Als Steine noch trennten

Dr. Wilhelm Ott veröffentlicht Band zu  Grenzmarkierungen in Gemarkung

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Dieser Grenzstein von 1767 musste dem Bau der ICE-Strecke zum Frankfurter Flughafen weichen. Heute befindet er sich im Hof des Stadtmuseums. Zu sehen ist er auf dem zweiten Band der „Isenburger Facetten“ von Dr. Wilhelm Ott.

Neu-Isenburg - Der zweite Band der Reihe „Isenburger Facetten“ ist fertig. Autor Dr. Wilhelm Ott beschäftigt sich auf 116 Seiten mit historischen Grenzen und mit den vielen, teils Jahrhunderte alten Grenzsteinen, die rund um Neu-Isenburg bis heute von ihrer Bedeutung für Nachbarschaft und Trennung erzählen. Von Barbara Hoven 

 

Die Publikation ist nicht nur ein Geschichtsbuch, sondern auch und gerade ein Wanderführer: Mit detaillierten Vorschlägen für Spaziergänge längs der Grenzen zu Offenbach oder Frankfurt bietet Ott die Gelegenheit, die Lokalgeschichte im Wortsinn „begreifen“ zu können. Wer glaubt, die Arbeit eines Heimatforschers sei oft trocken Brot, der sollte mal Ott über die Schulter schauen. Wenn der Sprendlinger sich ins Gelände aufmacht, wird er zum Detektiv und Schatzsucher. Seine Schätze sind aus Stein, historische Grenzsteine, die Auskunft geben über einstige Eigentums- und Rechtsverhältnisse und territoriale Veränderungen in der Vergangenheit. Seit der renommierte Heimatforscher, der auch Grenzsteinobmann für den Westkreis Offenbach ist, im Sommer 2015 von der Stadt den Auftrag erhalten hatte, ein Buch zu schreiben über „Grenzen und Grenzsteine der Neu-Isenburger Gemarkungen“, ist Ott viel unterwegs gewesen. Dazu zählte das Kriechen durchs Unterholz und das Suchen nach Steinen, nach denen er zuvor auf alten Landkarten und in Archiven gefahndet hatte. Das Ergebnis sind zahlreiche Fotos und die Dokumentation der meisten der rund 100 noch vorhandenen steinernen Zeugen der Geschichte.

Der Autor lässt seine Publikation mit einer allgemeinen Einführung beginnen: Welche Grenzen gibt es, wie werden sie markiert, wie werden Grenzsteine klassifiziert? Der Leser erfährt zudem viel über die Grenzen auf den heutigen Gemarkungen von Neu-Isenburg und Zeppelinheim und deren Veränderungen zwischen 834 und der Gebietsreform 1977. Detailliert beschreibt er die historischen Grenzen zwischen Frankfurt, der Grafschaft Ysenburg und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, zwischen Ysenburg und Hessen-Darmstadt sowie die verschiedenen Grenzlinien im Gravenbrucher Wald. „Zahlreiche historische Steine mit Wappen, Nummern und Inschriften markieren noch heute die Grenzverläufe“, hat der Sprendlinger entdeckt.

„Das Buch gibt Antworten auf Fragen, die Sie sich normalerweise nie gestellt hätten“, sagt Ott bei der Präsentation. Um eine breite Leserschaft mit seiner Begeisterung anzustecken, gehen die Beschreibungen einher mit Vorschlägen zu Spaziergängen entlang der Grenzen. Da ist zum Beispiel die Fünf-Etappen-Tour entlang der Frankfurter Grenze, die vom Startpunkt östlich der Hugenottenallee zur B44, zum Gehspitz-Dreimärker und vorbei am Vierherrenstein bis dicht an die A5 führt, wo der letzte noch existierende Stein an der südlichen Grenze des Stadtwalds auf dem jetzt renaturierten Gelände der ehemaligen Recreation Area zu entdecken ist.

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Zwei der historischen Steine finden sich mittlerweile im Hof des Stadtmuseums Haus zum Löwen – sie waren auch Anlass für die Publikation. Wer am Ende in die Tabelle guckt, in der die Koordinaten der Grenzsteine aufgelistet sind (für GPS-Gerätebesitzer), oder das Begehungsprotokoll liest, erfährt zum Beispiel folgendes: Der im Hof des Stadtmuseums ausgestellte rote Stein, der auch auf dem Buchdeckel zu sehen ist, wurde am 16. Juli 1767 gesetzt. Beim Bau der ICE-Trasse zum Flughafen hatte die Stadt ihn gesichert und ins Museum gebracht.

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