter dem Feuerwehrhaus versammelt hatten, um der Zerstörung von Büchern von Heinrich Heine, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und vieler anderer kritischer Autorinnen und Autoren beizuwohnen, wissen die Wenigsten“, betont Kaus-Schwoerer.

Daher hatten die Grünen damals ein Denkmal beantragt - sind aber jetzt „erst mal froh, dass es wenigstens eine Tafel gibt“. Was nicht ist, könne ja noch werden, meinen sie. „Vielleicht hat ein Künstler eine originelle Gestaltungsidee, die dann als Denkmal umgesetzt werden könnte“, hofft Kaus-Schwoerer. (lfp)

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