„Weil ich es gerne mache“

Open Doors: Singer-Songwriterin Dana Irmschler startet  durch

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DanaMaria trat schon mehrmals beim Open Doors auf – am kommenden Sonntag erstmals auf großer Bühne.

Neu-Isenburg -  Wenn an diesem Wochenende das 24. Musikspektakel Open Doors Neu-Isenburg drei Tage lang zu Hessens Musikhauptstadt macht, können die Besucher zwischen 60 Bands auf 17 Bühnen im Stadtgebiet wählen. Von Stefan Mangold

Und dabei manche Entdeckung machen – etwa die junge Isenburgerin Dana Irmschler. Unter dem Künstlernamen DanaMaria startet die 22-Jährige im Moment musikalisch durch. Wer vom Leben vor allem finanzielle Sicherheit erwartet, der studiert lieber irgendwas mit Finanzwirtschaft und kommt besser nicht auf die Idee, einen Weg wie Dana Irmschler einzuschlagen. Die 22-jährige Sängerin und Gitarristin trat schon mehrmals beim Open Doors Festival auf. Als Künstlerin nennt sie sich DanaMaria. Stilistisch orientiert sich die Isenburgerin an Blues und Folk. Den US-Sänger James Taylor oder die Country-Interpretin Bonnie Raitt benennt sie als ihre Vorbilder. Seit frühester Jugend schreibt DanaMaria eigene Lieder zur Gitarre, bisher fast immer auf Englisch.

Das rührt zum einen von verwandtschaftlichen Beziehungen in die USA. Ein ausgewanderter Großonkel lebt in Austin, der Hauptstadt von Texas. Durch die ständigen Besuche fand DanaMaria Kontakt zur Blues- und Country-Szene der Metropole, bekam Gigs in Clubs. Zum anderen eigne sich Englisch phonetisch besser zum Musikstil, „die Sprache klingt weicher als Deutsch“. Auf alle Zeiten wolle sie sich aber nicht festlegen. Wichtig sei beim Texten generell, Schablonen zu vermeiden, „egal in welcher Sprache“.

Ihre Eltern gehören nicht zu den Bedenkenträgern. Mehrfach habe sie ansonsten Warnungen im Tenor bekommen, bei der Musik handele es sich um brotlose Kunst. Sie solle lieber Handfestes studieren, statt Gesang und Gitarre an der Rock Pop Jazz Akademie Mittelhessen in Gießen. „Meine Eltern waren jedoch auch immer meine schärfsten Kritiker“, erzählt DanaMaria. Vater und Mutter gehören nicht zu jenen, die jeden Pups vom Nachwuchs reflexhaft als genial preisen.

Auf ihrem musikalischen Weg habe sie bisher stets Glück gehabt. Angefangen mit ihrem Gitarrenlehrer Andreas Casselmann von der Isenburger Musikschule, mit dem sie bis heute künstlerisch Kontakt hält. Außerdem ist ihr Vater seit Jugendzeiten mit dem Frankfurter Komponisten und Gitarristen Daniel Tochtermann befreundet, „der nahm mich unter seine Fittiche“.

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Ihr Instrument und die Lust, eigene Lieder zu schreiben, sei in der Jugend auch eine Möglichkeit gewesen, sich durch die emotionalen Turbulenzen der Pubertät zu schippern. „Während andere Party machten, übte ich über Stunden Gitarre.“ Es kommt ihr heute zu Gute, wirklich spielen zu können: differenziert und artikuliert, fern von unbeholfenem Akkord-Geschrammel. Auch gesanglich bewegt sich DanaMaria auf professionellem Niveau. Sie verfügt über keine Soul- oder Rockröhre, sondern über eine klare Klangfarbe und eine ausgereifte Technik, mit der sie ihr Timbre nuanciert zu variieren weiß. Im Genre von Oper und Kunstlied läge ihr Fach wohl im Bereich des lyrischen Mezzosoprans.

Die junge Frau wirkt angenehm natürlich im Gespräch, jenseits von Verhaltensimitaten aus sattsam bekannten Castingshows. Nach dem Abitur mit 18 an der Schillerschule in Sachsenhausen verbrachte DanaMaria ein Jahr in Texas. Nicht als Au-pair-Mädchen in der zuweilen aseptischen Atmosphäre amerikanischer Familien gehobener Mittelschicht, sondern als Arbeiterin auf einer Rinderfarm, täglich mehrere Stunden um Herden reitend.

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Den Umgang mit Pferden hatte DanaMaria schon in der Kindheit gelernt. Wieder in Deutschland, absolvierte sie eine zweijährige Lehre als Tierarzthelferin, mit der Intention verknüpft, im Anschluss Veterinärmedizin zu studieren. „Doch mit dem Abschluss war mir klar: Ich will ganz in die Musik.“

Blauäugig sei sie jedoch nicht, fest damit kalkulierend, nach kurzer Zeit stünden Plattenfirmen und Fernsehstationen Schlange. Daran denke sie nicht, wenn sie in Darmstadt auf dem Schlossgrabenfest auftrete oder zur Eigenart-Messe in der Huha: „Ich will das, weil ich es gern mache.“ Musik, so ist auf ihrem Internetauftritt zu lesen, sei für sie mehr als nur ein Beruf. „Musik ist die schönste Sprache der Welt.“ Zu hören ist DanaMaria mit ihrer Band am Sonntag auf der Bühne Ecke Frankfurter- / Offenbacher Straße. Um 15 Uhr beginnt ihr Gig.

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