Viele Menschen begleitet

Norbert Bachus (85) feiert sein Diamantenes Priesterjubiläum

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Mehr als ein halbes Jahrhundert im Dienste Gottes: Pfarrer Norbert Bachus wird am Sonntag zu seinem Diamantenen Priesterjubiläum gewürdigt.

Neu-Isenburg -  Gestern vor 60 Jahren wurde Norbert Bachus zum Priester geweiht. Sein Diamantenes Priesterjubiläum ist am Sonntag Anlass für ein großes Fest gemeinsam mit seinen beiden ehemaligen Gemeinden Zum Heiligen Kreuz und St. Christoph. Von Barbara Hoven

Der heute 85-jährige Geistliche, der Tausende von Isenburgern durchs Leben begleitet hat, blickt zurück auf ein heiteres, weltoffenes Priesterleben, aber auch ein tiefernstes. Es begann in Offenbach. „Geboren bin ich am Fuß des Bieberer Bergs“, erzählt Bachus, der folglich früh seine Liebe zum Fußball entdeckte: „Wir sind schon als kleine Buben allein zu den Kickers gegangen.“ Später dann, als er im Priesterseminar war, da habe er sich auch mal abends hinausgeschlichen, um ein Aufstiegsspiel nicht zu verpassen. „Ein Bekannter fuhr mich hinterher mit dem Motorrad zurück, ich bin durchs Klofenster wieder rein geklettert und war froh, dass ich nicht erwischt wurde.“

Norbert Bachus kann wunderbar erzählen – von seiner seelsorgerischen Arbeit, von seinen vielen Begegnungen mit unzähligen Menschen, auch von seinen vielseitigen Interessen. Er hat das Leben seiner Gemeinden Zum Heiligen Kreuz und St. Christoph (Gravenbruch) über Jahrzehnte hautnah begleitet, hat sie wachsen und sich später verändern sehen, war beim Bau des Alfred-Delp-Hauses dabei. Zu dessen Einweihung sei es ihm gar gelungen, die Schwester von Alfred Delp in den Buchenbusch zu holen, erzählt Bachus.

Auf die Frage, ob es Begegnungen gibt, die für ihn unvergessen geblieben sind, erzählt er von einem Besuch am Krankenbett von Alt-Bürgermeister Wilhelm Arnoul. „Ich war wohl der letzte, der ihn besucht hat.“ Auch auf anderen besonderen Wegen hat er viele Isenburger begleitet, getauft, getraut, beerdigt. Auch viele Reisen mit Gruppen hat er unternommen (allein 14 Mal war er im Heiligen Land), ist überdies der Gründer der Schwarzen Elf. Überhaupt waren ihm das Reisen – vor allem das Bergsteigen („ein Urlaub war immer nur dann was gewesen, wenn ich mindestens einen 4000er gemacht hatte“) – und die Fastnacht stets geschätzte Hobbies. Als junger Kaplan hat er in Isenburg mit den Jugendlichen der Pfarrei – damals war das nur St. Josef – den Grundstein für den heute so traditionsreichen Fastnachtsverein Schwarze Elf gelegt. Vier Ordner voll mit Büttenreden hat er heutzutage im Schrank stehen, war jahrzehntelang auch über Isenburg hinaus gefragter Gast bei Fastnachtsveranstaltungen.

„Seine Büttenreden waren immer Höhepunkte“, hat Laudatorin Gudrun Litzenberger anlässlich der Verleihung der 44er-Ehrennadel der Schwarzen Elf im Februar 2013 über Bachus gesagt – und noch mehr: „Er hat es wie kein anderer verstanden, die menschlichen Schwächen liebevoll aufs Korn zu nehmen, und nahm sich selbst dabei nicht aus.“ Litzenberger sagte damals noch, ein Stück Seelsorge sei es, den Menschen Freude zu schenken – „das ist Ihnen, lieber Pfarrer Bachus, gelungen“.

Schon recht früh, so erzählt der Jubilar gestern, sei in seiner Familie klar gewesen, dass er eine Laufbahn ins Geistliche einschlagen werde, „es war ein gradliniger Weg, auf dem meine Eltern mich bestärkt haben“. Am 28. Juli 1956 wurde Bachus im Dom zu Mainz zum Priester geweiht, es folgten Kaplansjahre in Hanau-Steinheim, Münster und Neu-Isenburg. Von 1962 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2001 war der heute 85-Jährige dann Pfarrer in Neu-Isenburg.

