„Vor allem im Notfall wichtig“

CDU in Gravenbruch setzt sich für mehr Telefonzellen ein

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Noch gibt es sie. Doch wenn man wirklich mal eine Telefonzelle braucht, ist meist keine da. Und wenn doch, dann ist sie oft kaputt. Auch dieses Exemplar am Parkplatz der Forsthaus-Galerie ist arg ramponiert.

Gravenbruch - Waren gelbe (oder später dann grau-magenta-farbene) Telefonhäuschen vor etwa 15 Jahren noch aus keinem Stadtbild wegzudenken, werden künftige Generationen sie wohl nur noch aus dem Museum kennen.

Sind öffentliche Telefone bloß noch ein Relikt der Vor-Handy-Ära? Und heutzutage überflüssig, weil fast jeder sein eigenes Mobiltelefon mit sich herumträgt? Einige Gravenbrucher sehen das anders. Ihr stärkstes Argument: Von einem öffentlichen Telefon kann man jederzeit kostenlos einen Notruf absetzen – beispielsweise, wenn einem das Handy geklaut wurde.

Gravenbruch soll zusätzlich zu dem Einzelexemplar, das es noch gibt im Stadtteil, drei weitere öffentliche Telefone erhalten: Einen entsprechenden Antrag hat die CDU im Ortsbeirat aufs Gleis gesetzt. „Ein öffentliches Telefon kann insbesondere in einem Notfall unter Umständen lebenswichtig sein, nicht immer ist eine Person mit einem Mobiltelefon in der Nähe“, schreibt Peter Burkard. Der stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbands der Gravenbrucher CDU erinnert daran, dass es früher im Stadtteil vier Telefonzellen gegeben habe.

Geblieben sei dem 6000-Einwohner-Stadtteil mittlerweile nur ein einziges öffentliches Telefon – und dies sei alles andere als einladend. „Unsere Telefonzelle an der Ausfahrt Parkplatz Forsthaus-Galerie ist in einem nicht geringen Maß beschädigt und passt eigentlich gut zu dem gegenüber befindlichen, sichtbar langsam verfallenden ehemaligen Tengelmann-Gebäude“, schreibt Burkard in der Antragsbegründung. Dieses Telefonhäuschen mache für die Telekom sicherlich keine gute Werbung.

Wenn die CDU die Zustimmung für ihren Antrag bekommt, ist der Magistrat am Zug. Die Stadtregierung soll laut Antrag „zum einen die Telekom auf den Zustand der vorhandenen Telefonzelle hinweisen und auffordern, diese wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen“; und zum anderen bei der Telekom „die Errichtung von zumindest drei weiteren öffentlichen Telefonen“ prüfen lassen. Folgende Standorte werden im von Ortsvorsteher Eddi Fischer unterzeichneten Antrag vorgeschlagen: Nähe Bus-Endhaltestelle AFG, Ausfahrt Schönbornring, oberer Bereich Ladenzentren AFG (Nähe Nachtigallenstraße) sowie Ladenzentrum Forsthausgalerie. „Münztelefone mit Geldkarten beziehungsweise EC-Kartenakzeptanz wären aus unserer Sicht zu bevorzugen“, präzisiert die CDU.

Allein: Schaut man auf den eindeutigen Trend hin zu immer weniger Telefonzellen, liegt die Vermutung zumindest nahe, dass der Wunsch der Gravenbrucher bei der Telekom nicht unbedingt auf Gehör stoßen wird. Telekom-Pressesprecherin Stefanie Halle äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung gestern nicht zu regionalen Daten. Generell, so ist von ihr zu erfahren, seien bundesweit noch etwa 27.000 öffentliche Telefone in Betrieb. Das ist nicht mal mehr ein Drittel des einstigen Bestandes. (Zum Vergleich: In Deutschland kommen statistisch etwa 1,4 SIM-Karten von Mobilfunknutzern auf jeden Einwohner.)

Auch immer mehr der im Land verbliebenen Telefonzellen, so ahnt man, dürften in den nächsten Jahren verschwinden. „Grundsätzlich passen wir unseren Bestand an Telefonzellen fortlaufend dem Bedarf bei den Bürgern an“, formuliert es die Konzernsprecherin. Denn der Unterhalt einer Telefonzelle koste Geld, „etwa für Strom, Standortmiete, Wartung oder Beseitigung von Schäden durch Vandalismus“. Ein öffentlicher Fernsprecher gilt übrigens bei der Telekom als unwirtschaftlich, wenn er nicht mindestens 50 Euro im Monat einspielt.

Doch zurück nach Gravenbruch. Der Einsatz für mehr Telefone ist nicht das einzige Thema, über das der Ortsbeirat in seiner öffentlichen Sitzung am morgigen Donnerstag (19.30 Uhr, Seniorenhaus, Meisenstraße 24) diskutiert. Auf der Tagesordnung steht des weiteren die Situation der Spielplätze im Stadtteil sowie der Ruf der CDU nach der Wiederaufstellung eines Briefkastens an der AFG-Schleife. Denn ausgerechnet in diesem am dichtesten besiedelten Teil Gravenbruchs sei der Briefkasten vor geraumer Zeit entfernt worden. Die Grünen regen an, der Magistrat möge ein Willkommensfest für die Flüchtlinge veranstalten, die Ende des Sommers in das Singh-Haus einziehen werden. (hov)

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