Polizei lobt: „Alles friedlich“

Fußball und Open Doors: Und es geht doch beides

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Der Alte Ort war am Eröffnungsabend Ziel vieler Partygäste – und Roy Hammer sorgte für allerbeste Stimmung.

Neu-Isenburg - Rockende Bands, zufriedene Besucher: Bei der 24. Auflage der Open Doors war zwar alles ein bisschen anders als üblich. Fußball-EM und Wetter setzten dem Musikspektakel dann doch etwas zu. Doch die Stimmung passte. Auch dank ganz neuer Festival-Facetten. Von Barbara Hoven 

Beim Blick über die Bierbank-Reihen im Treffer-Garten an der Bahnhofstraße springt am späten Freitagabend eine Szene ins Auge, die mehr sagt, als dass hier Isenburger einen netten Abend haben. Sie ist Seismometer für den Einstieg ins lange Wochenendbeben der Open Doors: Kaum ein untrüglicheres Zeichen für einen gelungenen Auftakt ist vorstellbar als ein so eindeutig entspannter Dominik Stotzem. Er ist ein Haupt-Arbeitstier der Riesensause und sitzt plaudernd an einem Tisch. Entschleunigung, die es nicht geben könnte, wenn an einem der vielen anderen Orte des Festivals die Welt zusammenfiele.

Bester Stimmung sind auch die vielen Leute in der Musikkneipe, von der man sagt, sie sei das heimliche Hauptquartier der Open Doors. Es ist voll, es ist laut, aber alles andere wäre eine Niederlage, weil hier die Gypsys spielen, die Band um Festival-Organisator Michael Kercher.

Dieser Freitag, an dem es nach etwas schleppendem Start in der City doch noch reichlich voll wird, bringt auch neue Facetten. Im Alten Ort, bei den Organisatoren seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste stärker einzubindender Spielstätten, drängeln sich Generationen. Die Schlager-Kapelle „Roy Hammer und die Pralinées“ um das hyperaktive Gesangsduo Roy Hammer und Trude Blume hat Hunderte gelockt. Fans und Musiker sind noch deutlich über die gebuchte Auftrittszeit hinaus nicht müde zu kriegen.

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Samstagnachmittag, Wilhelm-Leuschner-Straße 28. Ein gediegeneres Ambiente herrscht am Robert-Maier-Haus, wo die Sloppy Notes Jazzband spielt. Die Damen und Herren im Publikum sind froh, dass das Wetter hält – verschärftes Fußwippen im Gartenstuhl.

Bewegter zur Sache geht es vor und in der Hugenottenhalle. Salsa Verde sprühen unter freiem Himmel. Die Füße tanzen, die Arme halten immer mal wieder den Regenschirm. Doch Platz zum Unterstellen gibt’s genug – und überdachte Alternativen. In der Huha ist am frühen Samstagabend auch gut was los, als Purple Rising rocken. Apropos: In der Halle ist wieder die VIP-Lounge. Die Veranstalter Zwölf Löwen und die Stadt haben sie zu Gunsten der Kinderhilfestiftung eingerichtet. Lokalprominenz um Ersten Stadtrat Stefan Schmitt und Bürgermeister Herbert Hunkel hilft mit, Lose unter die Leute zu bringen.

Dann ist’s 20.30 Uhr. Zeit für Prioritäten, Fußball und Festival konkurrieren. „Inhuman“ ziehen auf der Bühne am hinteren Ende der Festmeile ihr Ding durch. „Wir haben selten so gezittert wie heute Abend, aber ihr seid da und wir freuen uns“, sagt Sänger und Gitarrist Jonas Fisch zu den Leuten vor der Bühne. Als für Deutschland und Italien der Anpfiff tönt, ist die Dreieicher Rockband mit einem nagelneuen Song namens „Little Lie“ dran. Eine würdige Belohnung für jeden, der dem Ruf der Glotze widerstanden hat. Als die Band die letzten Akkorde von „Photograph“ gespielt hat, will ein Zuschauer noch was loswerden: „Vielen Dank, dass ihr auf Fußball pfeift und trotzdem spielt, Hammer.“

Bilder: Open Doors in Neu-Isenburg

An Gelegenheiten zum Stehenbleiben mangelt es der Sause das ganze Wochenende lang nicht. An jeder Ecke zeigen Künstler und Verkäufer Sendungsbewusstsein, konkurrieren Leckereien, Getränke und Schallwellen. Es gibt auf 17 Bühnen über 60 Bands und Künstler. Zwar steht die Buden- und Pavillonparade auf der zur Festmeile umfunktionierten Frankfurter Straße, auf der auffällig viele Polizisten pendeln, nicht so dicht an dicht wie im vergangenen Jahr. Doch wer will, muss nicht lügen, um die neue Luftigkeit als Vorteil zu loben.

Als kostbarer Programmpunkt entpuppt sich auch wieder der Newcomer-Bandcontest mit fünf jungen Formationen aus der Region am Eröffnungsabend. Als Sieger gehen The Secluded von der Bühne. Doch auch PZZL, Leyla Trebbien, Usinger und The Morning Pints haben viele positive Rückmeldungen.

Erstmals erleben die Open Doors gestern Morgen zwischen Bands und Buden einen musikalischen Gottesdienst. Seelsorger Ralf Weidner von der Stadtmission stellt ihn unter den Titel „You’ll never walk alone“. Eine Fußballhymne, meint er, die „das, woran wir glauben, auf den Punkt bringt“. Dominik Stotzems Laune bleibt übrigens gut, sein vorläufiges Fazit gestern Mittag klingt so: „Das Fest hatte eine super Stimmung bei Bands und Besuchern. Die Akteure haben eisenhart ihr Programm durchgezogen und hatten trotz des nervenaufreibenden Elfmeterschießens ihre Fans vor der Bühne. Wir haben eine tolle Party erlebt und denken, dass auch dieses Fest wieder ein ganz besonderes war.“

Die erste Bilanz der Polizei klingt auf Nachfrage ähnlich: „Alles friedlich“, die Nacht sei ohne Störungen oder besondere Vorkommnisse verlaufen. Einen Störenfried gab’s aber doch, und zwar am Freitagnachmittag: die Beschaffenheit der Friedhofstraße. Offenbar durch die starken Regenfälle der letzten Tage war der Kanal beschädigt worden, die unterspülte Straße sackte ab und musste an der Kreuzung zur Herzogstraße gesperrt werden – was im Feierabendverkehr einigen Trubel verursachte.

Musikfestival Open Doors 2015: Bilder

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