Trotz EM und durchwachsenem Wetter:

Isenburger halten „ihrem“ Altstadtfest die Treue

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Zur Eröffnung hielt das Wetter: Nach ruhigem Anlauf brummte es am späteren Freitagabend in den Altstadtgassen.

Neu-Isenburg - Es ist keine eingekaufte Veranstaltung, sondern ein Fest, das von den Isenburgern selbst gestaltet wird – von Vereinen, Gastronomen, Gruppen.

Freunde treffen und feiern: Das ist es, was Alteingesessene wie Neubürger an der dreitägigen Traditionsfete im alten Ortskern schätzen. Ob Live-Musik, kulinarische Genüsse, Kunsthandwerk oder einfach nette Gespräche – das 34. Altstadtfest hatte viel Wetterglück und auch sonst einiges zu bieten. Farbige Folien auf den Glasscheiben der historischen Laternen tauchen die Gut Stubb der Hugenottenstadt in schönes Licht, vor allem an den Essens- und Getränkeständen bilden sich am späteren Freitag Schlangen. War’s zuvor zur Eröffnung noch recht ruhig, werden die Gassen abends doch voller und voller wie eh und je, zeitweise gibt’s kein Durchkommen mehr.

Kleine Veränderungen schaffen Aufmerksamkeit und beleben eine Veranstaltung – so die Intention der städtischen Organisatoren um Gordana Petkovic. Und so sieht sich, wer früh zur Eröffnung gekommen ist, um sich einen der begehrten „Logenplatz“ in der Lounge inmitten des Marktplatzes zu sichern, enttäuscht: Diesmal gibt’s kein erhöhtes Podium mit Couchgarnituren. „Es gab Für und Wider, jene, die einen Platz ergattert hatten, waren begeistert und blieben recht lange dort, doch andere, die lange warteten, um nach oben zu können, haben natürlich gemurrt“, schildert Petkovic das Problem. Beschwerden habe es in den Vorjahren aber auch von den Besuchern gegeben, die hinter dem Podest saßen: Von dort habe man vom Geschehen auf der Bühne nicht mehr genug mitbekommen. „Aber der Hauptgrund, dass wir auf die Lounge verzichtet haben, lag bei den Sicherheitsaspekten“, erklärt die Organisatorin. Kinder und Jugendliche hätten das Podest immer wieder mal mit einem Klettergarten verwechselt – „und jene mit höherem Alkoholpegel drohten über die Brüstung zu stürzen – das alles wollen wir freilich nicht“, betont Petkovic.

Also begrüßt Bürgermeister Herbert Hunkel die ersten Besucher diesmal von ebenerdiger Position, direkt vor der Bühne. Passend zur EM nutzt das Stadtoberhaupt auch gleich die Gelegenheit, erfolgreiche Sportler zu würdigen – unter ihnen Hürdenläuferin Eileen Demes, die Damenmannschaft der TSG, die in der kommenden Saison in der Hessenliga kickt, oder die Damen der Spielvereinigung 03, die sich in der Kreisklasse A Frankfurt den Titel holten.

Abwechslungsreiches Essensangebot

Besucher schlendern dann durch die Gassen, viele loben das starke Engagement vieler Vereine und das abwechslungsreiche Essensangebot. „Wir haben versucht, den Druck auf den zentralen Marktplatz etwas wegzunehmen und viele Stände weit in die Gassen verlegt“, erläutert Petkovic das neue Konzept. Auch die Gaststätten haben ihre Türen geöffnet oder sind mit Angeboten auf der Gass’ vertreten. Die Grüne Maria Sator-Marx zeigt sich stolz, gar zwei „Schwarze“ im Griff zu haben – wenn auch nur in Form von zwei Gläsern Andechser Bier, das es am Stand der Kolpingfamilie gibt. Dazu schmeckt ein Nierenspieß am Stand der Watze.

Auch der politische Nachwuchs ist rege: Die Jung-Liberalen der FDP sind mit von der Partie, auch die „Rote Bar“ der Jusos in der Hirtengasse und der Stand der Jungen Union in der Löwengasse locken Gäste an. Wo noch Platz ist, unterhält „Franktastico“ den Nachwuchs mit seiner Cowboy-Comedy-Show (kleines Bild) samt Lasso. Die Band Doctor Blond macht sich mit ihren Hits unüberhörbar und animiert zum Tanzen. Wem die Musik zu laut ist, der plaudert abseits der Marktplatz-Bühne an einem Tisch in einer der Gassen. Auffällig: Viele Sicherheitsleute drehen ihre Runden. Neben der Polizei sind auch der Freiwillige Polizeidienst sowie ein privates Security-Unternehmen im Auftrag der Stadt unterwegs.

Galerie zum Altstadtfest in Neu-Isenburg

Am Samstagnachmittag, noch immer spielt das Wetter mit, eröffnet Rick Mayfield mit einem Mix aus Partyhits und Oldies den Musik-Reigen. Künstlerin Katy Conrad hat einen Kunstmarkt im Hof der Kronengasse 9 organisiert, wo es viel zu entdecken gibt – zum Beispiel die Arbeiten von Sonia Schmidtke, die aus Kaffee-Kapseln Sehenswertes schafft. Am späten Nachmittag herrscht richtiges Altstadtfest-Treiben in allen Gassen. Unter den Besuchern ist auch Hoteldirektorin Karina Ansos vom Kempinski anzutreffen. „Ich habe gerade Besuch von meinen früheren Kollegen aus dem Hotel in Shanghai, da bot es sich an, ihnen mal die schöne Altstadt zu zeigen – und alle wollten mal echten Ebbelwoi trinken“, verät Ansos. Und wie schmeckt das Stöffche ihnen? Also nach dem fünften Glas könnte das Zeug wirklich schmecken, kommentiert ein Gast. Entgegen aller Wetterprognosen hält das Wetter auch am Samstag, dafür kommt der Regen Sonntagmorgen mit Wucht runter.

Bei der 34. Ausgabe der Altstadt-Party sagen manche Wirte und einige Leute an den Ständen, es sei bei früheren Altstadtfesten schon mal enger gewesen. Andere finden es gut, dass es nicht ganz so voll ist, freuen sich, dass das Wetter hält und man ein fröhliches Miteinander genießen kann. Zitiert sei das Fazit der mit 98 Jahren wohl älteste Besucherin: „Früher war das fest ja noch größer, da war noch die Offenbacher Straße gesperrt, aber so, wie es jetzt ist, find ich’s gut“, sagt Liesel Dörr.

lfp/hov

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