Während er das erzählt, greift der Jubilar in seinen Wohnzimmerschrank und holt einen Text hervor, den er vor vielen Jahren verfasst hat. „Liebenswertes Neu-Isenburg“ ist dieser überschrieben. Dabei sei Isenburg in den 1940er Jahren für einen Offenbacher Bub zunächst „nicht gerade begehrenswert“ gewesen. Wie eindeutig sich diese Sichtweise auf die Stadt, „in der ich mein Hauptleben verbracht habe“, im Laufe seines erfüllten Priesterlebens geändert hat, wird im Gespräch immer wieder deutlich und auch in besagtem Text, der wie folgt endet: „Nie wurde ich in der ‘Hugenottenstadt’ wegen meines Berufs oder meiner Konfession angepöbelt – im Gegenteil: Neu-Isenburg wurde mir zur Heimat.“

Dieses Foto, das im Arbeitszimmer des Geistlichen hängt, zeigt Pfarrer Norbert Bachus am Tag seiner Primiz, dem 28. Juli 1956, mit seinen Eltern. Diese haben später noch mit ihm im Pfarrhaus in Heilig Kreuz gewohnt.

Für einen Zeitraum von zwölf Jahren hat er diese Heimat aber doch verlassen – nach seiner Pensionierung im Jahr 2001 war das. „Wenn man so lange Pfarrer in einer Gemeinde war, dann darf man nicht bleiben’’, findet Bachus – vor allem auch, um die Arbeit des Nachfolgers nicht zu beeinflussen. Er zog damals in den Bayerischen Wald, wo er als Hausgeistlicher des Kolping-Ferienhotels Lambach die Gäste betreute und so erneut mit vielen Menschen zu tun hatte. „Da geht’s lebendig zu, da bleibt man jung“, spricht der Geistliche mit Freude über die Zeit in Lambach, die er nicht bereut habe. Doch auch den Kontakt zu den Isenburgern hat er in dieser Zeit nie abreißen lassen. Dass er sich 2013 für die Rückkehr entschied, habe auch damit zu tun gehabt, dass der viele Schnee im Lambacher Winter ihm zunehmend zu schaffen gemacht habe. Seit drei Jahren nun ist er zurück – und lebt seither in einer Wohnung in Gravenbruch, wo damals alles begann. Weil nämlich das Pfarrhaus in der Kernstadt noch nicht gebaut war, lebte der junge Bachus zunächst am Gravenbrucher Schönbornring – damals seien der Arzt, der katholische und evangelische Pfarrer und sogar die Schule in dem Haus untergebracht gewesen, „das waren halt die Anfänge von Gravenbruch“.

Der Ruhestand ist für Bachus bis heute kein kompletter: So ein Seelsorger ist ja, auch wenn da jetzt viel Pathos mitschwingt, quasi immer im Dienst. Auf ureigenem Terrain, also für Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten. Praktisch an jedem Wochenende halte er einen Gottesdienst, „ich bin froh, dass ich noch mithelfen kann“.

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Wie hat sich aus seiner Sicht in 60 Priesterjahren das seelsorgerische Leben verändert? „Sehr“, antwortet Bachus. Als Beispiel wählt er das Beichten. In seinen Anfangsjahren als Pfarrer, da habe es samstags in allen Kirchen Beichtgelegenheiten gegeben, „vier oder fünf Stunden hab ich da teils im Beichtstuhl gesessen und hatte gut zu tun“. Heute hingegen sei in unserer Breiten „die Beichte praktisch tot“. Und was wünscht er sich zu seinem Jubiläum? „Ich persönlich wünsche mir überhaupt nix“, betont der Ruhestandsgeistliche, „ich habe doch alles“. Wer aber etwas geben wolle, der möge eine Spende für junge Leute in der Berufsausbildung in Uganda geben, ein Kolping-Projekt, das dem engagierten Seelsorger am Herzen liegt. Gleiches gilt wohl auch irgendwie für den Fußball und seinen Heimatverein. „Ich will so lange leben, dass ich noch erlebe, wie die Kickers aufsteigen.“

Gemeinsam mit seinen beiden ehemaligen Gemeinden Heilig Kreuz und St. Christoph feiert Norbert Bachus am Sonntag, 31. Juli, Diamantenes Priesterjubiläum. Die Feierlichkeiten beginnen um 9.30 Uhr in Heilig Kreuz, den Festgottesdienst wird der Diözesanadministrator und ehemalige Pfarrer von St. Josef, Prälat Dietmar Giebelmann, zelebrieren. Im Anschluss laden die Gemeinden zu einem Empfang in den Pfarrgarten ein.

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